Wochenrückblick | | von Tobias Weidemann

Aufreger der Woche: Ein PR-Coup und tumultartige Zustände

Amazon-Chef Jeff Bezos hat’s mal wieder in die Schlagzeilen geschafft und sich als Vordenker positioniert, der (nicht nur) den Weltraum erobern will. Diesmal geht es um eine unkonventionelle Auslieferungsmethode. Die Idee, Waren in (zunächst amerikanischen) Großstädten mithilfe elektronischer Octocopter-Drohnen ausliefern zu lassen, hat weltweit für viel Gesprächsstoff gesorgt. Das soll mit kleineren Päckchen bis zwei Kilo gehen, wobei die Reichweite 16 Kilometer nicht überschreiten könne. Dass die Idee frühestens in fünf Jahren marktreif sein wird und auch nur dann, wenn die US-Luftaufsichtsbehörde sich dazu durchringen kann, so etwas überhaupt zuzulassen (und das ist in amerikanischen Großstädten nicht erst seit dem „11. September“ eher unwahrscheinlich), interessiert offenbar wenige. Auch dass die Drohnen mit anderen fliegenden Objekten zusammenstoßen oder durch widriges Wetter abstürzen könnten, wird angesichts der schönen Geschichte geflissentlich übersehen. Immerhin sichert die Exklusivmeldung bei CBS „60 Minutes“ (Video) Jeff Bezos weltweites Medieninteresse. Das ist gut fürs Image und eine schier unbezahlbare Gratis-Medialeistung am so genannten Cyber-Monday, einem der umsatzstärksten E-Commerce-Tage in den USA, wo in den Tagen nach Thanksgiving besonders eifrig online geordert wird.

Etwas kleinere Brötchen backt die Deutsche Telekom. Die hat Ende November vom Landgericht Köln (AZ 26 O 211/13) gesagt bekommen, dass eine gedrosselte Flatrate ungefähr so sinnig ist wie ein All-you-can-eat-Buffet, bei dem der Gast nach dem dritten Teller mit Handschellen am Stuhl festgeschnallt wird. Das ist auch richtig so – eigentlich müsste sich diese Praxis auch bei UMTS-Tarifen Einzug durchsetzen, wo nahezu jede „Daten-Flatrate“ ein Widerspruch in sich ist. Dass das für den datenhungrigen Kunden gut ist, ist nur die eine Seite der Medaille. Denn auch die Diensteanbieter, die beispielsweise Bewegtbild-Content per Stream oder Download vertreiben, haben dadurch Planungssicherheit für ihr Geschäftsmodell. Sie wären sonst gezwungen gewesen, mit den Providern entsprechende Verträge einzugehen. Und auch die Online-Werber wären bei volumenbasierten Tarifen noch mehr als bisher Gefahr gelaufen, dass User ein Argument mehr für die Nutzung von Werbeblockern finden. Die Telekom reagiert wie erwartet – sie streicht einfach die Formulierung „Flatrate“ aus neuen Verträgen. Auch eine Form der Kundenbindung: Wer jetzt einen Altvertrag hat, findet so einen Grund mehr, den Provider nicht mehr zu wechseln.

Verloren hat die Telekom aber noch in anderer Hinsicht: Sie hat nicht nur ihr in den letzten Jahren mühsam aufgebautes Image in diesem Jahr ordentlich ramponiert, sondern muss auch andere Finanzierungsquellen für die immer teurere ITK-Infrastruktur finden – ob ihr die Politik dabei helfen wird?

Google könnte indes ein solches Flatrate-Urteil ganz gelegen kommen. Denn der Konzern profitiert mit seinen volumenintensiven Anwendungen recht gut von der Arbeit, die die Internetprovider in Sachen Netzausbau leisten. Neuerdings kommt jetzt auch der Music-Streaming-Dienst Google Play Music All Inclusive nach Deutschland. Damit dürfte Google demnächst ähnlich gut über den Musikgeschmack der Nutzer Bescheid wissen wie heute bereits Apple und andere Dienste wie Last FM, Rdio oder Spotify. Während Google die Musik-Flatrate für 10 Euro (Einführungspreis 8 Euro) vertreiben will, plant Spotify, den Musikgenuss über Mobilgeräte gänzlich kostenlos, aber durch Werbung finanziert, anzubieten.

Und dann war da noch die Einführung von Sonys Playstation 4. Was nach einem gewöhnlichen Produktlaunch klingt, könnte für zart Besaitete ein gutes Argument sein, in Zukunft mehr auf Webshops zu setzen. Im Internet kursieren etliche Videos, die zeigen, wie’s am vergangenen Freitag in diversen Filialen der Kette Media Markt zugegangen ist (nachdem schon im Vorfeld klar war, dass die von Sony für Deutschland bereitgestellten Geräte nicht ansatzweise den Bedarf decken würden). Teilweise stammen die Videos offenbar aus den Überwachungskameras des Unternehmens, teilweise vom Smartphone. Gezeigt werden tumultartige Szenen, die erahnen lassen, wie es in einem Katastrophenfall mit wirklich wichtigen knappen Gütern zugehen könnte. Hersteller Sony dürfte sich über die starke Nachfrage freuen. Derzeit ist die Konsole nur über Online-Auktionshäuser und den Amazon Marketplace zu haben - zu Preisen, die mehrere hundert Euro über Sonys UVP liegen. Nach Unternehmensangaben wurden bereits über zwei Millionen Geräte verkauft. „Die Nachfrage ist ungebrochen stark und übertrifft das Angebot", erklärt Andrew House, Präsident und Group CEO von Sony Computer Entertainment.

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