Der Online-Supermarkt ist das nächste große Ding. Oder doch nicht?
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Wochenrückblick | | von Yvonne Göpfert

Der Online-Supermarkt ist das nächste große Ding. Oder doch nicht?

Amazon Fresh, die Supermarkt-Version von Amazon, soll Gerüchten zufolge im April starten. Oder später. Auf jeden Fall dieses Jahr. Wenn es derzeit ein Hype-Thema gibt, dann das Thema Online-Supermarkt. Die Nachfrage nach Lebensmitteln übers Internet ist vom ersten Quartal 2016 aufs erste Quartal 2017 deutlich gestiegen: Das Schnäppchenportal Mydealz spricht von 538.386 Käufen 2016 und 772.226 Käufen 2017. Ein sattes Plus. Wirklich?

Derzeit verkaufen vor allem Feinkostanbieter und Kochbox-Versender via Internet. Und auch Rewe versucht, sich seit geraumer Zeit mit Werbekampagnen und Gratislieferungen in Stellung zu bringen. Aber: Zwei Drittel der Deutschen haben Umfragen zufolge noch nie Lebensmittel über das Internet bestellt. Oder anders ausgedrückt: Der Versandhandel mit Nahrung macht aktuell nur etwa ein Prozent am Lebensmittel-Gesamtumsatz.

Die Vorbehalte sind groß: Bekomme ich vor allem bei Obst und Gemüse auch wirklich frische Ware? Hält die Kühlkette? Wann und wo kann ich die Lieferung in Empfang nehmen? Das alles sind Fragen, die Amazon Fresh, Rewe und Co derzeit klären müssen.

Die Bahn hat hier ihren eigenen Lösungsansatz: In Stuttgart und in Berlin am Ostbahnhof sind oder sollen bald „Bahnboxen“ installiert sein. Ein Edeka-Markt aus der Stadt bringt die im Internet bestellten Waren zu der acht Meter breiten und zweieinhalb Meter hohen Aufbewahrungswand mit 52 Fächern in Stuttgart. 700.000 Artikel soll es zur Auswahl geben. Pendler könnte es freuen. Sofern die Lieferkosten akzeptabel sind. Und die lohnen sich derzeit für Single-Haushalte, von denen es in Deutschland ja nicht wenige gibt, nicht. Denn bis ein Single einen Mindestbestellwert von 40 Euro erreicht, muss er viele Gurken ordern.

Vielleicht hilft es, den Bestellvorgang möglichst einfach zu machen, um die Kunden zu überzeugen? Der reine Online Supermarkt Allyouneedfresh jedenfalls setzt auf Alexa, um Kunden für sich zu begeistern und sich im Relevant Set der Kunden beim Thema Lebenmittel online bestellen zu verankern.

Doch abgesehen von den organisatorischen Problemen haben Supermärkte auch bei der Online-Kommunikation noch Optimierungspotenzial. Einer Untersuchung von Semrush und Brandwatch zufolge posten Lidl, Aldi oder Rewe vor allem Gewinnspiele und Rezepte. Gewinnspiele sorgen für viele Kommentare in der Online-Community. Aber wirklich reges Interesse zeigen die Kunden bei Posts zu Angeboten und Aktionen.

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