Mobile Shopping | | von Irmela Schwab

Mars = Venus: Warum es beim M-Commerce keine Geschlechterunterschiede gibt

Online-Shops verschenken Potenziale, weil sie ihre Angebot zu wenig auf Frauen zuschneiden: Diese These stellen manche Studien auf, wenn es um die Gestaltung von Webläden geht, die eher Männer oder eher Frauen ansprechen. Befragt nach unterschiedlichen Ausprägungen bei der Shopgestaltung für die beiden Geschlechter sieht René Körting, Managing Director der Digitalmarketing-Agentur Exelution, allerdings wenig Unterschiede - mal abgesehen von Produkt und Design. Seine These lautet: "Es kommt immer auf die gleichen Dinge an: die bestmögliche Produktpräsentation und einen möglichst perfekten Kaufprozess."

Herr Körting, wie sieht der typische Mobile-Shopper aus?

Er ist schon etwas erfahrener im Online-Shopping und will einen Zielkauf tätigen. Das bedeutet, dass er schnell und einfach das finden muss, was er sucht. Hier ist es wichtig zu verstehen, was er will. Gibt jemand etwa das Suchwort "Pizza" zu Hause an einem Laptop ein, will er wahrscheinlich einen Lieferservice finden. Gibt er das selbe Wort unterwegs ein, könnte auch die nächstgelegene Pizzeria gemeint sein. Auch hier gilt: Schnell zum Ziel führen, ihm das passende Ergebnis anbieten und jegliche Hürde reduzieren.

Ist er eher männlich oder weiblich?

Dazu gibt es noch keine verlässlichen Statistiken. Und ich glaube auch nicht, dass es wirklich Unterschiede gibt - übrigens auch in der Offline-Welt nicht. Denn am Ende kommt es immer auf die gleiche Faktoren an: Gute Ware, gute Warenpräsentation und gute Beratung. Dass man dann mal die Spiele-Ecke für Männer im Frauenladen einbaut, um diese bei Laune zu halten oder, dass man irgendwo auch mal einen Prosecco dazu bekommt gehört nicht zu einem multiplizierbaren Konzept.

Was müssen E-Commerce-Händler bei der Gestaltung ihres Shops für Männer und Frauen jeweils beachten?

Wichtig ist, dass die Darstellung und der Informationsgehalt auf dem Smartphone oder Tablet bestmöglich gestaltet ist. Wenn eine Frau vielleicht die Details an einer Tasche sehr interessieren, dann muss dies sowohl gut bebildert als auch gut beschrieben sein. Wenn ein Mann die Anschlussmöglichkeiten an einem 7.1 Dolby Surround Receiver verstehen möchte, gelten die gleichen Gesetze. Es kommt auch hier immer auf die gleichen Dinge an: die bestmögliche Produktpräsentation und einen möglichst perfekten Kaufprozess. Die Produktpräsentation ist nur unterschiedlich in der Ansprache des Users, was Bildoptiken der Produkte oder auch Textgestaltung der Marketingaussagen betrifft. Man will Information und Inspiration, egal, ob es um den Weber Grill, den Porsche, die Spaltaxt oder Kosmetik, Schuhe und Taschen geht. Man braucht zielgerichtete Ansprache, schöne Fotooptiken, am besten Bewegtbild und alle Informationen, die notwendig sind, den Kaufwunsch zu verstärken. 

Laut der ECC-Studie “Mobile Commerce in Deutschland” sind die Männer ganz leicht in der Überzahl, wenn es ums mobile Shopping geht. Was kaufen Männer über die Mobilgeräte denn vor allem ein?

Tickets, Hotels, Ebay-Auktionen werden sicherlich über mobile verstärkt gesucht. Ebenso Services um mich herum wie zum Beispiel MyTaxi. Kleidung ist deutlich weniger, da die mobilen Seiten in der Regel nicht gut optimiert sind und Männer, die in der Regel gerne Zielkäufe tätigen, auch keine großartige Lust verspüren, Kleidung auf einem Smartphone zu kaufen. Darüber hinaus natürlich Musik, da Dienst wie Shazam einem das Leben hier leichter machen und ich einen Titel sofort haben kann. Dabei gibt es aber keinen signifikanten Geschlechter-Unterschied.

Können Sie einen Shop nennen, der die Bedürfnisse der Männer besonders gut bedient und begründen, warum?

Ich bleibe beim Klischee "Zielkauf". Ich finde Shops gut, die mich schnell zu meinem gewünschten Produkt führen, bei denen ich leicht vor, während oder im Kaufprozess eingrenzen kann, was ich suche und mich so schnell meinem Ziel nähere. In der Mode sind die Shops von Engelhorn oder auch Breuninger sehr solide gemacht. Aber auch der Mobile Shop von Otto ist gut. Er wird der extremen Vielfalt Herr und ist gut strukturiert. Bei ProductView findet der User sofort alle relevanten Informationen. Der Warenkorb ist sehr gut und übersichtlich gestaltet. Bei Amazon mag man beim Design streiten – ich werde aber in Summe so gut verstanden und angesprochen, dass ich diesen Shop in den Bereichen Funktionalität und Bedürfniserkennung weiterhin als absolutes Vorbild für alle Shops sehe.

Mehr zum Thema Mobile Markenführung lesen Sie in der Ausgabe von LEAD digital 12/2013 (ET: 13. Juni 2013).

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