Was Angelique Kerber und Menderes Bağcı mit Ihrer Karriere zu tun haben
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Nico Rose | | von Nico Rose

Was Angelique Kerber und Menderes Bağcı mit Ihrer Karriere zu tun haben

Gütiger Social Media-Gott, bitte verschone mich!

Ich bin allerdings ziemlich sicher, dass mein Stoßgebet nicht erhört werden wird. In den nächsten Tagen werden wir alle überrollt werden von halbgaren Schreibergüssen mit Titeln à la:

Was wir | Führungskräfte | Unternehmen | <ergänze beliebig sinnlos> von

  • Angelique Kerber;
  • der deutschen Handball-Nationalmannschaft;
  • …;
  • Menderes Bağcı

lernen können.

Es gehört zu den recht charakterschwachen Ritualen der niederen Blogosphäre, dass (i.d.R.) selbsternannte Managementgurus, Erfolgscoaches und sonstige Top-Experten gewillt sind, die absolut außergewöhnlichen Leistungen anderer Menschen (das trifft in gewisser Weise sogar auf Menderes zu, der sich als einer der wenigen bei #IBES 2016 nicht zum Horst gemacht hat…) für ihre eigene Publicity zu (be-)nutzen.

Dadurch entstehen nach meiner – zugegeben nicht 100% erschöpfenden – Recherche die immer gleichen, wenig hilfreichen Rat-Schläge-Listen über Fokussierung, Vision, Teamgeist, Motivation, Durchhaltevermögen und ähnliche Binsenweisheiten. Zwar sind die Erkenntnisse zumeist nicht grundlegend verkehrt. Doch implizit wird suggeriert,

a)      es bestünde eine besondere Nähe und entsprechender Zugang zu den Leistungsträgern;

b)      es hätte so etwas wie eine eingehende Analyse stattgefunden;

c)       man könne diese einzigartigen Erfolge einfach benchmarken und somit in kurzer Zeit ähnliche Ergebnisse erzielen – und das auch noch in völlig anderen Kontexten.

Die Verfasser dieser Beiträge vergessen leider vollkommen, dass solche extraordinären Leistungen (Ok, ab hier ist Menderes dann doch raus…) aus einer besonderen Melange von:

  1. außergewöhnlichem Talent;
  2. vielen tausend Stunden an Training/Vorbereitung/Entbehrungen;
  3. und einer einzigartigen Teamkonstellation (auch hinter Einzelkämpfern wie Tennisspielern)

erwachsen.

Da darf man sich mitfreuen. Das darf man auch bewundern und sollte man würdigen. Und das muss man einfach mal so für sich stehenlassen können, ohne es zu trivialisieren und unwürdig Profit daraus ziehen zu wollen.

Meinen allerherzlichsten Glückwunsch an Angelique Kerber, das Handball-Nationalteam – und von mir aus auch an Menderes!

Nico Rose ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet.Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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