Lesetipp | | von Annette Mattgey

Omnicom-Publicis-Deal: Sternstunde für digitale Satire

Auch wenn sich die Analysten und Börsenkurse am ersten Tag vor Begeisterung überschlagen: Die Reaktionen auf den Deal zwischen den Werbegiganten Omnicom und Publicis sind verhalten - bis hin zur bissigen Satire. Andere Agentur-Chefs sind eher skeptisch, insbesondere aus der Digital-Ecke, etwa der Europachef von Sapient Nitro, Nigel Vaz (Bild). Für ihn könnte gelten, was die W&V-Kollegin Kerstin Richter in ihrem Kommentar schreibt:"Von dem Drang zur schieren Größen der Einen könnten daher Andere profitieren: die kleineren Gruppen wie MDC Partners, zu der zum Beispiel Agenturen wie Crispin Porter & Bogusky und 72andSunny gehören, und die management- oder inhabergeführten Agenturen." Ähnlich äußert sich etwa Michael Roth, CEO von Interpublic, in einem Brief an die Mitarbeiter seiner Agenturgruppe, der in AdAge veröffentlicht ist: "Nichts ist in unserem Geschäft entscheidender als intensive Kundenbeziehungen. Das hat nichts damit zu tun, ob eine Agentur groß oder klein ist oder welche Strukturen sie hat, sondern einzig und allein mit einer Kultur, die den Dienstleistungsgedanken hochhält und fördert." Das gelte auch für das Digitalgeschäft, findet Roth.

Gerade der digitale Bereich muss oft als Rechtfertigung für Zukäufe herhalten - auch bei dem aktuellen Deal. Dass es damit aber nicht weit her sein kann, beweist nicht nur Thomas Knüwer zufolge die Tatsache, dass sich die Partner noch nicht mal die passenden Twitter-Accounts gesichert haben: @OmnicomPublicis bzw. @PublicisOmnicom. Im Gegenteil: Beide Accounts haben Satiriker gekapert. Auch die amerikanische Comedy-Plattform The Onion hat sich die Geschichte nicht entgehen lassen und überschrieb einen Artikel:"Der Zusammenschluss der Werbe-Giganten bringt die größte Ansammlung von Menschen ohne erkennbare Fähigkeiten zusammen".

Kein Wunder also, dass die Konkurrenz optimistisch bleibt. Chancen in der Nische sieht etwa Patrick Martell, Chef der britischen St. Ives Group, die sich selbst im Frühjahr mit dem Digitalspezialisten Amaze verstärkt hat. Hinter dem Omnicom-Publicis-Merger stecke vor allem die Angst der Werbekonzerne vor Facebook und Google. Nigel Vaz, European Managing Director von SapientNitro, empfindet den Kauf ebenfalls als "Verteidigungsstrategie". Am Erfolg zweifelt er: "Bisher gab es jedoch wenige Agenturverkäufe, die mich vollständig überzeugt haben." Durch das Aufeinanderprallen der verschiedenen Kulturen entstünden weitere Komplikationen: "Ich halte es für schwierig, die eigene Individualität aufzugeben, um mit einer völlig anderen zu verschmelzen. Denn letztlich ist es Kultur, was die Agentur ausmacht. Besonders schwierig wird es, wenn die Agenturen zuvor in einem harten Konkurrenzkampf standen und plötzlich zusammenarbeiten sollen."

Weitere Reaktionen auf den Deal lesen Sie hier bei The Drum.

Omnicom-Publicis-Deal: Sternstunde für digitale Satire

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