Annette Mattgey, Online-Redakteurin bei LEAD digital und W&V.
Annette Mattgey, Online-Redakteurin bei LEAD digital und W&V. © Foto:Th. Dashuber

Kommentar | | von Annette Mattgey

Warum das IT-Desaster der Arbeitsagentur auch sein Gutes hat

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) gestand gestern ein, dass sie ein IT-Projekt, in das schon jahrelange Arbeit und 60 Mio. Euro flossen, mangels Erfolg auf Eis legen wird. Häme und Schadenfreude liegen nahe, aber lässt sich aus der Panne nicht auch etwas lernen?

4 Vorschläge

1. Schadenfreude ist fehl am Platz

Jedem ist es schon mal passiert, dass er sich bei einem Kauf verspekuliert hat, dass sich eine angeblich leicht zu reinigende Küchenmaschine doch als äußerst widerspenstig erweist. Von Klamotten in falschen Farben und zu engen Schuhen mal ganz abgesehen. Auch in Firmen passieren Fehlplanungen zuhauf - erst recht, wenn zwsichen Planung, Anschaffung und Nutzung relativ lange Zeiträume vergehen. Die Bedürfnisse von Mitarbeitern und Kunden ändern sich. Dadurch werden ursprünglich sinnvolle Lösungen nach einiger Zeit unpraktisch und erfüllen nicht mehr den angestrebten Zweck.

Nicht zuletzt hängen Projekte auch von einzelnen Entscheidungsträgern ab. Verlässt ein Abteilungsleiter das Unternehmen, ändern sich mitunter auch die Präferenzen - und dann ist Microsoft (oder SAP ...) gar nicht mehr so "böse". Andere Anbieter werden nun wieder offener betrachtet.

2. Fehlerkultur üben

Die Bundesagentur für Arbeit ist eines der seltenen Beispiele, wie man mit Fehlern offen umgeht. Die Behörde hätte auch die Fehlplanung unter den Teppich kehren können. Dann wären nur Insider dem Millionengrab auf die Schliche gekommen, nachdem sie sich intensiv mit dem Zahlenwerk beschäftigt hätten.

BA-Chef Frank Weise hat sich anders entschieden. Er gesteht damit ein, dass er mit diesem IT-Projekt in die Sackgasse geraten ist. Es ist kein Fehler, zuzugeben, dass man ab und zu auch mal seinen eingeschlagenen Weg wieder verlassen muss - bevor das gesamte Unternehmen ins Rutschen gerät.

3. Perfektion ist nicht das Ziel

Für deutsche Ohren mag sich das ungewohnt anhören, ich bin aber überzeugt: Meiden Sie Perfektion. Das IT-Projekt der Bundesagentur ist nicht zuletzt daran gescheitert, dass es zu viele Funktionen auf einmal erledigen sollte. Kalkulieren Sie realistisch. Setzen Sie sich mit den IT-Lösungen, die es auf dem Markt gibt, auseinander und prüfen Sie, welche Bausteine Sie brauchen, welche nicht und welche eventuell in Zukunft. 

Versuchen Sie lieber eine Lösung in modularer Bauweise, die sich leicht verändern lässt, anstatt ein allzu komplexes Gebilde, das alle Mitarbeiter überfordert, die nicht gerade Computerspezialisten sind.

4. Agilität geht vor

Die Ingenieursdenke vieler Planer führt dazu, lieber bis zum Sankt Nimmerleinstag an Lösungen herumzubasteln, die dann schon bei der Einführung veraltet sind. Möglicherweise hat sich der Markt gewandelt und damit die Bedürfnisse, welche Daten benötigt werden und wie man mit ihnen umgeht.

Deswegen ist es richtig, lieber schneller in einer Beta-Version zu starten und diese dann zu optimieren. Inzwischen gibt es mit Methoden wie Scrum ein Instrument, um verschiedene Rollen und Beteiligte einzubinden und das Ergebnis durch Feedbackschleifen immer wieder anzupassen.

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