Wochenrückblick | | von Yvonne Göpfert

Content, Commerce und Kleinanlegerschutzgesetz

Bei Twitter ist vor 2016 kein Gewinn in Sicht. Das ist zu wenig für dynamische Internet Businesses. Und prompt hat die Rating-Agentur Standard & Poor's Twitter ihr Missfallen ausgedrückt. Twitter-Anleihen erhielten nur noch ein „BB-“-Rating. An der Userzahl kann es nicht liegen. Aber vielleicht daran, dass Twitter bei der Google-Suche kaum sichtbar ist? Twitter will sich Google nach dem Bruch vor drei Jahren wieder annähern – ein erster Schritt in die richtige Richtung. Und dann könnte man ja auch mal schauen, was Facebook so macht. Facebooks jüngste Pläne dort lauten: Nutzerdaten besser auswerten und einfach mal nachschauen, welche Seiten von den Usern besucht und welche Apps genutzt werden. Und auch die neue "Danke sagen"-Funktion von Facebook könnte spannende Einsichten in die Facebook-User-Leben bringen. Mark Zuckerberg hat's schon mal vorgemacht und hat seiner Frau Priscilla ein Danke-Video gewidmet.

Burda geht da ganz anders vor: Via Berichterstattung leitet man Kunden gleich auf die richtigen Kaufportale weiter. Content und Commerce – das funktioniert, sagte Stefan Winners, Digitalchef beim Burda-Verlag gegenüber der Wirtschaftswoche. HolidayCheck und focus.de waren eine Zeit lang ein glamouröses Paar, und auch die Technik-Test-Zeitschrift Chip und der Technik-Shop Cyperport arbeiten gut Hand in Hand bzw. Klick auf Klick. Burdas Trick: Den Markt kontinuierlich nach neuen Beteiligungsmöglichkeiten durchforsten und hoffnungsvolle Unternehmen in die bunte Burdawelt integrieren. Dieses Jahr hat man sich schon über 150 Unternehmen angeschaut. Crowdfunding-Plattformen hat man bei Burda mit Sicherheit ebenfalls fest im Blick.

Crowdfunding entwickelte sich ja seit ein paar Jahren zum Volksport. Vor allem für Startups, die neue digitale Produkte entwickeln – von hippen Smartphones mit Sonderfunktionen über unglaubliche digitale Marktplätze und schnelle Online-Lieferservices bis hin zu futuristischen Wearables sind Crowdfunding-Börsen ein beliebter Spielplatz. Und Geld einsammeln war keine Mutprobe: Eine gute Idee, ein paar Fotos und konkrete Projektschritte – wenn die Idee überzeugte, floss die Rendite. Doch die rosigen Zeiten könnten ab Sommer 2015 vorbei sein. Denn dann tritt in Deutschland das Kleinanlegerschutzgesetz in Kraft. Wer dann Startkapital einsammeln will, bekommt nur noch gesetzlich festgelegte Minibeträge von Privat und darf jedem edlen Investor auch noch einen GEDRUCKTEN Prospekt zuschicken. Die Kosten dafür dürften sich auf mehrere Zehntausend Euro belaufen – genau die Summe, die die Firmen ja erst einmal einnehmen wollen. Das ist ein wenig, als ob man beim Wohnungsputz matschige Schuhe anzieht. Zum Glück gilt das nicht für Projekte, die weniger als eine Million Euro einsammeln wollen.

Weniger abgeben wiederum wollte Amazon. Amazon forderte in einem Streit mit dem französischen Verlag Hachette niedrigere Preise für E-Books und zugleich einen größeren Teil des Erlöses für jedes Buch. Nun darf Hachette seine Preise wieder selbst festlegen. Gibt Hachette Preisnachlässe, muss der Verlag auch weniger Provision an Amazon zahlen. Es bleibt fraglich, wer hier gewonnen hat.

Content, Commerce und Kleinanlegerschutzgesetz

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