Ralf Junge arbeitet seit Februar 2016 für die Agentur Brandpunkt.
Ralf Junge arbeitet seit Februar 2016 für die Agentur Brandpunkt. © Foto:Ralf Junge

Ralf Junge | | von einem W&V Leserautor

Was macht eigentlich der interne Kritiker von Frank Behrendt?

Frank Behrendts "10 ernsthaften Ratschläge wie man lockerer durchs (Berufs-)Leben kommt" wurden in den Medien gefeiert, für die Crea Credentials Awards nominiert - und in der eigenen Agentur Fischer Appelt nicht ganz ernst genommen. Ralf Junge, interner Kritiker von Behrendt, schreibt auf W&V Online, wie es ihm ergangen ist, und was beim Employer Branding für Agenturen falsch läuft.

Was bisher geschah:

"Die Arbeitgebermarke kann nicht einfach von der Geschäftsleitung definiert werden"

Text: Ralf Junge

Die Arbeitsbedingungen in Kommunikationsagenturen beschäftigten das Netz in den letzten Wochen intensiv. Damit wird eine langanhaltende Diskussion über die Arbeit in Kommunikationsberufen fortgesetzt. Und das ist gut so. Denn es geht darum, Tabus aufzubrechen und die Arbeit zu zeigen, wie sie wirklich ist: abwechslungsreich, außergewöhnlich, lehrreich, intensiv, fordernd, eben keine 9-to-5-Beschäftigung, sondern manchmal auch weit über die normalen Arbeitszeiten hinaus.

Unmittelbar nach der Veröffentlichung meines Beitrags gab es einen ersten internen Austausch zum Thema und von beiden Seiten auch den Willen, das Thema weiterzuverfolgen. Dabei ist es dann aber geblieben. Die Diskussionen in den verschiedensten sozialen Netzwerken waren scheinbar zu aufreibend, weshalb man sich darauf verständigt hat, sich öffentlich nicht mehr zu dem Thema zu äußern.

Die tatsächlich folgenden Aktionen waren dann die Verkündung, dass ein Buch zu den Thesen geschrieben würde und nun die Nominierung für den Crea Credential Award in der Kategorie Employer Branding. Wobei ich mich ernsthaft frage, was darin kreativ ist bzw. inwiefern die Einstellungen eines Einzelnen, die sich mit der Realität der Mitarbeiter nicht annähernd decken, als Employer Branding aufgefasst werden können. Es klafft eine große Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit – diese 10 Thesen leisten weder einen langfristigen positiven Beitrag für das Unternehmen als Arbeitgeber noch werden sie intern gelebt.

Sie führen vielmehr zu einer vollkommen falschen externen Wahrnehmung der Arbeit in Agenturen, eine Verhöhnung der Arbeit einer ganzen Branche und nicht zuletzt auch der Kunden. Denn welcher Kunde möchte schon gern hören, dass mit seinen Budgets "Monopoly für Erwachsene" gespielt wird? Zum gleichen Thema wurde die Aktion "Don’t be part of the Working Dead" von Pink Carrots ebenfalls für den Crea Credential Award nominiert und ist für mich wirklich auszeichnungswürdig – gute Idee, gutes Konzept und gute Umsetzung.

Machen wir uns doch nichts vor. Die Arbeitsbedingungen in der Agenturlandschaft sind uns allen bekannt. Das wird sich auch vorerst nicht ändern. Wir wussten vorher, worauf wir uns einlassen. Ich habe mich auch gar nicht über diese Bedingungen beschwert. Ganz im Gegenteil: ich habe gern bei Fischer Appelt gearbeitet und viel gelernt, nicht umsonst zählen sie zu einer der besten Kommunikationsagenturen.

Das eigentlich Schlimme an den Thesen ist, dass insbesondere die großen Agenturen noch immer ein Phantasiebild unserer Arbeit kommunizieren, das von der Realität sehr weit entfernt ist. Daher sind diese Thesen für mich ein Paradigma für die vielen Fehler, die nach wie vor im Employer Branding gemacht werden. Sie zeigen, dass dieses Thema von vielen leider noch immer nicht verstanden wird. 

Employer Branding ist kein Top-Down-Prozess, die Arbeitgebermarke kann nicht einfach von der Geschäftsleitung definiert werden, das sollte aus einem kontinuierlichen Dialog mit den Mitarbeitern entstehen. Mitarbeiter mischen sich ein, sind engagiert und wollen die Arbeitsbedingungen mitgestalten, statt sie nur zu akzeptieren. Sie schaffen eigene Regeln und gestalten Prozesse mit. Dazu brauchen wir eine gesunde Diskussionskultur, um gemeinsam Wege zu finden, Lösungsmöglichkeiten zu zeigen, Ideen und Impulse zu geben. Denn das macht gelebtes Employer und Employee Branding wirklich aus.

