Wie ein Tweet zwei Karrieren vernichtet hat
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Zu viel Political Correctness? | | von Annette Mattgey

Wie ein Tweet zwei Karrieren vernichtet hat

Eine Auseinandersetzung über angemessenes Verhalten auf einer Konferenz eskalierte via Twitter und brachte schlussendlich zwei der Beteiligten um ihre Arbeitsplätze. Das Drama nahm seinen Lauf auf der PyCon-Konferenz. Web Evangelist und Software-Entwicklerin Adria Richards (Bild) besuchte die Konferenz, ihr Arbeitgeber SendGrid, ein Cloud-Anbieter, war zudem Sponsor. Aus einem kurzen Gespräch mit zwei anderen Teilnehmern (auch von einem Sponsor der Veranstaltung) entstand eine für sie höchst unangenehme Situation. Die Männer in der Reihe hinter ihr verwendeten höchst zweideutige Begriffe, die vordergründig aus dem Tech-Wortschatz stammen, aber auch sexuelle Bedeutung haben ("forking", "Dongles"). Richards empfand den Unterschied zwischen dem, was gerade auf der Bühne passierte und im Publikum, äußerst krass: Der Veranstalter legte nämlich besonderen Wert darauf, dass sich Frauen bei der Software-Konferenz wohlfühlen, und fördert junge Nachwuchstalente. Nach kurzem Zögern entschied sie sich, per Tweet die Security zu informieren und verwies auf die Hausregeln. Der Gastgeber sollte entscheiden, was zu tun ist. Die Männer mussten daraufhin den Saal verlassen. Dass die Bemerkungen der beiden Männer nicht die ersten sexistischen Äußerungen waren, die sie an diesem Tage mitbekommen hat, machen ihre Reaktion vielleicht etwas verständlicher. In ihrem Blog erläutert sie, warum es ihr wichtig war, die Männer aus der anonymen Masse, in der sie sich sicher wähnen, herauszuholen.

So weit, so harmlos. Doch leider beschränkte sich die Reaktion nicht auf diesen Denkzettel bei der Konferenz. Einer der beiden Männer verlor seinen Job und jetzt begann die Hatz der Trolle auf Adria Richards. Bis hin zu Morddrohungen und Fotos geköpfter Frauen reichte der Backlash. SendGrid wurde massiv angegriffen durch dDoS-Attacken. Schlussendlich knickte es vor der Masse ein und entließ Richards. In Blogs wird eifrig kommentiert. Viele stärken Richards den Rücken und empfinden das Verhalten von SendGrid als "Kniefall". Die Vorwürfe, die sich Richards jetzt gefallen lassen muss, erinnerten an die Fragen an Vergewaltigungsopfer: Warum hast Du das angehabt? Warum bist Du da lange gelaufen. Dabei habe Richards lediglich auf die Verletzung ihrer persönlichen Grenzen hingewiesen - wie sie nicht nur in der Software-Industrie häufig vorkommt. So argumentiert Social Media-Beraterin Eileen Brown und führt als Beispiel die aktuellen Werbemotive von Ford in Indien an, die WPP in große Schwierigkeiten brachten. Überreaktionen auf beiden Seiten, das beklagt Scott Herhold in seiner Kolumne für die San Jose Mercury News: "Die Kette der Ereignisse belegt die schlimmsten Auswirkungen des Internets - der Drang zu vorschnellen Urteilen, die unappetitlichen persönlichen Angriffe und das Bedürfnis, überführte Missetäter zu bestrafen."

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