M-Commerce | | von Irmela Schwab

Mobilgeräte verändern den Handel stärker als gedacht

Der Wettbewerb im E-Commerce spitzt sich zu. Wie LEAD digital im Schwerpunkt E-Commerce (LEAD digital 21/2013 / ET: 16. Oktober 2013) berichtet, drohen internationale Marktplätze von Amazon bis Xiu deutschen Händlern Marktanteile abzuringen. Filipe da Silva Araujo, Vice President Business Development UK Shopgate, erklärt im Interview mit LEAD digital, wie M-Commerce dem hiesigen Handel dabei hilft, seine Position zu stärken. Shopgate ist eine von zwölf Agenturen, die sich unter dem Dach von United E-Commerce zusammengeschlossen haben, um verschiedene E-Commerce-Kompetenzen zu bündeln. 

Wie hat sich der E-Commerce in den letzten Jahren verändert? 

Der E-Commerce hat sich in den letzten Jahren sehr stark weiterentwickelt. Damit verbunden, sind die Ansprüche der Kunden, nämlich so komfortabel und so schnell wie möglich bedient zu werden, ebenfalls gestiegen. Für den Händler bedeutet dies, dass er sich mit vielen komplexen Disziplinen des E-Commerce auseinandersetzen muss, wenn es ihm gelingen soll, seinen Kunden immer und überall effiziente Shopping-Lösungen anbieten zu können. Allerdings ist die Aneignung von tiefergehenden Kenntnissen, beispielsweise im Bereich SEO, sehr zeitintensiv. Daher ist es sinnvoll, auf externe Experten zurückzugreifen, um einen idealen Output zu erzielen.

Woran müssen deutsche Händler noch arbeiten: Wo sehen Sie die größten Baustellen?

Die größten Baustellen bei Shops liegen oftmals darin, dass Händler dem durch Smartphone, Tablet & Co. getriebenen Wandel im Verhalten ihrer Konsumenten nicht ausreichend Beachtung schenken. Häufig wird nicht die beste, sondern die günstigste Shop-Lösung für den Kunden gesucht – nicht selten mit verheerenden Ergebnissen für die Konversations-Rate. Hier empfehlen wir Händlern, sich mithilfe von Analyse-Tools genau anzuschauen, wie ihre Kunden sich durch den Shop bewegen. Nur so können Händler mögliche Hürden, die zu Kaufabbrüchen führen, erkennen und gezielt auf diese eingehen.

Shopgates Aufgabe besteht ja vor allem darin, stationäre Shops mobil zu machen. Welche Bedürfnisse haben Tablet- und Smartphone-Shopper - und mit welchem Konzept lassen sich diese bedienen?

Die Konvergenz zwischen der On- und Offline-Welt ist eine der wichtigsten Revolutionen für den M-Commerce. Der Kunde von heute möchte nicht nur immer, sondern auch von überall auf Informationen zugreifen können und diese so einfach und so optimal wie möglich auf jedem Endgerät abgebildet bekommen. Dieser Wandel führt nicht nur zu einem besser informierten Kunden, sondern verlagert bei vielen Geschäften den Hebel der Preisinformationsmacht auf den Kunden, da dieser mit einem Barcodescanner aktuelle Preise aus dem Internet abrufen und vergleichen kann.

Wie unterscheiden sich der Gebrauch von Smartphones und Tablets dabei?

Smartphones und Tablets unterscheiden sich auf den ersten Blick bis auf die Größe nur wenig voneinander. Doch das Nutzerverhalten und der Verwendungszweck der beiden Geräte könnte kaum unterschiedlicher sein:

