Black Sunday, Cyber-Nato und Amazon
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Wochenrückblick | | von Yvonne Göpfert

Black Sunday, Cyber-Nato und Amazon

Stellt euch vor, es ist Black Friday und niemand bestellt. Eine grauenhafte Vorstellung. Und doch wäre genau das beinahe passiert. Fast eine Million Telekom-Kundenhaushalte waren am Sonntag Nachmittag von massiven Netzausfällen betroffen.  Erst im Laufe des Montags normalisierte sich der Betrieb wieder. In der Cyberwoche auf Amazon konnte also wieder jeder nach Herzenslust mitbestellen.

Wäre der Black Sunday auf den Black Friday gefallen, hätte die Bestell-Wut - zumindest in Deutschland - nicht zu neuen Rekorden geführt. In den USA verzeichnete man übrigens auch einen neuen Rekordwert: Adobe Digital Insights (ADI) zufolge gab die US-Kundschaft am Freitag 3,34 Milliarden Dollar im Internet aus. Das entspreche einem Plus von 21,6 Prozent verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Der Cyber Monday, der in USA nicht von Router-Ausfällen überschattet war, brachte sogar 3,39 Milliarden US-Dollar Umsatz. Ärgerliche Randnotiz: die Klagen der Hongkonger Super Union Holding, die sich die Markenrechte an dem Begriff "Black Friday" gesichert hat. Die Holding mahnt nun reihenweise Händler ab, mit "Black Friday" zu werben.

Doch zurück zur Telekom: Der Ausfall hat gezeigt, dass Cyber-Angriffe die Achilles-Ferse unserer digitalisierten Gesellschaft sind. Bundesinnenminister Thomas de Maizière sprach von einem "vermutlich weltweiten Angriff auf sogenannte Router einer bestimmten Firma", Telekom-Chef Timotheus Höttges fordert eine Cyber-Nato. Da scheint es fast ein Wunder, dass gleich ein paar Tage danach eines der größten Bot-Netze der Welt, Avalanche, zerschlagen wird.  Nüchtern betrachtet ist es natürlich kein Zufall, dass der Erfolg gerade jetzt gefeiert werden kann. Schließlich haben Spezialisten aus rund 40 Staaten mehr als 4 Jahre lang den Coup vorbereitet, um diese Leistung zu vollbringen. Wir sagen Danke.

Da hat die "Cyber Nato" übrigens schneller gearbeitet als sich die durchschnittlichen Projekte von Amazon amortisieren. "Ich habe festgestellt, dass es fünf bis sieben Jahre dauert, bis eine Saat unserem Unternehmen nennenswerte finanzielle Früchte beschert. Ich kenne zwar keinen Grund, warum es so sein sollte, aber meistens ist es so" erklärt Amazon-Chef Jeff Bezos. Gut möglich, dass die Erhöhung der Lieferkosten für Nicht-Prime-Kunden, die Amazon diese Woche verkündete, eines seiner Saatkörner, nämlich das Gewächs Prime, voranbringen soll. Auch die Jahresgebühr für Amazon Prime wurde kürzlich von 49 auf 69 Euro erhöht. Und so wurde das Argument schnelle kostenlose Lieferung kurzzeitig geschwächt. Jetzt ist die Lieferfrage wieder im Lot.

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