Eine Gehaltserhöhung ist heute weniger wichtig als Glück und zieht daher als Motivator kaum noch.
Eine Gehaltserhöhung ist heute weniger wichtig als Glück und zieht daher als Motivator kaum noch. © Foto:Linkedin

Linkedin-Studie | | von Yvonne Göpfert

Was Mitarbeiter im Arbeitsleben antreibt

Geld und Erfolg - das war einmal ein Anreiz für Mitarbeiter. Heute zählen Glück, Zufriedenheit und Familie mehr als materielle Werte. Das ergab eine Umfrage unter 2.067 Arbeitnehmer (1.000 Männer und 1.067 Frauen) in Deutschland. Auftraggeber der Studie war das Karriere- und Netzwerk-Portal Linkedin. Ja mehr noch: Die Definition von Erfolg wandelt sich. Nur knapp ein Viertel der Befragten sehen berufliche Meilensteine als Erfolg an. Finanzielle Aspekte wie eine Gehaltserhöhung (16 Prozent) oder ein sechsstelliges Gehalt (12 Prozent) werden sogar als noch weniger wichtig bewertet. Glücklich (72 Prozent) oder gesund (71 Prozent) zu sein wird als größter Erfolg gesehen. Das Berufliche dient den meisten als Weg, um später mehr Freiheiten zu haben. So möchten 17 Prozent bis zum Jahr 2027 in den Ruhestand gehen und diesen aktiv gestalten können.

Kontinuität gefragt

Es dürfte zwei Gründe geben, warum sich die Definition von Erfolg so stark gewandelt hat. Erstens geht es den meisten Menschen in Deutschland und insbesondere dem Klientel, das auf Linkedin für die Studie befragt wurde, finanziell relativ gut. Und zweitens hinterlassen ständige Entlassungswellen und Restrukturierungen ihre Spuren. Während früher galt: Wenn du dich reinhängst, dann machst du Karriere und kriegst mehr Geld, so gilt das heute nicht mehr. Viele wirklich gute Mitarbeiter werden entlassen, weil der Shareholder-Value oder eine Reorganisation es erfordern - am besten noch im Jahresrhythmus. Das jedoch erschwert die Identifikation mit dem, was ein Mitarbeiter tut. Die Mitarbeiter sehen das, wofür sie sich engangieren, nicht mehr wachsen und gedeihen und oft genug fragen sie sich, was die jetzt schon wieder angekündigte neue Struktur, die ein Jahr nach Einführung der letzten Umstrukturierung erfolgt, diesmal für einen Sinn ergeben soll.

Das Ergebnis ist ein Rückzug auf persönliche Werte und die Familie: Für viele sind persönliche Freiräume sowie genügend Zeit für Familie und Freunde sehr wichtig“, sagt Barbara Wittmann, Direktorin für den Bereich Rekrutierungs-Lösungen und Mitglied der Geschäftsleitung Deutschland, Österreich, Schweiz. „Arbeitnehmer suchen ihren Arbeitsplatz zunehmend danach aus, wie er sich mit dem Privatleben vereinbaren lässt. Gerade bei der Entscheidung, welches Unternehmen oder welche neue Rolle interessant sind, können wir unseren Mitgliedern hilfreiche Informationen liefern. Das erleichtert, fundierte Entscheidungen zu treffen und ermöglicht es ihnen, den nächsten Schritt machen, der zu ihren Bedürfnissen passt.“

Glückliches Privatleben wichtiger als Karriere

Neben Glück und Gesundheit zählt Zufriedenheit im Bezug auf ihr Privatleben als größter Erfolg für die Befragten. Gute Freunde (55 Prozent), die Familie (48 Prozent), Reisen (44 Prozent) oder Zeit für Hobbies (41 Prozent) werden höher gewichtet als die Karriereentwicklung. Dabei unterscheiden sich die Vorstellungen von Frauen und Männern kaum. Mit 13 Prozent nennen beispielsweise genau so viele Frauen wie Männer es als Erfolg, verheiratet zu sein. Männern ist es sogar wichtiger als Frauen, in einer Beziehung zu sein (33 Prozent im Vergleich zu 27 Prozent).

Erfolg wird auch stark mit dem Erreichen persönlicher Ziele gleichgesetzt. Bei der Frage, was Erfolg in zehn Jahren bedeutet, sagen 13 Prozent der Befragten, dass sie mehr Zeit für Familie und Freunde haben möchten, während zwölf Prozent durch die Welt reisen wollen. Nur rund jeder Zehnte arbeitet auf einen besser bezahlten Job hin und nur zwei Prozent sehen als ihren großen Wunsch eine höhere Position an. Zwölf Prozent sind mit ihrem Leben so zufrieden, dass sie kein Ziel verfolgen, das sie in zehn Jahren erreichen möchten.

Familienfreundliche Arbeitszeitmodelle sind die Zukunft

Doch Sie als Unternehmen müssen nun nicht völig verzweifeln: Denn immer noch spielt der Beruf eine wichtige Rolle in den Planungen für die gesteckten Ziele. Als wichtigsten Faktor mit großem oder sehr großem Einfluss auf den Erfolg sehen 58 Prozent ihre Ausbildung. Die gewählte berufliche Laufbahn Berufsrichtung und der Wohnort finden sich mit jeweils mit 38 Prozent danach. Ebenso sind Veränderungen im Beruf das Mittel der Wahl, um die gesteckten Ziele zu erreichen. So würden die meisten (34 Prozent) einen besser bezahlten Job annehmen oder Überstunden in Kauf nehmen (20 Prozent), um im Privatleben mehr Freiheiten zu haben. Nur sechs bzw. sieben Prozent würden hingegen Zeit mit ihrer Familie oder Freunden opfern und nur acht Prozent würden in einen schlechter bezahlten Job wechseln. Machen Sie sich den Wissensdurst der Menschen zunutze: Investieren Sie in Weiterbildung. Und überlegen Sie sich neue Arbeitszeitmodelle, die Familie und Firma besser vereinbar machen. So haben Sie bessere Karten im Kampf um Talente.

Was Mitarbeiter im Arbeitsleben antreibt

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!