Was schreiben Sie auf Ihre Fuck-It-Liste  für 2016?
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Nico Rose | | von Annette Mattgey

Was schreiben Sie auf Ihre Fuck-It-Liste für 2016?

Im Lauf der vergangenen Jahre sind sogenannte Bucket-Listen sehr beliebt geworden. Laut Oxford Dictionary kann eine Bucket-Liste wie folgt definiert werden: "Number of experiences or achievements that a person hopes to have or accomplish during their lifetime". Der Begriff wurde durch einen gleichnamigen, im Jahr 2007 erschienen Film mit Jack Nicholson und Morgan Freeman popularisiert ("to kick the bucket" = sterben). Am Ende des Tages ist es also eine einfache Geschichte: Menschen schreiben eine Liste all der Orte, die sie noch besuchen wollen sowie jener Dinge, die sie noch tun wollen, bevor sie sterben. Viele Menschen teilen ihre "Lebenszeit-To-Do-Listen" z.B. mit ihren Freunden auf Facebook. Mittlerweile gibt es auch eigene Internet-Communities rund um dieses Thema.

Obwohl ich als Psychologe strukturierte Zielsetzung an sich positiv sehe, gibt es doch auch Schattenseiten an diesem Trend. Zu viele Vorhaben (gleichzeitig) oder auch unrealistische Ziele können eine große Belastung für uns (und die Menschen in unserem Leben) sein. Vor diesem Hintergrund freut es mich, dass sich in der Zwischenzeit eine Art Gegentrend entwickelt hat.

Die Fuck-It-Liste

Auf diese Liste schreibt man all jene Ziele, die früher einmal auf der Bucket-Liste standen, bei denen man allerdings in der Zwischenzeit erkannt hat, dass man zu alt (oder besser: erwachsen), zu faul, oder auch einfach zu "anders" geworden ist im Vergleich zu der Zeit, als man sie auf die Bucket-Liste schrieb. In meiner eigenen Persönlichkeitsentwicklung wie auch der Erfahrung mit einigen meiner Coaching-Klienten habe ich erkannt, dass veraltete Ziele einen erheblichen Teil der motivationalen Energie einer Person absorbieren können – diese steht dann für aktuelle Aufgaben nicht zur Verfügung.

Oft empfinden Menschen es als Scheitern, wenn sie doch nicht "diesen Berg bestiegen haben" (oder was auch immer auf der Bucket-Liste stand). Aber die Wahrheit ist: wir werden älter und das Leben geht weiter. Es ist völlig normal, unterschiedliche Schwerpunkte in verschiedenen Phasen unseres Lebens zu setzen. Als ich vor rund 3 Jahre Vater wurde, veränderte dies radikal meine Prioritäten und mein internes Wertesystem. Dieser Prozess brachte es auch mit sich, eine ganze Reihe von Zielen von meiner Bucket-Liste auf die Fuck-It-Liste zu setzen.

Aber es braucht dafür nicht unbedingt ein solch einschneidendes Ereignis. Wie gesagt: manchmal schreitet das Leben einfach voran und macht Ziele obsolet. Und wenn das so ist, kann es eine befreiende Erfahrung sein, bewusst Abschied zu nehmen von einigen unserer Kindheits- oder Teenagerträume. Ich selbst träumte bis in meiner Zwanziger von einer Karriere als Profi-Sportler. Aber die Wahrheit ist: ich war nicht gut genug. Dennoch können solche Ziele in unseren Köpfen (und dunklen Ecken unseres Herzens) verweilen – was wiederum Probleme verursachen kann, in der Form von Bedauern, Enttäuschung, Ärger und vor allem: der Verschwendung von Energie, die dringend an anderer Stelle benötigt wird.

Ins Feuer

Als ich beschloss, mich von meinem Traum zu verabschieden, der nächste Boris Becker zu werden, habe ich versucht, eine möglichst wertschätzendere Form des Loslassens zu finden. Wenn etwas wirklich Bedeutendes und Wertvolles einen Menschen über viele Jahre des Lebens begleitet hat (so wie ein Kindheitstraum), rate ich dazu, bewusst Abschied zu nehmen mittels eines kleinen Rituals.

Damals schrieb ich meinen Traum von der Karriere als Profispieler auf ein Stück Papier. Dieses legte in eine kleine Metallschale. Dann setzte ich mich auf meine Veranda und ließ meine Gedanken in die Vergangenheit schweifen. Eine gute Stunde lang dachte ich an all die guten Dinge, die entstanden waren, während ich dieses Ziel verfolgt hatte: Ich erinnerte mich an die Turniere, die ich als Jugendspieler gewonnen hatte, die Freunde, die ich dort kennenlernen durfte, und auch an die unzähligen Trainingsstunden, die mich sicherlich  einiges über Fleiß und Widerstandsfähigkeit gelehrt haben – etwas, von dem ich noch heute in der Business-Welt profitiere.

Dann entzündete ich das Papier, wartete bis es zu Asche verbrannt war und verstreute diese im Abendwind.

Nico Rose ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet.Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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