  • Smartphone-Nutzer greifen immer und überall auf Informationen zurück. Die Nutzung des Gerätes ist stark von der Umgebung und Situation abhängig. Während sich das Suchverhalten beim Shoppen um Informationen über Inhaltsstoffe, Herkunft und Preise einzelner Artikel dreht, sucht ein anderer User in einer unbekannten Stadt Informationen zu Bahn- und Busverbindungen oder Sehenswürdigkeiten. In jedem Fall steht beim Smartphone jedoch die kurze Informations-Befriedigung im Vordergrund. Für den E-Commerce bedeutet dies wiederum, dass der Kunde von heute immer und überall auf Informationen zurückgreift, diese teilt und bewertet. Um diesen starken Informationsaustausch zu gewährleisten, müssen sich Händler mit einer „Omnichannel“-Strategie befassen, um ihren Kunden an so vielen Berührungspunkten, sogenannten Touchpoints, wie möglich abzuholen.
  • Auch dem Tablet-Nutzer geht es vor allem um die Aufnahme von Informationen, dies jedoch in komplett anderen Nutzungssituationen. Zwar bieten sich Tablets aufgrund ihres geringen Gewichts als Arbeitsgeräte an, jedoch liegt die stärkste Nutzungsrate im Freizeitbereich: Tablet-Nutzer surfen und schauen gleichzeitig TV -Stichwort: Second Screen-Nutzung. Das geringe Gewicht, die optimale Bildschirmgröße sowie die vereinfachte Nutzung mithilfe von Finger-Bewegungen führt zu einer längeren Verweildauer im Web. Im Gegensatz zum traditionellen Computer kann die Nutzungsdauer noch gesteigert werden, indem Kunden mithilfe von Apps nicht nur schneller ans Ziel kommen, sondern mithilfe von Push-Mitteilungen in neuen Nutzungssituationen kontaktiert werden. Das Erreichen der Kunden in diesen Nutzungssituationen erklärt unter anderem die hohen Investitionen von eBay oder Amazon in den mobilen Kanälen.

Internationale Marktplätze wie Alibaba, Xiu, Rakuten aus Asien zeigen es: Wenn sich deutsche Händler im Internet nicht richtig aufstellen, droht ihnen heute schon Wettbewerb aus dem Ausland. Wie sollten hiesige Händler reagieren?

Der Wettbewerb im E-Commerce wird deutlich schärfer, da sich viele Händler dem Leitspruch „Think local, act global“ verschrieben haben. Hinzu kommt, dass die Öffnung der Märkte in Europa und die einhergehenden Reformen zur Beseitigung von Handelsschranken dazu führen, dass ein Händler heutzutage mit wenig Aufwand und innerhalb weniger Tage seine Produkte über die eigenen Landesgrenzen hinweg anbieten kann. Das große Angebot an Sprach-Tools oder Übersetzern verstärkt diesen Trend zur Internationalisierung noch zusätzlich. Händler sollten sich in diesem Zusammenhang anschauen, wie die von ihnen angebotenen Produkte in anderen Ländern verkauft werden. Eine genaue Markt- sowie Wettbewerbsanalyse ist unabdingbar. Auch die Überprüfung der rechtlichen Gegebenheiten in den jeweiligen Ländern ist Pflicht. Dies klingt zunächst nach viel Arbeit, jedoch sind aussagekräftige Informationen bereits mit wenigen Klicks verfügbar, beispielsweise über den EHI in Deutschland oder IMRG in UK.

Wie lässt sich über die Bündelung an E-Commerce-Expertise unter dem Dach von United E-Commerce diesen Herausforderungen beikommen - vor allem auch um das nationale Geschäft zu stärken?

Die Bündelung von verschiedenen E-Commerce-Experten unter einem Dach trägt dazu bei, dass die immer komplexeren und zeitintensiven Optimierungen in diesem Bereich zeit- und kostensparend durchgeführt werden können. Die Verschlankung des Kommunikationsaufkommens zwischen Händler und Partner ist dabei ein zusätzlicher Vorteil. Der gegenseitige Erfahrungsaustausch der Partner untereinander gewährleistet zudem, dass Probleme bereits in einem frühen Projektstatus erkannt und gelöst werden können.

Welche neuen nationalen wie internationalen Shopping-Konzepte gibt es, die sich durchsetzen werden?

Meiner Auffassung nach, werden mobile Geräte einen stärkeren Wandel herbeiführen als bisher gedacht. Die steigenden Zugriffszahlen seitens Smartphones und Tablets sprechen klar dafür. Der weiter ansteigende Informationshunger der Endkunden wird sehr stark durch fallende Preise bei den mobilen Tarifen sowie bei den Geräten begünstigt. Gleichzeitig ist die Infrastruktur des mobilen Internets nicht nur schneller, sondern zugleich stabiler geworden. Eine Verschmelzung zwischen E-Commerce und Einzelhandel scheint hier unabdingbar zu sein und wird dazu führen, dass Händler ihren Kunden überall Anreize oder Berührungspunkte anbieten müssen. Aktionen und Informationspunkte in Form von QR-Codes werden in Zukunft verstärkt dort anzutreffen sein, wo sich die jeweiligen Zielgruppen aufhalten, zum Beispiel Fußball-Fans im Stadion oder Sportler im Fitnessstudio.

Mehr zum Thema E-Commerce lesen Sie in LEAD digital 21/2013 (ET: 16. Oktober 2013).

Mobilgeräte verändern den Handel stärker als gedacht

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