Geld, Kauflust und Peepshow
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Wochenrückblick | | von Yvonne Göpfert

Geld, Kauflust und Peepshow

Die Deutschen shoppen am liebsten bei Amazon, Ebay, Otto.de und Zalando. Überraschungen, vor allem böse, mögen sie beim Onlineeinkauf nicht. Umso überraschender ist es, dass ein Nischenportal wie Thomann.de, das Musikinstrumente vertickt, auf Platz vier der Rangliste zu finden ist. Und das Schönes-Selbstgemachtes-Portal Dawanda.de rangiert immerhin auf Platz 10. Wir lernen daraus: Vertrauen zahlt sich aus. Was sich dagegen nicht rechnet, sind Newsletter und Werbebanner – über die kommen nur etwas über ein Prozent der Kunden, wenn man auf die Daten des Londoner IT-Unternehmens Similar Web vertrauen darf. Also besser in Google und Ratgeber- und Preisvergleichsportale investieren.

Vertrauen wird übrigens gerade auch in der Finanzbranche neu gemischt. Fintechs sind im Kommen, Old School-Banken können sich jetzt mal warm anziehen. Vielleicht liegt das daran, dass Transparenz fehlt und stattdessen Hochnäsigkeit vorliegt. Vielleicht sind aber auch die wenig konsumentenfreundlichen Zinsen Schuld, die ein wenig an Wucher erinnern. Denn warum muss bei einem Leitzzinssatz von 0,05 Prozent der Dispokredit bei 12 bis 14 Prozent liegen? In Deutschland ist der Frust übrigens deutlich größer als in anderen Ländern. Daher will rund ein Drittel der Deutschen in den kommenden fünf Jahren die meisten seiner Bankgeschäfte an ein Fintech-Unternehmen auslagern. Vor allem private Kontoführung und alternative Bezahlmöglichkeiten beim Einkaufen sehen viele Deutsche in fünf Jahren bei den dynamischen Fintechs, die mit Demokratisierung des Marktes werben. Das Thema Bezahlmöglichkeiten relativiert die Negativprognose für die Banken allerdings wieder ein wenig, da viele Old School-Banken bei Fintechs ihre Finger mit im Spiel haben.

Eine ganz  andere Art, Vertrauen zu missbrauchen, ist bei Airbnb aufgeflogen: Deutsche Touristen haben eine aktive Webcam in der via Airbnb gemieteten Wohnung entdeckt. Airbnb übt Schadensbegrenzung und spricht von einer Ausnahme.

Aber es geht auch umgekehrt: Kunden ziehen den Anbieter über den Tisch. Zum Beispiel bei Netflix, wo Kunden via VPN die Proxys im eigenen Land umgehen, um somit Netflix-Angebote zu streamen, die es in ihrem Land gar nicht gibt. Aber was ist hier eigentlich das Problem? Das Problem ist, dass Filmrechte nach Ländern aufgeteilt sind. Es muss die Frage erlaubt sein, ob in einer globalisierten Welt solche  Verträge noch zeitgemäß sind. Netflix selbst sieht das ähnlich: "Wenn sie möchten, dass ihre Filme angeschaut werden, müssen sie globale Rechte erteilen." Aber das mit diesen Rechten nicht zu spaßen ist, hat nun das Oberlandesgericht (OLG) München in einem Urteil zum Thema Filesharing bekräftigt: Eltern haften unter bestimmten Bedingungen für illegale Musik-Uploads ihrer Kinder. Es sei denn, sie nennen die wahren Verantwortlichen und verpetzen damit ihre Kinder.  Womit wir wieder beim Vertrauen wären.

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