Sedo-Umfrage | | von Tobias Weidemann

Noch geringes Interesse an neuen Top-Level-Domains

Stell Dir vor, es gibt neue TLDs - und keiner schaut hin: Das Rennen um die neuen Top-Level-Domains hat begonnen, doch insbesondere  kleinen und mittelständischen Unternehmen ist das noch wenig bekannt oder gar gleichgültig. Wem eine Website mit der Endung .de oder .com nicht ausreicht oder wessen Wunschdomain mit den hinlänglich bekannten Endungen bereits vergeben ist, der kann demnächst auf eine Vielzahl neuer Endungen zurück greifen. Dazu befragte der Domain-Marktplatz Sedo im Januar mehr als 600 Geschäftsführer und Inhaber von US-amerikanischen KMUs. Die Ergebnisse sind ernüchternd: 63 Prozent der befragten Unternehmen wissen nicht, dass die neuen TLDs 2013 verfügbar sind, 40 Prozent wissen nicht, was der Vorteil daran sein sollte und 94 Prozent gaben an, dass sie derzeit nicht planen, sich eine der neuen Domains zu sichern.

Obwohl das Interesse seitens der größeren Unternehmen durchaus vorhanden ist, wie Untersuchungen zum Start der Bewerbungsphase im vergangenen Jahr beweisen, zeigen sich die KMUs eher reserviert. Jeder Zweite war der Meinung, das Internet werde durch die neuen TLDs eher verwirrender. Auf die Frage, was sie denn dazu bringen könnte, eine solche neue Domain zu beantragen, antworteten 16,9 Prozent, sie würden abwarten, bis diese weiter verbreitet sind, 15,7 Prozent gaben an, eine verbesserte Wahrnehmbarkeit im SEO-Umfeld würde sie überzeugen und 15 Prozent gaben an, die Preisgestaltung der neuen Domains würde für sie eine Rolle spielen.

Verspielte Marketing-Chance

Den Nutzen neuer Endungen können 29,3 Prozent überhaupt nicht erkennen. Mögliche Vorteile für das Erscheinungsbild ihrer Marke geben 16,4 Prozent der KMUs an. Immerhin 20 Prozent würdigen, dass dadurch "gute Domains" auf den  Markt kommen. Mitte 2013 stehen die ersten der neuen generischen Top-Level-Domains (gTLD) zur Verfügung, die ICANN nannte kürzlich den 23. April als möglichen Starttermin für die Vergabe der ersten neuen TLDs. Im vergangenen Jahr hatte das internationale Internetvergabegremium in einem aufwendigen Verfahren darüber entschieden, welche Top-Level-Domains (Endungen wie .sport .berlin oder .eco) über welche Antragsteller vergeben werden dürfen. Hierbei ging es nicht nur um eventuell bestehende Markenrechte, die Berücksichtigung fanden (etwa bei .canon oder .bmw), sondern auch um die Frage, wem beispielsweise eine Endung wie .app zugebilligt werden können. Um diese hatten sich nämlich insgesamt 13 Antragsteller beworben, die die Verwaltung und Vermarktung übernehmen wollen. Interessanterweise ist aber gerade eine solche Endung bei den KMUs gar nicht so angesagt: Wie die Sedo-Studie zeigt, bewerten die Unternehmen eher Endungen wie .llc, .design, .music, .movie und .home als interessant, während der Endung .app das geringste Potenzial zugesprochen wurde.

Pikantes Detail am Rande: Sollte das Interesse an den neuen Domainendungen tatsächlich so gering bleiben, wie die aktuelle Untersuchung nahelegt, dürften einige der TLD-Inhaber in spe deftige Verluste einfahren. Denn für die Registrierung einer gTLD wurde bereits im Vorfeld ein sechsstelliger Betrag fällig, eine Summe, die ohnehin nur ein größeres Konsortium leisten kann. Einige der geographischen TLD-Anträge wurden dabei aus öffentlichen Geldern finanziert oder mit öffentlichen Bürgschaften ausgestattet.

Noch geringes Interesse an neuen Top-Level-Domains

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