Neuromarketing-Kongress | | von Tobias Weidemann

"Macht es einfacher!"

Die Sehnsucht nach Einfachheit, nach Entwirrung von Zusammenhängen, nach simplen und eindeutigen Handlungsempfehlungen beim Kunden ist groß. Die Welt um ihn herum wird ohnehin technischer und komplexer. Da braucht er nicht noch verwirrende Bedienungsanleitungen und komplizierte Produkte. Deshalb lautete das Credo des diesjährigen Neuromarketing-Kongresses der Gruppe Nymphenburg und der Haufe-Gruppe „The Magic of Simplicity“. „Jeder Mensch trägt die Sehnsucht nach einfachen Botschaften in sich. Denn etwas schnell und einfach zu erreichen, gibt Macht und Sicherheit“, so Hans-Georg Häusel von Gruppe Nymphenburg Consult AG, der wieder durch den Kongresstag führte und dem Publikum ein Zitat von Albert Einstein mit auf den Weg gab: „Man soll alles so einfach wie möglich machen – aber nicht noch einfacher.“

Auch immer mehr Unternehmen respektive deren Produkt- und Marketingverantwortliche haben dieses Bedürfnis verstanden. Entsprechend gut besucht war die Veranstaltung in der Münchner BMW-Welt. Die gerne gezeigten Abschreckungsbeispiele, wie die 16-knöpfige Kaffeemaschine mit 18 Getränkevarianten in sieben Bechern kennt schließlich jeder aus seinem eigenen Alltag.

Und doch findet man diese Negativbeispiele immer noch zuhauf in den Produktwelten und Marketingbotschaften. Der Grund: der immer noch vorherrschenden Drang in Unternehmen, möglichst viele Botschaften, Produktfeatures und Optionen auf einmal an den Kunden zu bringen. Angesichts des Informations-Overkills plädierte beispielsweise Ex-Aldi-Manager Dieter Brandes vom „Institut für Einfachheit“ für mehr Einfachheit und Pragmatismus im Online-Marketing. Sprich: klare Geschäftsmodelle, die wir unserer Tante in drei Minuten erklären können und die dem Kunden Orientierung, Effizienz und Kontinuität bieten. Dahin gelange man durch Nachdenken und Probieren, Versuch und Irrtum. Eine klare Absage erteilte er der Marktforschungs- und Big-Data-Wut.

Warum viele Unternehmen aus dem Teufelskreis dennoch nicht ausbrechen können, erklärte der Bamberger Psychologie-Professor Dietrich Dörner: „Eine der größten Fehlerquellen ist Methodismus, d.h. man macht, was man schon immer gemacht hat, weil man damit bislang erfolgreich war.“ Diese Vorgehensweise ignoriert sich verändernde Umstände. Dörner: „Man macht es sich zu einfach, wenn man Bedingungen außer Acht lässt.“

„Einfache Botschaft“ sagt sich so einfach. So einfach geht es aber nicht, dämpfte auch Prof. Hans-Willi Schroiff von der RWTH Aachen die Erwartungen. „Aber so schwierig ist es auch wieder nicht. Wenn man weiß, was wichtig ist: Einfache Konzept-Generierung, Positionierung und Inszenierung“, definierte er als Voraussetzungen für eine einfache Botschaft. Die gelte es zu erfüllen. „Alle. Immer. Wer es nicht glaubt, muss anders denken.“

"Macht es einfacher!"

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