Strategie | | von Annette Mattgey

E-Commerce-Professor Heinemann: "30 Showrooms für Zalando sinnvoll"

Die Ambitionen der Samwer-Brüder sind groß. Mit ihrem Projekt Zalando wollen sie nicht nur Modemarken wie Zara und H&M das Fürchten lehren. Die Zahlen für 2012 sind durchaus viel versprechend. Gerrit Heinemann, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Niederrhein und Leiter eWeb Research Center, im LEAD digital-Interview über den Preis-Verhau bei Amazon und die Chancen von Zalando, Ikea zu überrunden.

Die Samwer-Brüder haben hochgesteckte Ziele - zweistellige Umsatzrenditen -  für fast alle ihre E-Commerce-Start-Ups. Wie realistisch ist dies Ihrer Meinung nach angesichts der Tatsache, dass viele ihrer Portale derzeit noch rote Zahlen schreiben?

Das ist doch ein vernünftiges Ziel und da ist nun wirklich nichts gegen einzuwenden. Die Tatsache, dass die DACH-Region bei Zalando bereits schwarze Zahlen schreibt, gibt zudem Hoffnung, dass das vielleicht klappt. Da sechs Jahre bis zum Break Even für E-Commerce-Start-Ups nicht unnormal sind und die meisten der angesprochenen Startups erst auf halbem Wege sind, sind fünf Jahre bis zur Rentabilisierung ein durchaus realistischer Zeitraum.

Mit Zalando-Ablegern wie Emeza und Kiomi wollen die Samwer-Brüder Modeketten wie Zara und H&M in die zweite Reihe drängen und sogar Ikea angreifen. Ist die Marke Zalando dafür stark genug? Wie sehen Sie die Chancen?

Bisher ist keine der angesprochenen Modeketten so schnell gewachsen wie Zalando. Zara hat Zalando in Deutschland mit rund 570 Mio. Euro Umsatz 2012 bereits mehr als überholt, denn Zara kam hier 2012 auf allenfalls rund 370 Mio. Euro. Bei geschätzt einer Milliarde Euro Deutschlandumsatz von Zalando dieses Jahr und anhaltender Wachstumsrate dürfte auch H&M in drei bis vier Jahren überholt sein, zumal die schwedische Modekette in Deutschland offensichtlich an ihre Wachtsumsgrenzen stößt. Insofern ist das Vorhaben nicht chancenlos. Im Möbel-Online-Handel (Home24) wird es als Pionier sicherlich etwas länger dauern, aber hier gilt wohl eher "der Weg ist das Ziel". Hier dürfte weniger Ikea als vielmehr der klassische Möbelhandel durch seine Lieferzeitenpolitik extrem gefährdet sein und eine Menge Potenzial für Rocket Internet bieten.      

Mittlerweile offeriert Zalando auch Wohnaccessoires und einige Elektronikartikel. Vor kurzem kursierte das Gerücht, es sollen auch Spielwaren ins Sortiment aufgenommen werden. Ist das Angebot der Plattform bisher noch zu beschränkt, um den richtig Großen des Online-Handels (z.B. Amazon) Konkurrenz zu machen?

Das Zalando-Partnerprogramm sieht die Aufnahme arrondierender Sortimente und hochwertiger Marken ohne Preis-Verhau vor. Insofern ist das Modell eher ein Concession-Modell als ein offener Marktplatz wie Amazon, der nur über Preis-Verhau funktioniert. Spielwaren halte ich da doch eher für ein Gerücht, es sei denn, es handelt sich um echte Lifestyle-Produkte. Das strukturierte und geschlossene Zalando-Partnerprgramm ist meines Erachtens auch der wesentliche Hebel, um das Renditeziel zu erreichen.

Es gibt bisher einen realen Outlet-Laden von Zalando in Berlin. Wenn sich Zalando mit H&M und ähnlichen Marken mit vielen „realen“ Läden messen, wird die Plattform dann langfristig zusätzlich zum Online-Geschäft noch auf weitere Verkaufsflächen setzen? Lassen sich so weitere Kundenkreise gewinnen?

Ich glaube nicht, dass Zalando großflächig Outlets eröffnen wird. Allenfalls wenige Outlets zur Restantenvermarktung wie in Berlin, nicht aber Geschäfte à la Zara und H&M im großen Stil. Das würde keinen Sinn machen und wäre auch kein effizienter Hebel für Zalando zur Kundengewinnung. Es würde eher die Wachstumsgeschwindigkeit bremsen und unnötige Risiken und Kapitalbindung aufbauen. Auch Ebay hat im vergangenen Weihnachtsgeschäft mit einem Popup-Store experimentiert. Ich sehe das eher als eine Demonstration dafür, wie ein Showroom in Zukunft aussehen könnte. Dementsprechend könnten für Zalando durchaus bundesweit rund 30 solcher Showrooms auf der grünnen Wiese Sinn machen, die dann jeder Deutsche innerhalb von einer Stunde erreichen kann. Dabei geht es aber weniger um ein flächendeckendes Filialnetz.

E-Commerce-Professor Heinemann: "30 Showrooms für Zalando sinnvoll"

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