Wochenrückblick | | von Irmela Schwab

Digitale Sichtbarkeit und die Angst

Aus Angst davor, ihr Geschäftsmodell zu zerstören, drücken sich noch viele Branchen vor dem Weg ins Internet. Doch ist Angst bekanntlicherweise ein schlechter Ratgeber. Wie sich ein ums andere Mal herausstellt, rächt sich die digitale Abstinenz.

Die Luxusbranche à la Louis Vuitton und Prada spürt beispielsweise immer mehr, dass ihr die vornehme Zurückhaltung nicht mehr steht. Wie das Wall Street Journal analysiert, wollen die Kunden nicht mehr zum Kauf im Laden “gezwungen” werden. Gerne gucken sie sich die Artikel im Geschäft an, aber zugeschlagen wird erst hinterher. Online, von zuhause aus. Der als Showrooming bezeichnete Trend hat den Vorteil, dass sich bequem Preise vergleichen lassen. Meist wird dann zum günstigsten Preis bei Drittanbietern wie Online-Kaufhäusern bestellt, auch der Service spielt natürlich eine Rolle.

Für die Luxusbranche, die ihre wertigen Produkte samt Preisetikett nicht gerne zur Schau stellt, und daher auf eigene E-Commerce-Plattformen für ihre Marken und Produkte verzichtet hat, ist rasches Nachholen gefragt. Schließlich ist die Branche bereits schon einen großen Schritt weiter und beim Social Selling angelangt. Wie NYU-Professor und L2-Gründer Scott Galloway auf einer Konferenz in New York sagte, ist Instagram die Plattform die dabei die allerbesten Chancen für Marken verspricht.

Die digitale Sichtbarkeit erhöhen sollen auch deutsche Verlage. Zumindest, wenn es nach Eric Schmidt geht. Der Google-Verwaltungsratschef hat die Verlage in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zur Zusammenarbeit aufgerufen. Anstatt also gemäß dem Leistungsschutzrecht Geld für das Ausspielen von Textausschnitten in seiner Suchmaschine zu bezahlen, sollten Verlage lieber froh sein, dass Google den Verlagen bei der Sichtbarkeit im Netz unter die Arme greift, schreibt Schmidt: “Monat für Monat leitet Google mehr als zehn Milliarden Klicks an Verlage weiter.”

Dem Gastbeitrag vorangegangen war ein FAZ-Artikel über die “Angst vor Google”, in dem es um die marktbeherrschende Stellung des Internetriesen geht. Immer stärker engagiert er sich auch in der Reisebranche, da gibt es viel zu holen. Dafür stellt Google in seiner Suchmaschine immer mehr Bilder und Preisinformationen zur Verfügung - darüber wird auf einen Blick sichtbar, welche Hotels es am Reiseort gibt, und zu welchen Konditionen. Noch dazu hat Google damit angefangen, virtuelle Touren für Hotelketten wie Hilton und Carlson Rezider anzubieten. Wie das WSJ einige Hoteliers zitiert, seien diese Features ein “Game Changer”.

Trotz der Angst vor Google sollten Verlage und Unternehmen von dem Silicon Valley-Unternehmen eines lernen: Nicht stehen bleiben und auf den Lorbeeren ausruhen, bis es zu spät ist, sondern sich permanent weiterentwickeln. Gruner + Jahr hat dem digitalen Innovationsdruck nun auch nachgegeben: Der Verlag  investiert derzeit massiv in werbefinanzierte Bewegtbildinhalte. An einer Weiterentwicklung arbeitet auch Ebay. Nachdem sein Geschäftsmodell etabliert und gelernt ist und das Wachstum endlich, macht der Marktplatz seinen Händlern nun den internationalen Weg frei: Bis 7. Oktober 2014 verzichtet Ebay auf Angebotsgebühr und Verkaufsprovision, wenn Artikel bei eBay.co.uk, eBay.fr, eBay.it und eBay.es angeboten werden. In den Genuss kommen rund 12.000 ausgewählte deutsche Händler. 

Digitale Sichtbarkeit und die Angst

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht