Datenschutz | | von Annette Mattgey

FSK für Online-Werbung: Was die Branche aus dem Fall Bettina Wulff lernen kann

Dominik Frings, Geschäftsleiter Mediascale, plädiert für ein offensives Vorgehen der Branche beim Thema Daten-Klarheit. Staatliche Regelungen sind nur der allerletzte Notnagel. Stattdessen sollte sich die Beteiligten lieber für ein freiwilliges Organ der Selbstkontrolle engagieren.

In den Medien ist es ruhiger geworden um das Thema Datenschutz. Derzeit beschäftigen sie sich konzertiert lieber mit dem Dschungelcamp, dem Ex-BERliner Wowereit (wäre übrigens ein Spitzen-Kandidat für die nächste Staffel, wobei noch zu klären ist, wie er nach Australien kommen soll) oder den Wulffs… Apropos Wulffs, die bringen mich doch glatt zurück zum Thema: Die Bettina nämlich hat ja erfolgreich die Googles (und die Öffentlichkeit) so lange genervt, bis die sämtliche Assoziationen mit käuflicher Liebe aus ihrer Suche genommen haben. Und hier zeigt sich dann auch, dass Privatsphäre wichtig ist, auch wenn man es vielleicht nicht unbedingt verdient hat.

Verdient in diesem Zusammenhang erwähnt zu werden, hat es aber der Deutsche Datenschutzrat Online-Werbung (DDOW als Fourletter-Word). Im November wurde er offiziell vorgestellt. Im Kern geht es dem DDOW darum, gezielte Onlinewerbung mit einem entsprechenden Hinweis auf die Quelle der gesammelten Daten zu versehen. Und ich empfehle allen Werbetreibenden, diese Initiative zu unterstützen. Weil sie erstens staatlichen Regularien Vorschub leistet und zweitens deutlich weitreichender ist als ein blaues „i“ auf dem Banner.

Der DDOW will transparent darlegen, welche Daten erhoben werden. Warum man gut beraten ist, hier möglichen restriktiven Regularien aus Brüssel oder Berlin vorzubeugen, zeigt sich an der Entstehung der Datenschutz-Debatte. Der Ursprung lag ja vor allem darin begründet, dass die Politik der Datensammelwut so manch global agierender Suchdienstleister und Freundschaftsprojekte einen Riegel vorschieben wollte. Dabei kosten diese die Bestimmungen aus Good Old Europe bisher lediglich ein müdes Lächeln. Dass die wirklichen Gefahren im Umgang mit Daten wenig mit getargeten Bannern zu tun haben, kümmert scheinbar ebenfalls niemanden. Dabei ist der x-fach eingeblendete verräterische Banner eines Schuhportals nicht die einzige Möglichkeit zu sehen, wo Frau die Binnenkonjunktur unterstützt. Irgendwann kommt ja auch ein schreiender Postbote durch den Hausflur gelaufen. Erfolglos blieben zudem die Versuche, über Surfprofile in unserer Datenbank den Mann/die Frau fürs Leben zu finden.

Wo aber nun lauern die Tücken im Alltag? Nun, gehen Sie mal mit einem schicken Smartphone der 5. Generation auf Wanderschaft, lassen sich schön permanent orten, loggen sich über WhatsApp in ein öffentliches W-Lan ein (oder lassen ihr Handy gleich irgendwo auf einer Party liegen), ignorieren Sie die laxen Settings in der Community ihres Vertrauens, legen ein paar sensible Daten in der Cloud ab, übersehen diverse Sicherheits-Updates ihres Antivirenprogrammes auch nach Wochen und setzen ihre Passwörter auf „Secret“ zurück, weil sich der Rest ja so schwer merken lässt. Tja und schon ist es nicht nur mit der Anonymität vorbei. Wenn Sie sich jetzt fragen, warum dagegen denn keiner was unternimmt, lautet die einfache Antwort: Zu kompliziert, kaum durchsetzbar und wenig imageträchtig. Also stürzt man sich auf die böse, böse Werbung.

Weil diese Mechanismen so bestürzend inhaltsreduziert wie vorhersehbar sind, bleibt letzten Endes lediglich der Ausweg, keine Angriffsfläche zu bieten. Was wiederum nur gelingt, wenn die Selbstverpflichtung von allen Beteiligten mit Leben gefüllt wird.

Dominik Frings, 34, hat sein BWL-Studium im holländischen Venlo absolviert und 2003 abgeschlossen. Danach trat er seine Stelle bei Mediascale an. Angefangen hat er dort als Kundenberater, stieg zum Leiter Beratung auf und ist seit 2011 Geschäftsleiter. Seine Verantwortungsfelder sind strategische Kundenbetreuung, Online und Performance.

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