Verbraucherschutz | | von Annette Mattgey

Mein Paket foppt Kunden

Preisintransparenz wirft die Verbraucherzentrale NRW dem DHL-Online-Marktplatz Mein Paket vor. Die Kunden werden mit verschiedenen Preisen für identische Händler-Angebote genarrt. Rabattcodes funktionieren, obwohl die Seite sie gar nicht anzeigt. Wer das nicht weiß, schaut in die Röhre.

Neben Amazon und Ebay hat sich Mein Paket als Internetmarktplatz etabliert. Fast drei Millionen Kunden haben sich registriert. Rund 2800 Händler präsentieren über zehn Millionen Produkte - von Technik bis Textilien. Wer dort einfach mal vorbeischaut, muss fürchten, nicht zum günstigsten Preis zu bestellen. Die Verbraucherzentrale NRW hat über Monate das Possenspiel des Tochterunternehmens der Deutschen Post verfolgt.

So fanden die Verbraucherschützer heraus, dass ein Samsung-Fernseher für um die tausend Euro im selben Shop mit unterschiedlichen Reduzierungen für 50, für 60 oder 70, sogar für 80 Euro weniger erhältlich war. Ihren Recherchen nach handelt sich dabei keindesfalls um einen Ausrutscher, sondern um ein System. 

Die Vorgehensweise: Um in den Genuss von Ermäßigungen zu kommen, gibt es bei Mein Paket dafür an der Kasse das unscheinbare Feld "Gutschein einlösen" - so weit, so gut und so ähnlich ja auch bei anderen Shops bekannt. Um Rabatte sprudeln zu lassen, müssen Codes eingetippt werden. Das Angenehme: Im Gegensatz zu Konkurrenten, die individuelle Kryptocodes wie etwa "W78kf9k" verteilen, nutzt Mein Paket dauerhaft für alle Kunden dieselben.

Sie heißen - leicht zu merken -   "5sparen", "6sparen", "7sparen" und "8sparen". Die Ziffern zeigen die Prozente an, um die Preise nach unten rauschen. Über Monate akzeptierte der Marktplatz anstandslos jeweils mehrere der Codes. Das zeigte eine Dauerbeobachtung der Verbraucherzentrale NRW.

Ärgerlich nur: Arglose Kunden erfuhren darüber beim Shoppen nichts. Schlimmer noch: Eine Info-Seite erweckte oftmals den Eindruck, dass die Codes abgelaufen seien.

Ungereimtheiten entdeckten die Verbraucherschützer auch bei Preissuchmaschinen und Gutschein-Portalen. Dort fanden die Verbraucherschützer lediglich einen Teil der aktiven Codes. Bei anderen Portalen wiederum fehlte Mein Paket komplett oder es wurden falsche Angaben zur Gültigkeitsdauer gemacht.

Von der Verbraucherzentrale auf solche Merkwürdigkeiten angesprochen, antwortete die DHL-Pressestelle: "Wir spielen die Gutscheine strategisch und kanalabhängig aus."

Illegal muss das Verhalten von Mein Paket noch nicht mal sein: Denn einem Internethändler ist es durchaus gestattet, Kunden unterschiedlich für ein Produkt abzukassieren.

Wer schnell handelt, hat gute Karten. Die Chance auf den Bestpreis wahrt, wer ihn innerhalb der 14-tägigen Widerrufsfrist entdeckt. Der Widerruf und eine Neubestellung mit Prozente-Abzug kann sich also lohnen.

Mein Paket foppt Kunden

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