Bewegtbild | | von Annette Mattgey

Film ab: Wie Sie mit Animationen Kompliziertes leicht erklären

Filme sagen mehr als umständliche Gebrauchsanweisungen. Für Unternehmen haben bewegte Bilder eindeutige Vorteile bei der Vermittlung komplexer Inhalte, meint Friedl Wynant, Geschäftsführer Produktion bei Triple F.

Wie einfach waren doch die Zeiten, als uns die „Sendung mit der Maus“ noch die Herstellung einer Wäscheklammer vorgeführt hat. Aber auch vor komplexeren Sachverhalten sind die genialen Erklärer nicht zurückgeschreckt. Selbst die Kernspaltung brachten sie so einfach auf den Punkt, dass Kinder – und so mancher Erwachsene – sie sofort verstanden haben.

Auch Unternehmen haben viel zu erklären. Mitarbeiter sollen verstehen, wie zum Beispiel die neue Abrechnungssoftware oder der neue Vertriebsprozess ablaufen. Kunden wollen wissen, wie ein Produkt – und noch viel mehr eine Dienstleistung – funktioniert und was sie davon haben. Wo der persönliche Kontakt über interne Trainer und Verkaufspersonal nicht möglich ist, setzen Unternehmen auf Erklärfilme. Sie erklären Hammerknarren (für den Hersteller Würth), Schraubfundamente (für Krinner) oder den Benzinpreis.

 

Realfilm, Animation und Trickfilm

Die Verantwortlichen in den Unternehmen haben die Wahl: ob klassischer Realfilm, die Animation aus dem Computer oder der Trickfilm. Jedes Genre hat seine Vor- und Nachteile. Das Design eines neuen Smartphones oder die Sommerkollektion eines Modelabels wirken nur als Realfilm. Der setzt aber ein professionelles Produktionsteam, Licht und Ton voraus. Der Dreh muss minutiös geplant sein.

Animationen bieten sich an, um Bewegungen im Ablauf detailliert aufzuzeigen, die im Realfilm nicht darstellbar sind, das neue Automatikgetriebe des Porsche zum Beispiel. Auch wenn man keine Schauspieler braucht: Die Animation stellt hohe Anforderungen an die Gestalter und Konzepter, wenn sie eine packende Geschichte erzählen und professionell aussehen soll.

Was aber, wenn unsichtbare Prozesse und abstrakte Dienstleistungen dargestellt werden sollen? Hier kommt der Trickfilm ins Spiel. Mit ihm ist es möglich, schwierige Abläufe zu veranschaulichen und den Nutzen eines Produktes oder einer Dienstleistung auf den Punkt zu bringen. Weil er ohne Schauspieler und Außenaufnahmen auskommt, ist er schneller und mit weniger Aufwand zu produzieren. Aber: Es kommt umso mehr darauf an, ein gutes Storyboard zu entwickeln.

Vielfältig einsetzbar: Von Marketing bis Employer Branding

Die Personalabteilung, Marketing, Kommunikation, Vertrieb, aber auch Business Development oder R&D: Fast allen Bereichen im Unternehmen kann die Aufgabe zufallen, den Kunden und den Mitarbeitern neue Sachverhalte zu erklären. Außerhalb der Kommunikation und des Marketings gibt es oft wenig oder kein Vorwissen, wie ein Projekt am besten angegangen wird. Wie hoch sind die Kosten, wie lange dauert es? Soll ich das Drehbuch selbst schreiben?

Wo diese Fragen nicht inhouse beantwortet werden können, braucht es auf Seiten der Dienstleister echte Berater. Ihre Kunst besteht darin, die komplexen und vielen Informationen so zu verdichten, dass die Information auf den Punkt kommt. Gleichzeitig müssen sie auf engstem Raum eine Geschichte erzählen, die den Betrachter packt.

Der Dienstleister erarbeitet sich den eigentlichen Sachverhalt, die Zielgruppe und deren Wissensstand müssen ihm bekannt sein, bevor er loslegt. Die Auftraggeber sollten darauf achten, dass sie schon möglichst früh in den Entstehungsprozess eingebunden werden und eingreifen können: Sprechtext und Zeichnungsplanung sind solche Vorstufen zum Storyboard. Hier können Dienstleister und Unternehmen im Ideen-Ping-Pong noch Änderungen umsetzen, ohne viel Aufwand zu generieren und den Zeitplan zu sprengen. Am Ende gilt: Der Plot muss sitzen, bevor das Storyboard steht.

