Nico Rose | | von Nico Rose

Was erfolgreiche Gründer von Managern unterscheidet

Denkt man an prototypische Gründer-Typen wie Mark Zuckerberg, Steve Jobs oder den legendären Richard Branson, fällt (mindestens) eine Gemeinsamkeit auf: Sie gelten als – vorsichtig ausgedrückt – nicht gerade einfach im persönlichen Umgang. Von Zuckerberg sagt man, er starre abwesend aus dem Fenster, sobald ihn eine Sache nicht mehr zu 120 Prozent interessiert (und der Film "The Social Network" zeichnet ihn bekanntlich auch nur bedingt in einem positivem Licht). Jobs war Choleriker und bekannt dafür, regelmäßig seine engsten Mitarbeiter zur Schnecke zu machen, und Bransons Exzentrik wird vermutlich nach seinem Ableben irgendwann einmal sprichwörtlich werden.

Psychologisch betrachtet ist es jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit genau diese "milde Form des Antisozialen", die sie als Gründer hat so erfolgreich werden lassen. Persönlichkeitsforscher arbeiten bereits seit Jahrzehnten daran, herauszufinden, was erfolgreiche Gründerpersönlichkeiten ausmacht – und auch was sie von ihren Counterparts, (erfolgreichen) Managern, unterscheidet.

Was zunächst nicht weiter verwundert: Gründer zeigen im Mittel eine höhere Risikotoleranz, sprich: sie können besser mit Unsicherheit umgehen und haben außerdem eine größere Selbstwirksamkeitserwartung, d.h., sie glauben stärker als der Durchschnittsmensch (und -Manager) an ihre Fähigkeit, Herausforderungen zu meistern und Dinge zum Positiven wenden zu können. Überdies zeigt sich, dass das Unternehmerdasein einem ein Stück weit in die Wiege gelegt wird: viele Gründer und Selbständige geben bereits im Alter von 16 an, einen solchen Weg einschlagen zu wollen. Außerdem sind ihre Eltern überproportional häufig selbst Unternehmer – oder zumindest "gut situiert".

Ebenfalls aufschlussreich ist das Big 5-Modell der Persönlichkeit. Dieses versucht, alle möglichen menschlichen Eigenschaften auf fünf unterliegende Dimensionen "einzudampfen", konkret: Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Verträglichkeit, und Gewissenhaftigkeit (für detaillierte Beschreibungen bitte den Links folgen). Was sich in einer Meta-Analysen (Studie, die andere Studien zusammenfasst und deren Ergebnisse vereinheitlicht) zeigt, ist Folgendes:

Entrepreneure zeigen im Mittel mehr Gewissenhaftigkeit und Offenheit für Erfahrungen, sowie weniger Neurotizismus. Gerade der letztgenannte Punkt erklärt ein Stück weit deren höhere Neigung, Risiken einzugehen: Menschen mit niedrigen Werten für Neurotizismus sind im Allgemeinen angstfreier und stressresistenter als Ottonormalverbraucher. Was sie aber am deutlichsten von „Normalos“ und auch erfolgreichen Managern unterscheidet, sind spürbar niedrigere Werte auf der Dimension Verträglichkeit.

Die Botschaft ist hier: je weniger diese Dimension bei einem Menschen ausgeprägt ist, desto eher ist er oder sie bereit zu sagen: „Es interessiert mich einen Sch…, was andere denken!“ Es geht um Eigensinnigkeit, Non-Konformität, ums Gegen-den-Strom-Schwimmen. Ist diese Eigenschaft allerdings überdeutlich ausgeprägt, wird es auch wieder kritisch. Jene Entrepreneure, die besonders erfolgreiche Unternehmen gegründet haben, wissen zumeist (intuitiv) um diese potenzielle Schwäche – und holen sich früh erfahrene Manager an Bord, die das Unternehmen leiten (z.B. Eric Schmidt bei Google und Sheryl Sandberg bei Facebook), während die Gründer sich weiter der Entwicklung widmen – oder schon lange dabei sind, das nächste Start-Up aufzubauen.  

Einige Forscher postulieren, dass es hilfreich wäre, wenn Venture Capital-Geber Persönlichkeitstests einsetzen würden, um zu entscheiden, welchem Gründer sie am Ende des Tages ihr Risikokapital anvertrauen sollten. Ich bezweifle, dass es in der Praxis jemals so weit kommen wird – aber wenn Sie schon mal vorbereitet sein möchten, können Sie hier kostenlos ihr Big 5-Profil erstellen lassen.

Nico Rose (zu finden auch via Twitter und Facebook) ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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