Hoffnungsträger sind bisher eher vernachlässigte Kategorien wie Möbel und Lebensmittel.
Hoffnungsträger sind bisher eher vernachlässigte Kategorien wie Möbel und Lebensmittel. © Foto:Fotolia

Bilanz 2016 | | von Annette Mattgey

Lebensmittel: Das "Stiefkind des E-Commerce" wird zum Hoffnungsträger

Die Konjunktur läuft rund, die Bundesbürger kaufen gerne ein. Davon profitiert auch der Online- und Versandhandel. Doch die Zeiten starker Wachstumssprünge scheinen vorbei zu. Hoffnungsträger sind bisher eher vernachlässigte Kategorien wie Möbel und Lebensmittel.

Die Gesamtumsätze mit Waren und Dienstleistungen legten im vergangenen Jahr um 9,0 Prozent auf 65,3 Milliarden Euro (incl. Mehrwertsteuer) zu, wie der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) mitteilte. Im Jahr zuvor war der Umsatz nur um 2,0 Prozent gewachsen.

Auf den Internet-Handel mit Waren entfielen 2015 knapp 47 Milliarden Euro, ein Zuwachs von zwölf Prozent. Damit ist der Onlinehandel dem Bricks-and-mortar-Geschäft weit voraus. Der gesamte Einzelhandel realisierte ein Plus von 3,1 Prozent. Angesichts des guten Konsumklimas erwartet der Verband für dieses Jahr insgesamt ein Wachstum von 4,0 Prozent und im reinen E-Commerce erneut ein Plus von zwölf Prozent.

Der Verband geht allerdings davon aus, dass die hohen Wachstumsraten der "Goldgräberzeit" vorbei sind. Die Branche werde sich auf ein stabiles moderates Wachstum einstellen müssen, sagte bevh-Präsident Gero Furcheim.

Über das stationäre Internet wurde im vergangenen Jahr das Gros des Umsatzes (37 Mrd) erwirtschaftet, per Smartphone & Co waren es 9,7 Milliarden Euro, per Telefon 4,2 Milliarden Euro.

Trends: Streaming statt Besitz

Im reinen E-Commerce war Bekleidung mit zehn Milliarden Euro (plus 18 Prozent) der stärkste Umsatzbringer. Um ein Drittel auf 7,5 Milliarden Euro stiegen die Erlöse für Elektronikartikel und Telekommunikation. Dagegen gaben die Verbraucher weniger Geld für Bücher und Ebooks aus: minus acht Prozent auf 3,6 Milliarden Euro. "Der Buchmarkt erlebt eine Zeit des Umbruchs. So erfreuen sich kostengünstige Selfpublishing-Produkte, Abo-Lesemodelle aber auch Leih-E-Bibliotheken zunehmender Beliebtheit. Hinzu kommen Click & Collect-Mechanismen, die die E-Commerce-Umsätze im Buchsegment in stationäre Kassen spielen. Diese Entwicklungen vermuten wir als ursächlich für die in unseren Analysen aufgezeigten Umsatzrückgänge", begründet Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des bevh, die Umsatzentwicklung von Büchern und Ebooks.

Ähnlich wie Büchern ergeht es der Warengruppe Bild- und Tonträger/Video- und Musicfiles mit Umsätzen (inkl. USt) von 1.824 Mio. Euro (2014: 2.279 Mio. Euro; -20 Prozent).

"Die sinkenden Umsätze bei Bild- und Tonträgern/Video- und Musicfiles bedeuten keine rückläufige Nutzung dieser Medien. Vielmehr deuten sie, ähnlich wie im Buchmarkt, auf veränderten Konsum hin. Abo- und auch Streaming-Dienste haben in kürzester Zeit die Nutzerherzen erobert und so ist es für Verbraucher heute nicht mehr wichtig, Musik oder Hörbücher zu besitzen. Stattdessen reicht der Zugriff auf die Ware um sie zu konsumieren. Umsätze aus Abonnements und Streamingangeboten werden deshalb zukünftig in unserer Studie verstärkt untersucht," kündigte Wenk-Fischer an.

Angesichts eines Zuwachses von 19 Prozent auf rund 736 Millionen Euro sieht der Verband auch den Lebensmittelkauf via Internet im Kommen. Das "Stiefkind des E-Commerce" werde vor allem in Ballungsräumen verstärkt in Anspruch genommen, so Wenk-Fischer. Das größte Wachstum verzeichnete das Warensegment Tierbedarf (Umsatz 842 Mio. Euro; + 74 Prozent). Überdurchschnittlich im Plus schnitt auch die Kategorie Möbel, Lampen (Leuchten) und Dekoration ab (Umsatz 2.674 Mio. Euro; +15 Prozent). 

"Möbel und Schnelldreher wie Lebensmittel oder Tierbedarf spiegeln die aktuellen, aber auch zukünftigen Entwicklungen im E-Commerce am Besten wieder. Immer mehr Verbraucher beginnen, Waren des alltäglichen Bedarfs online zu kaufen, weil sie die Lieferung in die Wohnetage oder die entspannte Auswahl zu Hause schätzen. Zugleich denken Verbraucher aber nicht mehr in einzelnen Kanälen. So greifen gerade im Bereich der Möbel online und offline immer mehr ineinander. Vorabinformation im Netz oder Lieferung in die Filiale sind Beispiele für ein optimiertes Kauferlebnis," meint Gero Furchheim, Präsident des bevh.

Zur Studie: Gemeinsam mit der GIM-Gesellschaft für Innovative Marktforschung führte der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh) zum dritten Mal in Folge seine Verbraucherbefragung durch. Von Januar bis Dezember 2015 wurden 40.000 Bundesbürger im Alter von über 14 Jahren telefonisch und per Onlinefragebogen zu ihrem Ausgabeverhalten im Online- und Versandhandel und zu ihrem Konsum von digitalen Dienstleistungen befragt. Eine Frage lautete: "Welche Waren und Dienstleistungen über den Distanzhandel wurden innerhalb der letzten sieben Tage getätigt?"

am/mit dpa

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