Wie kommen mehr Frauen an die Spitze? Gegenwind für Sheryl Sandbergs Thesen
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Facebook | | von Annette Mattgey

Wie kommen mehr Frauen an die Spitze? Gegenwind für Sheryl Sandbergs Thesen

"Lean in" statt "Lean back". Mit ihrem Buchtitel will Sheryl Sandberg Frauen ermutigen, sich nicht bei der Karriere selbst im Wege zu stehen - etwa durch übertriebene Bescheidenheit und zurückhaltendes Auftreten. Eine Frauenquote lehnt die erfolgreiche Top-Managerin bei Facebook und zweifache Mutter jedoch ab. Für ihre Thesen muss sie auch Kritik einstecken. Am 30. März erscheint "Lean In", salopp übersetzt mit "Hängt euch rein", auf Deutsch, der Untertitel lautet "Frauen und der Wille zum Erfolg". Darin geht es um den Aufstieg oder besser gesagt: den mangelnden Aufstieg von Frauen in der Arbeitswelt. Denn in den Chefetagen auch deutscher Unternehmen sind Frauen immer noch unterrepräsentiert. Nur vier Prozent der Vorstände und 13 Prozent der Mitglieder in den Aufsichtsräten der Dax 200-Unternehmen sind Frauen, zeigt eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

Warum ist das so, wo doch Frauen bei Universitätsabschlüssen mit Männern gleichziehen und auch politische Ämter erobern? Sandberg meint, dass Frauen ihre Karrieren selbst ausbremsen. Schon kleinen Mädchen werde eingeschärft, nicht zu aggressiv aufzutreten. Später werde eine erfolgreiche Frau eher als kalt angesehen, während Männer als führungsstark gelten. Dieses sozial erwartete Verhalten halte Frauen zurück. "Wir schrauben unsere eigenen Erwartungen an uns zurück", schreibt Sandberg.

Frauen meldeten sich nicht häufig genug zu Wort, sie verhandelten nicht hart genug um Gehaltserhöhungen. Vor allem aber nähmen Frauen den Fuß zu früh vom Gas. Sie steckten zurück mit dem Gedanken an eine Familie und Kinder, wenn es diese noch gar nicht gebe. "Unsere Revolution ist steckengeblieben", sagte Sandberg dem US-Fernsehsender CBS. Sie will die Revolution wieder in Gang bringen.

Sheryl Sandberg steht seit 2008 an zweiter Stelle bei Facebook, führt direkt hinter Gründer Mark Zuckerberg das operative Geschäft des Online-Netzwerks mit mehr als einer Milliarde Mitgliedern. Vorher arbeitete sie bei Google, verantwortete dort die weltweiten Onlineverkäufe. Während ihrer sechseinhalb Jahre dort stieg Google vom Start-up in Silicon Valley zum börsennotierten Internetgiganten auf. Die Börsengänge von Google und Facebook bescherten Sandberg Millionen.

Zu ihren Mentoren zählt sie Larry Summers, den ehemaligen Finanzminister der USA. Summers war Sandbergs Professor an der Elite-Universität Harvard, er erkannte ihr Talent und holte sie nach dem Studium erst mit zur Weltbank, dann als Stabschefin ins Finanzministerium. Da war sie noch keine 30 Jahre alt. Jetzt, mit 43,will sie andere Frauen ermuntern, ihrem Beispiel zu folgen. Wenn mehr Frauen in die Führungsetagen vordringen, verbessern sich die Bedingungen für alle, ist Sandberg überzeugt.

Eine Frauenquote lehnt sie für die USA dennoch ab. Denn Sandberg wendet sich in erster Linie an Frauen selbst. Sie ermutigt Frauen zu mehr Selbstbewusstsein und Risikobereitschaft. Sie sollen auf ihre Erfolge aufmerksam machen und "abrechnen wie die Männer", also nicht aus Höflichkeit die eigene Arbeit unterbewerten. Dazu erzählt Sandberg viele Beispiele aus ihrem Leben.

Die haben nur einen Haken: Sandbergs Alltag unterscheidet sich deutlich von dem der meisten Menschen. Ihre Freundinnen steuern Unternehmen, ihre Dienstreisen erledigt sie im Privatjet, die Kinderbetreuung übernimmt ein Kindermädchen. Nicht nur die "New York Times" fragte sich, wie Frauen aus anderen Verhältnissen auf Sandbergs Rat reagieren würden, dass sie sich nur ordentlich anstrengen müssten. "Ich weiß, dass es einfacher für mich ist, das auszusprechen", erklärte Sandberg im Fernsehinterview. "Deswegen tue ich es ja." Ihre Aufforderung zum Gasgeben begründet sie auch damit, dass Frauen in Führungspositionen ihre Zeit freier einteilen und mehr Geld zur Verfügung hätten. Das mache es leichter, Familie und Beruf zu vereinbaren. 

Andere Frauen kritisieren diesen Ansatz. Die Princeton-Professorin Anne-Marie Slaughter erklärte, Sandberg sei noch nie einem Problem begegnet, das sie nicht mit harter Arbeit habe lösen können. Das trübe den Blick für schwierige Entscheidungen anderer Frauen. Wirtschaftsforscher verweisen darauf, dass es schwer ist, eine Unternehmenskultur von unten zu ändern. "Ich unterstütze sie, aber ich glaube nicht, dass das genug ist, erklärte Slaughter jüngst auf einer Veranstaltung der SPD-Bundestagsfraktion in Berlin. "Wir brauchen eine ganz neue Runde von Veränderungen", etwa flexiblere Arbeitszeiten und die Abkehr von der Forderung nach ständiger Präsenz im Büro. Das werde nicht nur Frauen helfen, sondern auch Männern.

Ein Porträt und Interview mit Sheryl Sandberg von CBS:

(dpa)

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