In diesen Bereichen kaufen die Deutschen am liebsten online ein.
In diesen Bereichen kaufen die Deutschen am liebsten online ein. © Foto:BEVH

Jahresbilanz Versandhandel | | von Annette Mattgey

Hehre Ziele: So will der Versandhandel 2047 aussehen

Kleidung und Computer, Unterhaltungselektronik und Schuhe, Möbel und Bücher: Der Trend zum Einkauf über das Internet beschleunigt sich weiter. Im vergangenen Jahr wuchs der elektronische Handel von Waren um 12,5 Prozent auf 52,7 Milliarden Euro, teilte der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (BEVH) am Dienstag in Hamburg mit. Noch stärker war das Wachstum bei Dienstleistungen wie Reisen, Flugtickets oder Konzertkarten, die um 17,8 Prozent auf 14,2 Milliarden Euro zulegten.

Der Online-Handel macht damit den Großteil des gesamten Versand- und Distanzhandels aus, der auch noch Bestellungen per Bestellkarte, Telefon oder Fax entgegennimmt. Insgesamt erhöhten die Unternehmen der Versandhandelsbranche ihren Umsatz um 10,8 Prozent auf 72,4 Milliarden Euro, davon 66,9 Milliarden Euro über das Internet. Der Anteil des Distanzhandels am gesamten Umsatz des deutschen Einzelhandels erhöhte sich damit weiter, auch wenn dieser mit 12,7 Prozent noch relativ klein ist. "Wir haben ein sehr gutes Jahr hinter uns", sagte Hauptgeschäftsführer Christoph Wenk-Fischer.

Das Wachstum des Versandhandels falle von Jahr zu Jahr höher aus und habe nun den zweistelligen Bereich erreicht. Für das nächste Jahr erwarte der Verband im Online-Handel mit Waren ein Plus von elf Prozent. Die Kunden ordern vor allem Bekleidung, Elektronik- und Telekommunikationsartikel gerne über das Netz. Die wichtigsten Internet-Vertriebsschienen sind Online-Marktplätze wie Ebay und Amazon sowie Einzelhändler, die mehrere Vertriebskanäle bespielen, also auch im stationären Handel präsent sind, wie zum Beispiel Tchibo. Mehr als 80 Prozent der Kunden bestellen mindestens einmal im Monat im Internet, viele auch öfter.

"Für wachsende Umsätze sorgen vor allem Männer. Sie haben deutlich aufgeholt. Selbst in Warengruppen, bei denen man das nicht auf Anhieb erwartet wie beispielsweise Möbel, Lampen und Dekoration. Hier haben Männer ein Plus von 40,5 Prozent generiert", so Wenk-Fischer. "Auch die Versenderstruktur ist in Bewegung. Multichannelversender (+19 Prozent) und Internet Pure Player (+20,6 Prozent) haben gegenüber den starken Onlinemarktplätzen aufgeholt. Zudem wird die Online-Kundschaft treuer – rund 40 Prozent der Befragten haben ihren festen Online-Einkaufsplatz – und sie kommt häufiger – mehr als 80 Prozent der Befragten bestellen heute mindestens einmal im Monat online, die meisten davon sogar deutlich häufiger."

Die Branche ist zuversichtlich, dass der Trend in den nächsten Jahren und Jahrzehnten anhält. "In 30 Jahren wird der Einzelhandel einen vollständigen Paradigmenwechsel erlebt haben", sagte Verbandspräsident Gero Furchheim. "Dann ist alles elektronischer Handel". Der Versandhandel werde auch die Nahversorgung übernehmen, die Produkte würden innerhalb eines Tages mit selbstfahrenden Elektro-Autos ausgeliefert, Service und Beratung online von Maschinen übernommen. Selbst wer noch den stationären Handel nutze, werde sich stets im Internet über die Produkte und Preise informieren.