Als Folge auf meinen Beitrag habe ich viel Zuspruch erhalten, von den eigenen Kollegen sowie auch aus anderen Agenturen. Darunter war auch das Angebot von Brandpunkt. Die Gespräche mit den beiden Geschäftsführern und den Mitarbeitern haben mich schnell überzeugt – insbesondere die dialogorientierte Arbeitsatmosphäre und die Arbeitsbedingungen. Die Entscheidung zu wechseln fiel daher nicht schwer. Und nach meinen ersten Arbeitstagen kann ich bestätigen, dass es keine leeren Versprechungen waren. Das Vertrauen in meine Erfahrungen und Fähigkeiten ist groß. Die Zusammenarbeit mit den Kunden und die Unterstützung in deren Kommunikationsarbeit stehen hier über persönlichen Befindlichkeiten oder Ego-Tripps. Brandpunkt ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass es auch anders geht. Es war also die richtige Entscheidung.

Im Februar 2016 heuerte Ralf Junge bei der Agentur Brandpunkt aus Berlin in. Dort ist er als Teamleiter tätig. 

Hier sind noch einmal Frank Behrendts Thesen, die zuerst im Magazin "Clap" erschienen:

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10 ernsthafte Ratschläge wie man lockerer durchs (Berufs-)Leben kommt

1. Mach dir jeden Morgen noch mal klar, dass wir im Job nur Monopoly für Erwachsene spielen. Egal, was wir hier machen oder nicht machen – die Welt dreht sich weiter. Deshalb sollten wir uns bei aller Ernsthaftigkeit selbst nicht zu wichtig nehmen.

2. Schaff dir Atempausen während des Arbeitstages. Audiobook im Auto hören statt rumzutelefonieren, im Flieger Bestseller auf dem Kindle lesen statt die letzte Sales-Statistik.

3. Nichts begeistert mich mehr als meine Familie. Deshalb lieber den letzten Flieger oder den Nachtzug zurück nach Hause nehmen, anstatt im Hotel zu übernachten. Das Frühstück mit denen, die wirklich wichtig sind, ist unbezahlbar und der beste Start in den neuen Tag.

4. Abendessen mit Geschäftspartnern minimieren. Es gibt abends nix zu besprechen, was man nicht auch beim Lunch erledigen kann. Statt Business-Dinner lieber ins Kino mit der Gattin, Kicker mit den Kids vorm Einschlafen spielen oder entspannt Fußball auf Sky schauen.

5. Hol dir den Happiness-Kick von früher zurück. Fast jeder hat in der Kindheit glückliche Momente erlebt. Wenn Mama die Lieblingsspielzeuge inzwischen verschenkt hat – hol sie dir auf Ebay. Das Matchboxauto von damals auf dem Schreibtisch lässt einen jede noch so langweilige Telefonkonferenz spielerisch überstehen.

6. Ruf an den eher spaßbefreiten Tagen einfach mal spontan ehemalige Lieblingskollegen an, die heute woanders sind. Das amüsante Telefonat über die besten Anekdoten von früher macht auch einen grauen Tag direkt heller.

7. Geh mal mit Leuten zum Mittagessen, die auf den ersten Blick keine Business-Relevanz haben. Der gechillte Talk mit dem Schülerpraktikanten über seine Lieblinge auf Youtube bringt oft mehr als der traditionelle Larifari-Lunch mit dem Key-Account-Manager eines Dienstleisters, der dich wieder mal zum Essen einladen möchte, um sich auszutauschen.

8. Lösch die Abwesenheitsnotiz auf deinem Mailaccount. Ich finde es stressiger, vor dem Urlaub Übergaben zu machen und nach der Rückkehr wieder alles aufzuarbeiten. Unter der Palme im Urlaub zweimal täglich Mails zu checken und die wichtigen weiterzuleiten oder kurz zu beantworten ist kein Ding, wenn man das Phone dann wieder in den Safe legt und an den Strand geht. Ab- und Umschalten kann man trainieren – und zwar im Kopf, nicht am Gerät.

9. Mein Kürzel lautet fb und nicht cc. Befrei dich vom Informationswahn. Vertrau den Mitarbeitern und lasse dich von ihnen lieber regelmäßig persönlich updaten. Das ist effizienter und gibt im Face-to-Face auch Räume für die wichtigste interne Währung: ein Lob.

10. Liebe deine Familie, deine Freunde, dich selbst und das Leben. Aber nie deinen Job.

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