Junge Unternehmer investieren stärker in digitale Geschäftsmodelle.
Junge Unternehmer investieren stärker in digitale Geschäftsmodelle. © Foto:KfW

KfW-Mittelstandsstudie | | von Annette Mattgey

Mittelstand: Nur 4 Prozent Umsatz kommen aus Digitalgeschäft

Der Online-Vertrieb ist bei vielen Mittelständlern noch unterentwickelt, stellt die Förderbank KfW fest. Die kleinen und mittleren Firmen Deutschlands erwirtschaften zurzeit auf digitalem Weg lediglich 153 Milliarden Euro im Jahr. Das sind gerade einmal vier Prozent der Gesamtumsätze der mittelständischen Wirtschaft. Was jedoch Hoffnung macht: Je neuer ein Unternehmen am Markt ist und je jünger der Inhaber selbst ist, umso größere Bedeutung hat der E-Commerce für den Umsatz.

Nur 16 Prozent der Mittelständler nutzen die Möglichkeit, ihre Produkte oder Dienstleistungen online an die Kunden zu bringen. KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner sieht das kritisch: "Die kleinen und mittleren Unternehmen nutzen die Chancen, die E-Commerce der Wirtschaft eröffnet, bisher zu wenig." Zwar eigne sich nicht jede Branche gleichermaßen für E-Commerce, die Kundenbedürfnisse hätten sich jedoch gewandelt. "Ständige Erreichbarkeit, rasche Lieferzeiten, Echtzeitberatung, individuelle Angebote, Benutzerfreundlichkeit oder Mobilfähigkeit werden zunehmend nachgefragt - sowohl von Endverbrauchern als auch von Unternehmenskunden", erläutert Zeuner. "Digitale Vertriebskanäle könnten hier für viele Mittelständler die Antworten liefern." Zudem könnten online Umsätze generiert werden, die auf klassischem Vertriebsweg nicht zustande gekommen wären - etwa durch die Erschließung neuer, digital-affiner Kundengruppen oder eine regionale Verbreiterung des Absatzgebietes.

Der größte Teil der digitalen Umsätze des Mittelstands wird nach KfW-Schätzungen über Geschäftskunden erwirtschaftet (144 Mrd. Euro). Eine große Rolle spielten dabei Komponentenzulieferungen im Maschinen- und Fahrzeugbau. Im direkten Endverbrauchergeschäft erwirtschaften alle deutschen Mittelständler zusammen via E-Commerce nur neun Milliarden Euro. Zum Vergleich: Amazon als größter Online-Shop setzt in Deutschland allein rund acht Milliarden Euro jährlich um.

Wenig überraschend sind im Mittelstand die Handelsunternehmen die Digitalisierungs-Vorreiter. Jeder dritte Einzel- oder Großhändler betreibt E-Commerce - entweder im direkten Kontakt zum Endverbraucher oder als Lieferant eines anderen Unternehmens. Der Anteil des Online-Umsatzes am Gesamtumsatz der Branche erreicht hier mit 25 Prozent den höchsten Wert im Mittelstand. In allen anderen Branchen spielt der Online-Vertriebskanal eine deutlich geringere Rolle. Unter den mittelständischen Dienstleistern sind etwa 13 Prozent im E-Commerce aktiv, der auf diesem Weg erwirtschaftete Umsatzanteil liegt bei 17 Prozent.

Mittelständler mit ausgeprägten E-Commerce-Aktivitäten hatten im Geschäftsjahr 2015 der KfW zufolge ein höheres Umsatzwachstum als andere Firmen. Die starke Konkurrenz im Online-Geschäft hinterlässt allerdings Spuren. Der Spielraum der Firmen bei der Preisgestaltung wird dadurch geringer. Trotz starker Umsatzwachstumsraten sind Mittelständler mit E-Commerce-Aktivitäten den Angaben zufolge weniger profitabel.

Die ausführliche Analyse lesen Sie hier im KfW-Fokus Feb. 2017.

 am/mit dpa

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