Kosten gut im Griff

Eignet sich bei all diesen Vorarbeiten der Erklärfilm auch wenn es gilt, schnell zu reagieren und wenn das Budget begrenzt ist? Gerade in diesem Fall hat der Trickfilm seine Stärke. Mit Produktionszeiten von 15 Werktagen für einen Drei-Minuten-Film zum Festpreis haben die Verantwortlichen im Unternehmen Kosten und Zeitplan unter Kontrolle.

Mehr Story statt mehr Content

Damit Trickfilme ihre volle Wirkung entfalten, muss der Fokus auf der Story liegen. Hier hat er seine besondere Stärke. Besonders bewährt hat es sich, mit Vorher-Nachher-Situationen zu arbeiten. Der Abgleich zwischen dem Vorher und dem Nachher stellt die Problemlösung besonders deutlich heraus und lässt sich auch in der kurzen Zeit gut erzählen.

Auf der emotionalen Ebene ist es besser, wenn der Film einen Hauptdarsteller hat, in dem sich der Nutzer selbst sehen kann. Idealerweise „löst“ der Film genau das Problem des Nutzers, während er vor dem Rechner sitzt.

Trickfilme entwickeln ihre Kraft gerade aus der Reduktion auf das Wesentliche. Deshalb sind Zahlen und Fakten für die Recherche und das Briefing wichtig, im fertigen Film tauchen sie nur exemplarisch auf. Die Story ist ein Trojanisches Pferd: Sie transportiert die Information huckepack zum Nutzer.

Vorsicht Abbruch!

Der Zuschauer ist gnadenlos, wenn es um Filme im Netz geht: Hat das Video Längen, oder ist es insgesamt zu lang, bricht er ab. Entscheidend ist erwiesenermaßen bereits die erste Anzeige der Gesamtlänge im Player. Alles über drei Minuten führt zu signifikant höheren Abbruchquoten.

Hier einige Tipps für die Veröffentlichung:

#Bringen Sie das Erklärte kurz auf den Punkt. Es ist erwiesen, dass Nutzer signifikant öfter abbrechen, sobald ihren ihr Player eine Länge über drei Minuten angezeigt.

#Wenn Sie auf Schrift verzichten, funktionieren die Filme oft auch international. Für den Kommentar in Fremdsprachen sollten Sie unbedingt auf Native Speaker zurückgreifen.

#Je nach Einsatzzweck sind das Intranet, die Website oder Social Media der richtige Ort für die Veröffentlichung. Spannend wird es, wenn der Film im Produkt selbst zum Einsatz kommt, zum Beispiel am entsprechenden Schritt im Anmeldeprozess. So bekommt der Nutzer genau die Erklärung, die er in diesem Moment braucht.

#Ein gut gemachter Erklärfilm lässt sich sogar mehrstufig einsetzen: Erst für die Schulung des Vertriebs, dann nimmt der Vertrieb den Film mit zum Kunden. Mit Untertiteln kann der Film auch auf einer Messe laufen.

#Für die zunehmende mobile Nutzung der Filme ist zu beachten, nicht nur auf Flash zu setzen, sondern den Film immer auch im MPEG-4 Format zu hinterlegen.

Das Fazit

Für Erklärfilme gibt es Unternehmen viele Anwendungsfälle. Die Verantwortlichen müssen auf gute Storyboards achten sowie und auf feste Preisabsprachen und Zeitpläne. Erklärvideos als Trickfilm sind ein Medium, das Wissen ohne Hürden vermittelt. Sie machen Kunden und Mitarbeitern unsichtbare und komplexe Abläufe verständlich. Der Absender hat die Chance, sich als sympathische und authentische Marke zu positionieren.

 

Der Autor:

Friedl Wynants ist Geschäftsführer Produktion bei der Triple F und berät Unternehmen, wie sie komplexe Sachverhalte in Erklärfilmen auf den Punkt bringen. Unternehmen wie Würth, Allianz, das Mitfahrnetzwerk flinc oder Ströer digital nutzen explain.it, um Kunden und Mitarbeiter zu informieren.

Film ab: Wie Sie mit Animationen Kompliziertes leicht erklären

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