Teil dieser Agilität ist auch, Mitarbeiter positiv in ihrer Selbständigkeit zu bestärken, sagt Paolo Anania.
Teil dieser Agilität ist auch, Mitarbeiter positiv in ihrer Selbständigkeit zu bestärken, sagt Paolo Anania. © Foto:Granpasso

Digitale Transformation | | von Paolo Anania

VOPA+: Warum dieses Prinzip so wichtig für Unternehmen ist

Im Zuge der Digitalen Transformation sind Begriffe wie "agiles Projektmanagement", "Lean Startup" und andere neuartige Methoden und Vorgehensweisen in aller Munde. Kein Wunder: Die Digitalisierung erfordert in vielen Bereichen von Führung und Organisation ein Umdenken, erst recht in Zeiten tendenziell knapper werdender Humanressourcen. Klassische Linienorganisationen etwa versagen schnell an der interdisziplinär-disruptiven Dynamik der Digitalisierung, wenn sich Unternehmens- und Führungskultur in einigen zentralen Punkten nicht nachhaltig wandeln.

Ein prägnantes Beispiel dafür ist das VUCA-Prinzip – ein Akronym, das sich aus den Begriffen Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity zusammensetzt. Eigentlich ein Begriff aus Militärkreisen, eignet sich VUCA, um die vorgenannte Dynamik der Digitalisierung zu illustrieren. Wer in der Managementliteratur nachliest, stellt fest, dass die VUCA-Kräfte bisher eher einzeln zu betrachten waren. Für viele Unternehmen der Digital Economy – also perspektivisch die meisten – wirken allerdings schon heute nicht selten mehrere, wenn nicht alle vier Kräfte gleichzeitig.

Was heißt das konkret?

 

  • Volatility: Steigende Churn-Raten (Kundenabsprungsrate) sind vielerorts eine große Herausforderung. Neue Wettbewerber aus vorgelagerten Wertschöpfungsstufen oder anderen Branchen erscheinen unerwartet auf der Bildfläche. Entsprechend erfolgskritisch ist es, Antworten zu finden auf die Frage, wer morgen noch Kunde sein wird und mit welchem disruptiven Wettbewerber man sich demnächst wird messen müssen. Das steigert den Innovationsdruck in vielen Unternehmen.
  • Uncertainty: In Zeiten von Big Data & Co. klingt es wie ein Widerspruch, aber Tatsache ist, dass viele Marken erleben, wie Marktumfelder immer schwieriger zu verstehen sind. Ob zu wenig oder zu viele Daten, die man nicht richtig versteht: beides mündet schnell in eine gefühlte oder tatsächliche Unfähigkeit, langfristige Planungen und Strategien aufzustellen. Deshalb agieren Unternehmen immer taktischer, setzen sich selbst unter immer kurzfristigeren Erfolgsdruck. Das gleiche Prinzip gilt auch für Talente und Skills im Allgemeinen: Das Wissen steigt exponentiell an – wodurch lebenslanges Lernen (oder negativ formuliert "lebenslanges Hinterherrennen") unumgängliche Pflicht geworden ist.
  • Complexity: Im Kontext der beiden vorgenannten Begriffe eigentlich selbsterklärend: Unternehmer sein heißt heutzutage gewissermaßen ubiquitär zu sein. "Trial and Error" sind angesichts unserer hochdifferenzierten Wirtschaft und Gesellschaft oft der einzige Weg, sich anzupassen und erfolgreich zu bleiben. Das erfordert eine unglaubliche Agilität von Menschen und Prozessen. Weshalb die Personalabteilungen (oft vergebens) nach Generalisten suchen die bereit sind, ihre Komfortzone immer wieder mal zu verlassen und sich auf neues einzulassen.
  • Ambiguity: Wie beim Aspekt der "Uncertainty" führt das steigende Wissen und die wachsende Datenflut paradoxerweise nicht selten zu einer Verschlechterung der Fähigkeit, Situationen einzuschätzen und klare Ursache-Wirkungszusammenhänge zu erkennen. Entsprechend schwierig wird es, fundierte und richtige Entscheidungen zu treffen und sich nicht zu verzetteln.

Der Digital-Experte Dr. Willms Buhse hat – gewissermaßen als Lösungsansatz für den Umgang mit den VUCA-Kräften, das VOPA+-Modell entwickelt. Wieder ein Akronym, das sich aus den Begriffen Vernetzung, Offenheit, Partizipation, Agilität plus Vertrauen zusammensetzt.

Dieser agile Führungsansatz beschreibt, inwiefern sich Unternehmens- und Führungskultur wandeln müssen: Und zwar zusammengefasst gesagt im Sinne einer verstärkten Offenheit und Vernetzung von Kanälen, Ressourcen und Zuständigkeiten. Letztere müssen umso klarer definiert sein – aber eben auch offen werden für eine verstärkte Partizipation. Notwendige Bedingung dafür ist die konsequente Weitergabe von Wissen. Das bewirkt im Ergebnis echte Agilität (statt der Planlosigkeit einfach nur ein anderes Etikett zu geben).

Teil dieser Agilität ist auch, Mitarbeiter positiv in ihrer Selbständigkeit zu bestärken – inklusive mit einer erhöhten Entscheidungsfreiheit und verbunden mit einer toleranteren Fehlerkultur. Im Kern basiert VOPA+ also auf:

  • transparenter Kommunikation
  • konsequentem Wissenstransfer
  • interdisziplinärer Kollaboration von Teams
  • verstärktem autonomem Arbeiten
  • gestärkter Eigenverantwortung
  • einer klaren Definition von Zwischenzielen
  • einer Fokussierung auf diese Ziele (und nicht auf Aspekte wie Anwesenheit und Arbeitszeit)

Wenn es gelingt, dies im Unternehmen zu etablieren, wird das Selbstvertrauen aller Beteiligten gestärkt und Führung bekommt eine neue Perspektive. Dadurch verschwinden die VUCA-Fliehkräfte nicht. Aber man kann der Dynamik der digitalen Transformation besser gerüstet und selbstbewusst gegenüber treten.

Paolo Anania, Chef der Digitalagentur und Strategieberatung Granpasso, ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite. 

VOPA+: Warum dieses Prinzip so wichtig für Unternehmen ist

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!