Multi-Channel | | von Annette Mattgey

Möbel: Kunden wünschen sich mehr Spielraum

Bislang sind Möbel eher die Stiefkinder im Online-Handel. In Zukunft erwarten die Kunden aber auch von ihrem stationären Möbelhändler Angebote im Internet wie interaktive Kataloge und virtuelle Einkaufsberater. Der Online-Umsatz mit Möbeln soll 2013 um 40 Prozent wachsen, prognostiziert das IFH. Damit steigt er auf knapp 900 Millionen Euro. „Seit 2009 ist der Online-Markt für Möbel kontinuierlich gewachsen. Der noch unterdurchschnittliche Online-Anteil in der Branche weist darauf hin, dass das Ende des Wachstums noch lange nicht erreicht ist. Der Online-Vertrieb von Möbeln weist enormes Potenzial auf“, so Hansjürgen Heinick, Senior Consultant am IFH Köln. Die Online-Umsatzbringer der Branche sind mit 23 Prozent Marktanteil aktuell Tische, Stühle und Bänke vor Schlafzimmermöbeln (16,6 Prozent).

Davon fließt ein immer größerer Teil ins Netz, sind die Konsumenten überzeugt. Insgesamt gehen rund 60 Prozent der Befragten davon aus, dass der Online-Kauf von Möbeln zukünftig genauso alltäglich sein wird, wie heute Schuhe oder Kleidung online geshoppt werden. Rund jeder fünfte Verbraucher stimmt dem sogar voll und ganz zu. Lediglich rund 16 Prozent der Befragten können sich eher weniger vorstellen, dass das Möbel-Shopping online selbstverständlich wird. „Hier gilt es sowohl für Online-Händler als auch für stationäre Händler, die Vorzüge des jeweiligen Kanals herauszuarbeiten, um Kunden auch zu treuen Fans zu machen. Nur über den Preis wird sich kein Möbelhändler online langfristig differenzieren können“, so Hansjürgen Heinick.

Insgesamt beträgt das Marktvolumen im Bereich Wohnen & Einrichten online mehr als 2,8 Milliarden Euro. Bereits heute kaufen Verbraucher gut jeden dritten (36 Prozent) Einrichtungsgegenstand online oder mobil. Mobile Kaufkanäle werden für Ware aus diesem Bereich häufiger verwendet als für Modeartikel (5 bzw. 4 Prozent). Für die Zukunft erwarten die Konsumenten, dass sich der Anteil des mobilen Handels im Bereich Möbel und Einrichtungsgegenstände von fünf auf zehn Prozent verdoppeln wird. Das ergab eine repräsentative Verbraucherumfrage im Rahmen des Ebay- Projektes „Zukunft des Handels“.

Drei Viertel (75 Prozent) der Verbraucher finden es wichtig oder sehr wichtig, dass Händler Produkte aus diesem Bereich sowohl stationär in einem Ladengeschäft als auch über das Internet anbieten. Weit über die Hälfte (56 Prozent) hat sich schon mindestens einmal darüber geärgert, dass Produkte nicht im Internet verfügbar waren.

Wert legen sie auch darauf, dass die verschiedenen Kaufkanäle miteinander kombinierbar sind. So kommen auch im Bereich der Möbel und Einrichtungsgegenstände Angebote wie Click & Collect bei Kunden gut an: Jeder Vierte (26 Prozent) hat bereits einmal ein Produkt online bestellt und anschließend im Laden abgeholt, knapp jeder Zehnte (9 Prozent) nutzt Click & Collect sogar häufiger. Diese Verschmelzung der Kaufkanäle ist auch für Händler von Vorteil: Fast drei Viertel (73 Prozent) der Verbraucher haben bei der Abholung einer Online-Bestellung im Laden noch zusätzliche Produkte gekauft.  

Die Bedürfnisse der Kunden führen zu einer Differenzierung im stationären Handel, resümiert Prof. Margit Kling, Unternehmensberaterin und Professorin für Brand Planning und Konsumpsychologie an der design akademie berlin: „Online-Händler werden zunehmend virtuelle Pop-Up- oder Flagship-Stores einrichten, um ihre Marke bekannter zu machen und emotional aufzuladen. Ebenso wird es Handelsinnovationen wie etwa flexible hochwertige Ladenkonzepte geben, bei dem einzelne Marken oder Designer individuell bestimmbaren Regalplatz mieten können. Damit wird auch kleineren Labels ein Multi-Channel-Vertrieb ermöglicht. Insgesamt wird der stationäre Handel immer gezielter eine Auswahl des Sortimentes mit ‚Erlebnischarakter‘ in Showrooms präsentieren und so die Ladenflächen verkleinern.“

Wenn sich die Kunden vorab online informieren, können ihnen interaktive Tools helfen. Daran besteht durchaus Interesse, aktiv genutzt haben sie nur wenige. Jeder dritte Verbraucher (32 Prozent) hat einen virtuellen Einrichtungsassistenten genutzt, mit dem sich Möbelstücke und Einrichtungsgegenstände virtuell in der eigenen Wohnung platzieren lassen. So lässt sich vor dem Kauf prüfen, wie die Produkte am vorgesehenen Ort aussehen. Mehr als drei Viertel der Konsumenten (77 Prozent) finden diesen Trend interessant. Fast ebenso viele Verbraucher (73 Prozent) interessieren sich für interaktive Kataloge, die über Videos und Bilder zusätzliche Produktinformationen auch in 3D bereitstellen. Mit wenigen Klicks können Produkte sofort erworben oder für einen späteren Kauf gespeichert, zu Wunschzetteln hinzugefügt, oder an Freunde und Bekannte weitergeleitet werden. Außerdem macht der interaktive Katalog, den bereits etwa jeder vierte Verbraucher (23 Prozent) schon genutzt hat, auf Basis von gespeicherten und gekauften Produkten auf den Kunden zugeschnittene Angebote. Damit würde der Einkauf der Zukunft unkomplizierter und personalisierter.

Als Hindernisse für den Einkauf im Internet sehen Verbraucher zu hohe Versandkosten, schlechte Produktbeschreibungen und Fotos, minimale Rückgabemöglichkeiten und lange Lieferzeiten.

Frage: Welche der folgenden Aspekte halten Sie derzeit stark von einem Kauf aus dem Bereich Möbel/Wohnen im Internet ab?

 

Quelle: Ebay

Möbel: Kunden wünschen sich mehr Spielraum

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