Homejoy-Pleite | | von Anja Janotta

Interview mit Helpling: "Operativ bereits profitabel"

Das Startup Homejoy, Vermittler von Haushaltsdienstleistungen, musste die Geschäfte zum 31. Juli einstellen. Ein Dumpingpreiskampf in den USA und Klagen auf Festanstellung haben dem von Investoren vielfach hofierten Dienst wohl das Genick gebrochen. Auch die Verbraucherschutzverbände kritisieren immer wieder Internet-Dienstleistungsvermittler wie Homejoy oder Uber. Im Interview mit LEAD Digital verteidigt Benedikt Franke, Gründer und CEO von Konkurrent Helpling (gehört zu Rocket Internet) dennoch vehement sein Geschäftsmodell.

Wie unterscheidet sich Ihr Geschäftsmodell von dem von Homejoy?

Benedikt Franke: Der entscheidende Punkt ist, dass Homejoy nicht am Geschäftsmodell, sondern an der konkreten Umsetzung gescheitert ist. Das beginnt bei der Ausgestaltung der Kommission und endet beim Marketing, bei dem wir vom Start weg auf langfristige Kundenbeziehungen gebaut haben. Wir haben in entscheidenden Bereichen von Anfang an einen anderen Ansatz gewählt und haben schon heute eine klare Bestätigung, dass unsere Kunden dauerhaft Helpling nutzen möchten und dass unser Angebot funktioniert. Auch unsere Arbeitsweisen sind anders. Wir haben ein Jahr nach Marktstart einen sehr hohen Grad der Automatisierung erreicht und arbeiten operativ bereits profitabel. Dienstleistungen online zu vermitteln, ist eine der größten Chancen, die wir im Zuge der Digitalisierung erleben werden. Dass Homejoy gescheitert ist, hat also nichts mit unserem Geschäftsmodell zu tun. Wenn General Motors in der Automobilindustrie scheitert, kann BMW trotzdem sehr erfolgreich sein.

Die rechtlichen Verfahren (freiberuflich versus Festanstellung) sind Homejoy zum Problem geworden, sehen Sie das auch für sich als Problem?

Homejoy hat vieles in der Umsetzung und Ausgestaltung des Geschäftsmodells anders gemacht. Zudem gibt es in jedem Land andere rechtliche Anforderungen. Homejoy hatte Klagen auf dem US-amerikanischem Markt anhängig. Dort sind wir nicht aktiv. In unseren Ländern haben wir unser Geschäftsmodell vor Beginn mehrfach durch externe Kanzleien prüfen lassen und sind uns deshalb sicher, dass wir die rechtlichen Anforderungen zu 100 Prozent erfüllen. Alle unsere Prozesse und die absolute Autonomie der Dienstleister lassen keinen anderen Schluss zu, als dass wir als Helpling Dienstleister sind, der eine Plattform bereitstellt. Es gibt keine Weisungen und keine Mindestverfügbarkeit, keine Uniformen oder sonstige Vorschriften. Das ist das grundlegende Prinzip und wir richten uns nicht nur formal danach, sondern auch im gelebten Alltag. Wir stellen die Infrastruktur gegen eine Nutzungsgebühr zur Verfügung.

Sind Sie eigentlich in Deutschland durch die Mindestlohn-Regelung vor einem Preiskampf geschützt?

Wir können derzeit keine Auswirkungen von dem eingeführten Mindestlohn in den anderen Branchen spüren. In der Branche der Gebäudereinigung gibt es bereits seit 2007 einen Mindest- bzw. Tariflohn, der derzeit bei 9,55, Euro brutto im Westen und  bei 8,50 Euro brutto im Osten liegt. Bereits vor der Einführung des Mindestlohns und selbst im aller ungünstigsten Fall liegt das Brutto-Entgelt bei Helpling mit 10,32 Euro bis 13,52 Euro pro Stunde immer noch deutlich darüber. Alle Reinigungskräfte arbeiten auf selbständiger Basis über Helpling, ein direkter Vergleich des Mindestlohns der Gebäudereiniger mit dem Verdienst von Selbständigen ist also eigentlich nicht gegeben. Vorteile, die in der Natur der Selbstständigkeit liegen, bestehen darin, dass die Dienstleister ihre Arbeitszeiten und Orte frei einteilen und jeden einzelnen Auftrag zu- oder absagen können. Prinzipiell  funktioniert Helpling nur, wenn wir für beide Seiten, Haushalte wie Dienstleister, einen nachhaltigen Mehrwert schaffen. Wir haben deshalb bereits eine Preisdifferenzierung für einmalige Aufträge vorgenommen, da bei letzterem der Aufwand für die Dienstleister höher ist. Zudem haben wir begonnen, die Preise auch regional zu differenzieren. Als erste Stadt haben wir kürzlich eine Preisanpassung in München vorgenommen. Dort ist das Honorar zwei Euro höher als beispielsweise in Berlin. Die Preisanpassung wurde von den Kunden und Dienstleistern sehr positiv aufgenommen.
 

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