SXSW | | von Irmela Schwab

Festival-Eindrücke: "Socialising ist das Wichtigste"

Als sie am 7. März in den Flieger gen Westen stiegen, um sich beim Interactive-Festival South by Southwest SXSW inspirieren zu lassen, freuten sich Daniel Richau (links im Bild) und Jörg Westpfahl (rechts) darauf, Ansätze in ihrer Entstehung zu sehen. In Cannes, so meinten die Kreativ-Direktoren bei Pilot Kreation, Hamburg, gäbe es ja fertige bunte Bilder aus der Werbewelt genug. Auf ihrem Weg mit dem Taxi ins Hotel staunten sie dann aber nicht schlecht, in welch strukturierten Bahnen die zirka 20.000 Besucher im texanischen Austin übers Eventgelände gelenkt wurden. Im Interview mit LEAD digital erzählen die beiden, welche Erkenntnisse ihnen ihr Besuch beschert hat.

Was haben Sie in Austin gesehen, was es sonst nirgendwo zu sehen gibt?

Daniel Richau: Das Highlight für uns Werber in Deutschland oder auch in Europa sind bisher ja die Cannes Lions. Doch wenn man beim Werbefestival in Frankreich das Thema Werbung herausstreichen würde, bliebe da: nichts. Das ist auf dem SXWS Interactive in Texas bei weitem nicht so: Die Keynotes, Workshops und Seminare werden dort direkt von den Machern für ein aufgeschlossenes Publikum gehalten. Hier geht es um Begeisterung! Viele heute alltägliche digitale Errungenschaften wurden hier als Cases präsentiert. Es geht darum, Grenzen infrage zu stellen und Unmögliches möglich zu machen. Vor allem geht es dabei um kulturelle und soziale Entwicklungen, die werblich eben auch noch nicht ausgeschlachtet sind. Und: Es gibt kaum Fachleute aus der Kreativszene. Das gefällt uns sehr gut. Denn so können wir auch mal über den Tellerrand schauen. Für uns gibt dies wichtige Impulse, um Kampagnen in einen relevanten, interessanten Kontext zu verflechten.

Jörg Westpfahl: Uns sind Inspirationen für neue Wege wichtig, wie wir in Zukunft unsere Kunden digital und virtuos inszenieren können. Beim SXSW werden Ideen von Startups, Programmierern, Künstlern, aber auch Politikern wie Al Gore präsentiert, die vielleicht noch keinen werblichen Hintergrund oder ein konkretes Geschäftsmodell haben. Das nutzen wir, um für unsere Kunden Mechaniken für ungesehene Kampagnen abzuleiten.

Welcher Vortrag hat Sie am meisten beeindruckt?

Daniel Richau: Die Kreativagentur Team Detroit hat zum Thema “Please leave a message” gesprochen. Dabei ging es um das Bespielen der Kanäle anhand von Erkenntnissen aus Big Data. Und das Startup Makerbot hat vorgeführt, wie die Offline- mit der Online-Welt verschmilzt. Mit ihrem neuen Digitizer Desktop 3D Scanner können digitale, dreidimensionale Kreationen auf Knopfdruck in die analoge Welt transportiert werden - in dieser Form habe ich so etwas noch nie gesehen. Es hat uns vor allem gezeigt, wie geschickt sich Dinge aus der virtuellen und realen Welt über Technik heute integrieren und verschmelzen lassen. Während wir solche Visionen in Deutschland eher theoretisch beleuchten, krempeln die Amerikaner die Hemdsärmel hoch und machen einfach mal.

Was sind denn die großen Themen in diesem Jahr?

Daniel Richau: Es geht ganz klar um Social Media und Big Data. Nicht nur, weil es zu den Themen jeweils  auch eigene Vorträge gibt - sondern vielmehr, weil sie sich durch alle Vorträge ziehen. Wir bekommen in Texas glasklar vor Augen geführt, wie wichtig Daten sind, um Zielgruppen vorab zu definieren. Dabei geht es um eine viel feinere Spezifizierung als bisher. Fragen, wie sich die jeweiligen Zielgruppen wirklich im Netz verhalten, auf welchen Plattformen sie sich aufhalten, über was sie sich freuen und ärgern, spielen dabei eine große Rolle. Erst wenn man diese Fragen beantwortet hat, kann man die jeweils richtige Kommunikationsstrategie ableiten.

Diese Art von Informationen lassen sich über Social Monitoring ja schon gut rausfiltern.

Daniel Richau: Das stimmt, und dort sind wir in Deutschland auch schon recht gut aufgestellt. Die große Herausforderung liegt nun darin, die Erkenntnisse über die Datensätze in Kampagnen zu übersetzen. Das ist sicherlich eine der großen Herausforderungen unserer gesamten Branche. Da wartet viel Arbeit auf uns - und Umdenkungsprozesse, die auch schmerzhaft sein werden. 

Welche Geschäftskontakte haben Sie in Texas gemacht?

Jörg Westpfahl: Das Socializing ist mit Sicherheit mit das Wichtigste für uns. Ziel ist es, in Austin Kollaborationen mit faszinierenden Menschen eingehen und an Projekten für die Zukunft partizipieren. Als Teile der offiziellen Hamburger Delegation der Kreativwirtschaft finden genau zu diesem Zweck viele Veranstaltungen hier vor Ort statt. 

Kommen Sie nächstes Jahr wieder?

Daniel Richau: Das werden wir dann entscheiden, wenn wir wieder nach Hamburg zurückgekehrt sind und nach und nach die Früchte unserer Reise ernten werden. Denn natürlich ist ein Besuch des Festivals auch mit viel Aufwand verbunden: Allein mit der Zeitumstellung von sieben Stunden hatten wir etwa zwei Tage zu tun.

Festival-Eindrücke: "Socialising ist das Wichtigste"

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht