Interview | | von Annette Mattgey

Was eine erfolgreiche Karriere-Website ausmacht

Jede Seite sollte als Einstiegsseite konzipiert sein, ist einer der Tipps des Social Media-Experten Simon Zicholl, der für die Personalmarketing-Agentur Westpress arbeitet. Im Interview mit LEAD digital erklärt er, worauf es bei der Gestaltung von Karriere-Webseiten ankommt. 

Herr Zicholl, warum bezeichnen Sie die Karriere-Seite als "Informations-Hub für das Recruiting"?

Weil ich dazu rate, sie wie einen Newsroom zu gestalten, der Kanäle zusammenführt. Digitale Inhalte gibt es wie Sand am Meer. Die Karriere-Website als Mittelpunkt aller Personalmarketing-Aktivitäten kann Content und Diskussionen aus Social Media aggregieren. Vom ersten Kennenlernen eines Unternehmens bis hin zum Absenden der Bewerbung kommen annähernd 100 Prozent der Bewerber mindestens einmal mit der Karriere-Website in Berührung. Letztlich führen doch alle Wege dorthin.

Welcher ist eigentlich der erste Schritt, wenn ein Unternehmen seine Karriere-Seite neu gestalten will?

Wer seine Karriere-Website optimieren oder gar neu entwickeln möchte, muss zunächst wissen, welche Wege der Nutzer geht und mit welchen Erwartungen und Bedürfnissen dieser an das Unternehmen herantritt. Woher kommt er, wie bewegt er sich auf der Seite? Analyse-Werkzeuge wie Piwik oder Google-Webmaster-Tools bieten Informationen zu Suchanfragen, Aufenthaltsdauer, Absprungraten und zu Bewegungsmustern.

Dabei müssen Sie allerdings den Datenschutz im Blick behalten. Wer sich mit dem Tracking-Thema befasst, muss sich mit der Rechtssituation auseinandersetzen und je nach Wahl des Tools Vorkehrungen treffen, die dessen Einsatz legitimieren. Ein Muss sind Hinweise: zum Beispiel im Impressum oder unter einer Rubrik Datenschutz. Zudem muss der Nutzer beides problemlos deaktivieren können, etwa über Browser-Erweiterungen.

Dabei wird man feststellen, dass die mobile Nutzung der Seite steigt – was bedeutet das für die Gestaltung?

Machen Sie Ihre Karriere-Website reaktionsfähig oder bieten Sie zumindest eine eigene Version für mobile Endgeräte. Die mobile Optimierung Ihrer Karriere-Website ist mittelfristig unabdingbar – z. B. mittels eines reaktionsfähigen Designs. Neben der Nutzerfreundlichkeit gegenüber dem potenziellen Bewerber wertet derweilen auch Google Ihre Website in den mobilen Suchergebnissen herab, sollte sie nicht mobil optimiert sein. Der Ansatz „Mobile First“ sieht sogar die mobilen Endgeräte als Ausgangspunkt für alle weiteren konzeptionellen Planungen einer Internet-Seite.

Was empfehlen Sie für den Aufbau und die Navigation?

Ansprechende Karriere-Seiten wie etwa die der Techniker Krankenkasse, der Deutschen Bahn  oder der Rücker GmbH bieten dem Besucher neben einer optisch ansprechenden Aufmachung eine einfache Navigation: Idealerweise findet er die relevanten Stichworte schon auf der Einstiegsseite. Die Navigation einer Website sollte auf den ersten Blick sichtbar und verständlich sein.

Das bedeutet: Die Hauptnavigation ist beim Aufruf einer jeden Seite gänzlich sichtbar. Das hängt natürlich vom Layout ab, aber üblicherweise werden Navigationsleisten horizontal im oberen Drittel der Seite angeordnet. Sie erleichtern dem Nutzer jedenfalls die Orientierung, wenn Sie diesen Bereich nicht überfrachten oder räumlich eng gestalten, sondern um Elemente wie Logos oder die Navigationsleiste selber Freiraum lassen. Die Anlage der Navigation ist sicherlich oft die größte Herausforderung. Hier gilt die Faustregel: nicht mehr als sieben Navigationspunkte. Zudem sollte der Besucher spätestens beim dritten Klick bei der gewünschten Information angelangt sein.

Warum sollte die Navigation flach bleiben? Eigentlich könnte man gerade online beliebig in die Tiefe gehen.

Bei ausgeprägter Navigations-Tiefe mit mehr als drei Ebenen droht die Gefahr, dass der User am Endpunkt in einer Sackgasse steckt, aus der er nur noch über den „Back“-Button des Browsers herausfindet – nicht sehr benutzerfreundlich. Die bessere Lösung besteht darin, die inhaltliche Struktur flach zu halten und innerhalb einer Seite themenbezogene Querverweise zu setzen: zum Beispiel durch Infokästen.

Früher galten die inhaltliche Tiefe und der nahezu unbeschränkte Platz als Stärken des Internets. Müssen wir uns davon wieder verabschieden?

Ja und nein. Die Devise lautet: Reduzieren Sie die Website auf das Wesentliche – sowohl aus gestalterischen als auch aus inhaltlichen Gesichtspunkten. Denken Sie daran, dass sie auf dem kleinen Smartphone-Screen genauso funktionieren muss wie auf dem großen Bildschirm eines Desktops. Inhalte und Funktionen sollten dabei in allen Versionen weitgehend identisch sein.

Unabdingbar ist die Möglichkeit zum Abruf der allgemeinen Arbeitgeberinformationen, der Karrierewege – Schüler, Studenten, Absolventen, Professionals etc. – sowie der Jobangebote. Bei dem letztgenannten Bereich ergeben sich in der Umsetzung häufig Schwierigkeiten, da Schnittstellen zu anderen Systemen – etwa Bewerbermanagementsystemen – oftmals Probleme in Darstellung und Bedienung verursachen.

Sind heute nicht generell viel mehr interaktive Elemente auf einer Website gefragt?

Genau. Bieten Sie Besuchern nicht nur Texte, Bilder und Videos, sondern lassen Sie sie Ihre Möglichkeiten erkunden. Entwickeln Sie entsprechende Anwendungen: Der Zentralverband des Deutschen Handwerks hat zum Beispiel auf seiner Seite einen Berufe-Checker. Bei der Allianz gibt es einen  Job-Matcher oder Infografiken als weiteres Content-Format. Und auch die Bahn bietet einen Profiler, mit dem die Besucher checken können, welcher Job zu ihnen passt. All das sorgt für Abwechslung auf einer Seite und erhöht die Attraktivität und die Interaktion.

Welche Konsequenzen hat die Verknüpfung mit Social Media für die Gestaltung des Internet-Auftritts?

Das hat gravierende Folgen, weil aus Social Media heraus häufig direkt auf die gewünschte Zielseite verlinkt wird. Gestalten Sie also jede einzelne Seite Ihres Karrierebereichs als potenzielle Einstiegsseite, auf der der Nutzer schnellstmöglich Orientierung findet. Das gilt aber nicht erst seit Social Media. Dieser Trend zeichnet sich ab, seit die Relevanz der Suchmaschinen steigt. Die Homepage, also die Startseite des Web-Auftritts, verliert zunehmend an Bedeutung.

Wie sollen Unternehmen mit Social-Media-Plug-ins umgehen, mit denen man eine Seite oder einen Artikel direkt in Facebook, Twitter & Co. weiterempfehlen kann?

Implementieren Sie soziale Komponenten – aber nicht wahllos. Die Einbindung von Social-Media-Elementen – z. B. Facebook-Plug-ins – sollte abhängig vom Inhalt und Kontext der jeweiligen Seite erfolgen. Dabei sollten Sie hinterfragen, auf welcher Seite es für einen Bewerber Sinn macht, bestimmte Inhalte teilen zu können, also zum Beispiel auf einem Azubi-Blog, einem Unternehmens-Video oder Stellenangeboten.

Simon Zicholl ist Specialist Social Media bei Westpress. Die Agentur für Personalmarketing mit Sitz in Hamm (Nordrhein-Westfalen) deckt Dienstleistungen von Employer Branding über Anzeigen in Print und Online bis hin zu Social Media und Personalberatung ab. Zicholl gründete bereits während seiner Schulzeit eine eigenen Firma und arbeitete als Web-Entwickler. Nach dem Studium der Medienwirtschaft stieg er bei Westpress ein und berät Kunden in allen Fragen rund um die Karriere-Website oder den Social-Media-Auftritt. Zicholl ist u. a. Mitglied der Jury für den Award Social Media Personalmarketing Innovator.

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