Konkurrenzkampf | | von Annette Mattgey

Helpling oder Book a tiger: Wer putzt hier wen weg?

Nach den Online-Lieferdiensten für den schnellen Hunger zwischendurch kommen nun die Start-ups fürs saubere Heim. Sie vermitteln Putzdienste zu festen Stundensätzen und sagen damit ganz nebenbei der Schwarzarbeit den Kampf an. Wer das Rennen macht - deutsche Eigengewächse oder Importe aus den USA, ist noch nicht gesagt. 

Selbst in Studenten-WGs wird heute nicht mehr selbst geschrubbt. Der Nimbus, eine Putzfrau zu beschäftigen, ist also nicht mehr dem begüterten Bürgertum vorbehalten, sondern weiter verbreitet denn je. Das Geschäft über das Internet könnte der Branche weiteren Schub geben.

Zu den Pionieren zählen Unternehmen wie Book a Tiger, Helpling, Homejoy und Clean Agents. Ihre Kunden wollen sie vor allem aus der Schattenwirtschaft abziehen - denn das meiste in der Branche läuft nach wie vor unter der Hand. Das Bundesfamilienministerium schätzt den Marktanteil der Schwarzarbeit auf 66 bis 95 Prozent. Jeder achte Haushalt beschäftige eine bezahlte Haushaltshilfe.

Die neuen Anbieter werben damit, Putzkräfte zu Stundenpreisen zu vermitteln. Legal, ohne Papierkrieg für den Kunden und teils steuerlich absetzbar. "Unser größter Wettbewerber ist der Schwarzmarkt", sagt ein Sprecher des Start-ups Helpling, das von Saarbrücken bis Chemnitz Putzkräfte anbietet. Die Stunde Scheuern und Staubfegen kostet 12,90 Euro - davon landen 10,32 Euro bei der Putzkraft. Die ist nicht angestellt, sondern arbeitet als Selbstständige. Die Anbieter kassieren eine Provision.

Keine eigenen Angestellten, sondern ein Pool an arbeitswilligen Selbstständigen - mit diesem Geschäftsmodell verdienen auch andere Firmen im Netz ihr Geld. Das US-Unternehmen Uber etwa vermittelt mit einer Handy-App selbstständige Chauffeure und private Fahrer, deren Einnahmen zum Teil an Uber fließen.

Wie groß der Markt für haushaltsnahe Dienstleistungen überhaupt ist, lässt sich wegen der Schwarzarbeit schwer sagen. Skeptisch sind - wie immer - die etablierten Anbieter. So äußert sich etwa Johannes Bungart vom Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks. Die Putzkräfte seien selbstständig und müssten von ihrem Geld also noch die gesamten Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung zahlen. Er schätzt, dass die Selbstständigen am Ende pro Stunde weniger verdienen als angestellte Gebäudereiniger. Für die gilt nämlich in Deutschland laut Tarifvertrag ein Mindestlohn von 9,31 Euro pro Stunde im Westen und 7,96 Euro im Osten.

Hinter den neuen Anbietern stecken mitunter große Unternehmen. Google etwa investierte 38 Millionen Dollar in das kalifornische Unternehmen Homejoy, das Putzkräfte in Nordamerika vermittelt und vor wenigen Wochen in Berlin Fuß fasste. Helpling gehört zur Berliner Start-up-Fabrik Rocket Internet. Und die Gründer von Book a Tiger (hier ein Interview mit Claude Ritter) haben vorher Lieferheld auf Smartphones und ins Netz gebracht. Alle drängen mit ähnlichen Stundenpreisen zwischen 12 und 15 Euro auf den Markt, zu ihrem Umsatz wollen sie aber bislang nichts sagen.

Das Bundesfamilienministerium jedenfalls sieht Potenzial im Vermittlungsgeschäft. "Befragungen zeigen, dass Eltern sich Unterstützung im Haushalt wünschen, aber Transparenz am Markt vermissen", berichtet eine Sprecherin. In den vergangenen Jahren seien immer mehr Mütter mit immer mehr Arbeitsstunden früher an den Arbeitsplatz zurückgekehrt. Eine Haushaltshilfe kann berufstätige Eltern im Alltag entlasten. Das Ministerium denkt deshalb sogar selbst über eine von der Bundesregierung geförderte Dienstleistungsplattform nach.

Eine ansprechende Infografik zum Thema stammt von Heidi Lindholm (oben ein Ausschnitt), die begleitende Analyse steht im Blog des Start-ups Rivalfox. Es untersuchte, wie sich die vier Konkurrenten Homejoy, Helpling, Book a tiger und Handybook im Netz bewährten. Dabei verglichen sie Traffic, Social Media Engagment, Content Marketing-Strategien u.ä. Online tut sich auf den Webseiten noch einiges, es wird mit Bildern und Überschriften experimentiert, um eine möglichst hohe Verweildauer zu erzielen. Homeboy hat bei Facebook und Twitter die Nase vorn - und scheut auch nicht vor putzigen Hunde-Bildern zurück. Die ausführliche Analyse - inklusive der SEO- und Blog-Strategien - hier zum Weiterlesen bei Rivalfox.

(dpa/am)

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