Studie | | von Susanne Herrmann

Der Konsument 2015: Onlineshopper und Teiler

"Tauschen, Teilen, Leihen - welche Kaufpraktiken liegen im Trend?" Das ist nicht der Ttiel einer neuen Reality-Show auf RTL 2, sondern eine europaweite Befragung, die Commerz Finanz durchführen ließ. Mit dem Resultat: Die Art des Einkaufens hat sich verändert. Logisch, durch das Internet. Aber nicht nur.

Dass die Zahl der Netzeinkäufe zunimmt, überrascht zunächst also nicht weiter. Vor allem, was Neuware angeht. Deutsche Verbraucher shoppen besonders gerne online. 78 Prozent tätigen genauso viele oder mehr Neukäufe im Internet wie vor fünf Jahren. Lediglich 15 Prozent der Europäer bestellen keine neuen Artikel online. Der stationäre Handel, das ist sattsam bekannt, verliert dagegen an Bedeutung. Hauptargumente für Onlineshopping sind die Zeitersparnis und der Preis. Der Handel punket noch damit, dass sich hier die Qualität prüfen lässt, sowie mit dem Einkauferlebnis (siehe Bild oben).

Doch es rücken andere Konsumpraktiken stärker in den Fokus: Gebrauchtkäufe, "Click & Collect" oder das Ausleihen, Tauschen oder Teilen von Produkten. Wie das "Europa Konsumbarometer 2015" zeigt, geben die meisten der 8700 befragten Europäer vor allem finanzielle Gründe dafür an. 40 bis 60 Prozent der europäischen Verbraucher sehen einen Zusammenhang zwischen ihren Konsumpraktiken und der Wirtschaftslage. "Allerdings lässt sich der Konsum nicht vollständig durch wirtschaftliche Faktoren erklären", sagt Anja Wenk, Bereichsleiterin Vertriebsmanagement der Commerz Finanz. "Das Ausleihen oder Tauschen von Gütern bringt zwei Vorteile mit sich: Der Verbraucher spart zum einen Geld, zum anderen verschwendet er keinen Platz für Dinge, die er nur selten braucht. Die Europäer denken beim Konsum um."

Vor allem die unter 45-Jährigen wollen das Internet künftig stärker für Gebrauchtkäufe, Leihen, Tauschen oder Teilen nutzen. Damit gewinnt der Secondhand-Markt als Weiterverkaufs- oder Einkaufsmöglichkeit deutlich an Reichweite. Drei von fünf Europäern beteiligen sich als Verkäufer, zwei von drei Europäern als Käufer. Die Motive sind recht klar: wirtschaftliche Gründe gefolgt von Platzmangel oder einer seltenen Nutzung. Die heutige Schnelligkeit liefert einen weiteren Grund: zu rasant wechseln die Modelle, kommen Produktinnovationen. "Das zunehmende Bedürfnis nach Abwechslung und ein schnell wechselndes Angebot im Handel führen zu immer kürzeren Wiederkaufszyklen. Viele Konsumenten haben daher selbst für hochwertige Produkte in gutem Zustand keine Verwendung mehr", sagt Susanne Wigger-Spintig, Professorin für BWL an der Uni München. "Das ist wiederum für diejenigen interessant, die sich mit dem Qualitätsniveau der Secondhand-Ware zufriedengeben und sich entweder nicht mehr leisten können oder wollen." Das hängt aber von der Produktgruppe ab: Das Leihen von Geräten oder der Tausch von Immobilien, Haushaltsgeräten oder Kleidung wird vergleichsweise seltener praktiziert.

Commerz Finanz ließ auch erfragen, was sich die Konsumenten wünschen. Das ist für jeden dritten Europäer ein größeres Dienstleistungsangebot auf den Websites (32 %). Gefragt sind auch eine bessere Erreichbarkeit durch Carsharing-Angebote oder öffentliche Verkehrsmittel (21 %), eine persönliche Betreuung vor Ort (28 %) und eine optimierte Gestaltung des Kundenlaufs im Geschäft bzw der Struktur der Onlineshops (23 %). Rund die Hälfte der Verbraucher wünscht sich verlängerte Öffnungszeiten an Sonntagen, abends oder früh am Morgen (49 %). Deutsche Verbraucher sind mit dem Konsumangebot weitestgehend zufrieden. Trotz der Krise assoziieren sie Konsum mit Vergnügen (89 %).

Der Konsument 2015: Onlineshopper und Teiler

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