BEVH | | von Annette Mattgey

Konjunktur bringt Online-Handel nicht ins Straucheln

Der deutsche Online- und Versandhandel ist im vergangenen Jahr nur im Gleichtakt mit dem Einzelhandel gewachsen. Im Jahr 2014 bestellten die deutschen Konsumenten Waren im Wert von 49 Mrd. Euro und Dienstleistungen im Wert von 11 Mrd. Euro im Distanzhandel, den Großteil davon via Internet. Bekleidung ist dabei nach wie vor das mit Abstand beliebteste Produkt, wie der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH) mitteilte. Dabei wuchs der Onlinehandel mit Waren im Jahr 2014 um sieben Prozent - und liegt deutlich über dem Wachstum des gesamten Einzelhandels. Auf den E-Commerce entfallen 41,9 Mrd. Euro, der somit einen Anteil von gut 85 Prozent am Gesamtumsatz der Branche des Interaktiven Handels ausmacht. Im Jahr 2013 lag dieser Wert noch bei 81 Prozent.

Allerdings liegt das Wachstum deutlich unter dem der Vorjahre und den Prognosen des Verbandes zum Jahresanfang. "Diese Entwicklung hat uns überrascht", sagte BEVH-Präsident Gero Furchheim. Der Versandhandel wachse nicht mehr unabhängig von konjunkturellen Schwankungen, sondern habe eine Delle im Konsumklima zu verkraften gehabt. Der Anteil des Versandhandels am gesamten Einzelhandel blieb stabil bei 11,1 Prozent. "Die Entwicklung des letzten Jahres zeigt vor allem zwei Dinge: Der Interaktive Handel hat sich als wesentlicher Teil des Einzelhandels etabliert und ist damit auch für konjunkturelle Schwankungen anfällig. Dass trotz des schwierigen Umfelds im vergangenen Jahr der Onlinehandel weiter wachsen konnte, ist aber gleichzeitig ein deutliches Zeichen für das Potential der Branche", so Furchheim weiter.

"Auch 2015 wird der Online-Handel der eigentliche Treiber sein, und zwar zunehmend auf mobilen Geräten", sagte der Hauptgeschäftsführer des BEVH, Christoph Wenk-Fischer. In diesem Jahr erwartet der Versandhandel insgesamt fünf Prozent Wachstum und somit mehr als die Gesamtbranche. Der sogenannte E-Commerce, der elektronische Handel über das Netz, soll jedoch um zwölf Prozent zunehmen. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste vor allem der Handel mit Bekleidung im Versandhandel wieder stärker zulegen. Der Modehandel hat in Deutschland insgesamt ein schlechtes Jahr hinter sich, was auch im Versandhandel zu einem schwachen Wachstum führte. Bekleidung ist mit Abstand die größte Warengruppe im Distanzhandel, vor Unterhaltungselektronik, Büchern und Schuhen.

Von den 60 Milliarden Euro Gesamtumsatz der Branche entfielen elf Milliarden Euro auf Dienstleistungen. Hier machen Pauschalreisen und Übernachtungen mit einem Anteil von 39 Prozent sowie sonstige Mobilitätsangebote wie Flug-, Bahn- und Bustickets oder Mietwagen mit 32 Prozent die höchsten Umsätze.

Wenk-Fischer erwartet, dass künftig auch soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Instagram zunehmend an Bedeutung im Distanzhandel gewinnen werden. "Noch ist das kein Verkaufs-, sondern ein Kommunikationskanal", sagte er. Die Kunden wollten aber am liebsten in ihrem digitalen Ökosystem bleiben. Und trotz des Internets sei der stationäre Handel keineswegs altmodisch oder zu vernachlässigen. Im Gegenteil: Einige Händler, die als Internet-Shop angefangen haben, eröffnen inzwischen auch stationäre Geschäfte.

Warengruppen: Bestseller und Newcomer
 
Die mit Abstand beliebteste Warengruppe beim Einkauf im Versandhandel war auch 2014 wieder Bekleidung mit 11,9 Mrd. Euro Umsatz. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Unterhaltungselektronik (5 Mrd. Euro) und Bücher (4,1 Mrd. Euro). Gleichzeitig konnten einige bislang wenig versandhandelsaffine Branchen wie Möbel & Dekorationsartikel (2,5 Mrd. Euro) deutliche Umsatzsteigerungen verzeichnen und offenbar immer breitere Konsumentenschichten überzeugen.
 
Nach wie vor im Trend: Mobile und Multichannel
 
Verschiebungen innerhalb der Branche zeigen vor allem, dass die Entwicklung im Hinblick auf Multichannelhandel und Mobile Commerce weiter Fahrt aufnimmt. Speziell jüngere Käufergruppen kaufen zunehmend über das Smartphone ein. Auch der Kauf von Verbrauchsgütern wie Lebensmitteln via Internet etabliert sich derzeit hauptsächlich bei den 14- bis 39-Jährigen. Gerade bei diesen Trends geht der Verband davon aus, dass die Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen und das Wachstumspotential nicht ausgeschöpft ist. Mit Blick auf die Versendertypen sind die Multichannelhändler, die den Kunden auf mehreren Kanälen ansprechen und erreichen, die klaren Gewinner. Die Onlinemarktplätze hingegen mussten einen Umsatzrückgang verbuchen.
 
Prognose: Optimistischer Blick auf 2015
 
Auch wenn das Wachstum im vergangenen Jahr im Vergleich zu den Vorjahren erkennbar gebremst war, geht der bevh für 2015 von einer erneuten Steigerung aus. Für den gesamten Interaktiven Handel prognostiziert der bevh ein Plus von 5 Prozent auf 51,6 Mrd. Euro und für den E-Commerce von 12 Prozent auf 46,9 Mrd. Euro.

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