Seine Zukunftsvision formulierte der BEVH in seinem Papier "E-Commerce 2047 – 7 Thesen zum Siebzigsten" (in Auszügen):

1. These: Im Jahr 2047 ist Einzelhandel E-Commerce

"Die Costumer Journey wird in der Regel mit der Online-Suche und -Information – via mobilem oder stationärem Internet – beginnen. Sie wird häufig auch dort enden, denn die Zahlen des vergangenen Jahres zeigen, dass ein wachsender Teil der Nutzer genau weiß, wo er online kaufen will und keine weiteren Suchen durchführt. Stationärer Handel wird 2047 in Orten ausreichender Zentralität weiter als lokale, unter Servicegesichtspunkten optimierte Ausprägung von E-Commerce bestehen. Aus unserer Sicht wird daher im Jahr 2047 der E-Commerce-Anteil 100 Prozent betragen, weil in jedem Einkauf E-Commerce- Prozesse enthalten sind."

2. These: E-Commerce ist im Jahr 2047 weit mehr als Online-Handel

Neben den jetzt schon bestehenden Möglichkeiten sieht der Verband aber auch Chance in Bereichen, die sich gerade erst entwickeln, etwa bei Payment, Online-Banking, Versicherungen, Smart Home/Smart Office, Streamingangebote auf Abo-Basis, Leihsysteme für selten benötigte vor allem technische Güter".  

3. These: E-Commerce ist der optimale Nahversorger mit höchster Verfügbarkeit und Transparenz

"E-Commerce verdrängt die Nahversorgung nicht, er macht sie besser", ist der BEVH überzeugt. "Damit dies 2047 Realität ist, ist es notwendig, dass Unternehmen im E-Commerce vor allem das Qualitätskriterium Lieferzeit für die Kundschaft in höchstem Masse zufriedenstellend gestalten." Dazu gehören auch Innovationen wie "autonome Lieferfahr- aber auch -flugzeuge in Kombination mit dezentralen Depots und extremer Datenanalyse".

4. These: E-Commerce kennt keinen Unterschied, bietet aber individuelles Einkaufs- Erlebnis

"E-Commerce ist für beide Geschlechter und alle Alters- und Bildungsgruppen tägliche Praxis. Für tradierte Ausprägungen geschlechterspezifischer Aspekte und individueller Vorlieben des Einkaufsverhaltens bietet der E-Commerce mit unterschiedlichen Marktplätzen (Online-Marktplätze, Multichannel- Versender, Internet-Pure-Player, Herstellerversender, Shopping-Clubs) passgenaue Plattformen."

5. These: Im E-Commerce gibt es alles

"Bis 2047 werden die Anbieter im E-Commerce verlässliche, nachhaltige und servicestarke Tools entwickelt haben, die die Bereitschaft der Konsumenten, auch FMCG online zu ordern (in 2016 wollte bereits jeder fünfte der Befragten Lebensmittel bestellen), just in time zufriedenstellend bedienen können. So können Güter des täglichen Bedarfs auch regelmäßig direkt beim Kunden bereitgestellt werden, da intelligente Küchengeräte oder Einrichtungsgegenstände im Smart Home die Planung des Lebensmittelbedarfs unterstützen."

6. These: E-Commerce ist nachhaltig

Ein hehres Ziel: "In 30 Jahren ist die Verantwortung für faire Arbeitsbedingungen, ressourcenschonende Wertschöpfungsketten und umweltverträglichen Konsum ein gelebtes Prinzip in der ECommerce- Branche. Dazu gehören auch Vergleichbarkeit, Transparenz und Kundenorientierung."

7. These: E-Commerce ist innovativer Wachstumstreiber und verantwortungsvoller Arbeitgeber in der Nachbarschaft

"Die Unternehmen des E-Commerce schaffen Arbeitsplätze. Mit der Entwicklung neuer und E-Commerce-spezifischer Ausbildungsberufe beteiligen wir uns an dem Erfolgsmodell der dualen Ausbildung in Deutschland. Hochschulabgänger finden in der technologiegetriebenen Branche komplexe Herausforderungen oder werden gleich Unternehmensgründer. Als wachsender Wirtschaftszweig leistet die Branche dort wo sie tätig ist durch Steuerzahlungen ihren Beitrag für das Gemeinwesen."

(am/mit dpa)

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