Importe | | von Annette Mattgey

Ab 2014 mehr Schutz im grenzüberschreitenden E-Commerce

Eine zweiwöchige Widerrufsfrist und zwei Jahre Gewährleistung - das sieht die neue EU-Richtline zum Verbraucherschutz vor. Bis Ende des Jahres muss sie in nationales Recht umgesetzt sein. Bis dahin sowie im außereuropäischen Online-Handel lauern einige Fallstricke für leichtfertige Besteller. Neben dem Aspekt der Bequemlichkeit spielt beim grenzüberschreitenden Handel für viele der Preis eine große Rolle. So lassen sich einige von Schnäppchen-Angeboten verlocken, die auf den zweiten Blick ihre Tücken haben. „Verbraucher sollten beim Internet-Einkauf im Ausland nicht nur den Preis im Auge haben, sondern auch mögliche Fallstricke bedenken, die neben einigem Ärger auch unerwartete Zusatzkosten bedeuten können“, warnt Daniel Rohlff, Rechtsexperte bei der D.A.S. Rechtsschutzversicherung.

Wie sind Umtausch und Garantie geregelt?

Die Rücksendequoten im Online-Handel - siehe Zalando - sind zum Teil enorm. Funktioniert das auch bei Auslandsbestellungen? In der EU dürfte das Problem spätestens mit der neuen Richtlinie gelöst sein. In Zukunft kann der Käufer eine Online-Bestellung unabhängig vom EU-Herkunftsland der Ware grundsätzlich innerhalb von 14 Tagen widerrufen. Das beutetet, dass er die Ware zurückschicken kann, wenn er nicht zufrieden ist – allerdings mit einer schriftlichen Widerrufserklärung. Bisher können sich die Widerrufsfristen in den EU-Ländern allerdings noch unterscheiden. Die neue EU-Verbraucherrichtlinie muss von vielen Ländern noch in nationales Recht umgesetzt werden – dafür haben die Staaten bis zum 13.12.2013 Zeit. Die neuen Regeln gelten dann für Verträge, die nach dem 13.06.2014 abgeschlossen werden.

Zum europaweit einheitlichen Verbraucherschutz gehört außerdem eine zweijährige Gewährleistung: Ist die Ware mangelhaft oder beschädigt, hat der Käufer ein Recht auf Reparatur oder Austausch. Übrigens kann ein geprellter Online-Käufer auch vor einem einheimischen Gericht Klage erheben (EuGH, Az. C-190/11). „In der Realität erweist es sich aber trotzdem oft als schwierig, Ansprüche auf Umtausch und Gewährleistung über Ländergrenzen hinweg durchzusetzen“, betont Jurist Rohlff. „Daher sollten sich Verbraucher den Online-Shop genau anschauen, bevor sie ihre Bestellung tätigen. Fehlt zum Beispiel auf der Händler- oder Firmen-Website eine Adresse mit Telefonnummer, empfiehlt es sich, einen großen Bogen um das Angebot zu machen.“ Das gilt erst recht für Einkäufe außerhalb der EU: Wenn es kein bilaterales Abkommen mit Deutschland gibt, gelten die Gesetze des jeweiligen Landes.
 
Wie hoch liegen die Versandkosten - vor allem bei der Rücksendung?

„Auf ausländischen Webpages weisen oft Buttons oder Links auf Angaben zu den Versandkosten hin. Lässt sich jedoch deren Höhe nicht vor Abgabe der Bestellung klären, sollten Online-Kunden vorsichtig sein“, so Rohlff. Ein genauer Blick lohnt sich, denn die Höhe der Versandkosten legt der jeweilige Online-Shop fest. Zwar sind die Kosten zumindest innerhalb Europas oft niedrig, weil die meisten Händler Vereinbarungen mit einem Paketdienst getroffen haben. „Happig können die Portokosten dafür im Fall einer Rücksendung sein, weil diese Rabatte hierbei nicht gelten.“ Ins Gewicht fällt die Lieferung vor allem bei Bestellungen aus Übersee: Zum Beispiel versenden manche US-Händler ihre Waren nur innerhalb von Amerika. Um den Artikel hierzulande in Empfang nehmen zu können, muss der Kunde einen sogenannten Weiterleitungsdienst beauftragen. Dieser Anbieter schickt die Lieferung dann zwar an die Adresse des Kunden – allerdings fallen für ein 10-Kilo-Paket leicht rund 100 Euro Zusatzkosten an.
 
Kassiert der Staat dank Zöllen und Steuern mit?

Selbst innerhalb der EU fallen trotz grundsätzlich grenzenlosem Warenverkehr ab und zu Abgaben bei der Einfuhr an. Aufpassen sollte zum Beispiel, wer sich eine Kiste günstigen Wodka aus Polen schicken lässt: Für Kaffee, Spirituosen und Tabakwaren muss der Empfänger Verbrauchssteuer zahlen – auch innerhalb der EU. „Schummeln ist riskant, denn die Zollbeamten können die Sendungen stichprobenartig prüfen“, meint der Experte. Anders als bei Mitbringseln aus dem Urlaub gibt es keine Freigrenzen. Stammt die Lieferung aus einem nicht-europäischen Land, kann es richtig teuer werden: Abgabenfrei bleiben nur Pakete bis zu einem Wert von 22 Euro. Sonst greift bei allen Lieferungen, die zur Einfuhr in die EU bestimmt sind, die Einfuhrumsatzsteuer. Meist sind 19 Prozent einzukalkulieren. Dabei gilt: Die Berechnung richtet sich nicht nur nach dem Kaufpreis, sondern nach der Gesamtsumme, einschließlich der Versandkosten. Seit 2008 kommt bei Paketen im Wert von mehr als 150 Euro zusätzlich zur Einfuhrumsatzsteuer noch der Einfuhrzoll hinzu. Wie hoch die Gebühren ausfallen, hängt vom jeweiligen Produkttyp ab. Bei Textilien liegt der Satz zum Beispiel bei 12 Prozent. Alle wichtigen Regelungen bietet die Webpage des Zolls.

Ab 2014 mehr Schutz im grenzüberschreitenden E-Commerce

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht