Michael Kesting ist Senior Partner bei der Management-Beratung.
Michael Kesting ist Senior Partner bei der Management-Beratung. © Foto:Korn Ferry

Studie zur Mitarbeiterkommunikation | | von Anja Janotta

Unternehmenskultur: Warum gute Chefs viel reden müssen

Unternehmenskultur ist wichtig. Darüber sind sich nahezu alle Führungskräfte einig. Aber dass sie auch ein entscheidender Faktor für die Leistungsfähigkeit des Unternehmens ist - das ist noch nicht überall angekommen. Leistungsvereinbarungen zur Unternehmenskultur mussten bislang nur 16 Prozent der Chefs unterschreiben. Das zeigt die aktuelle Studie "Real World Leadership" der Management-Beratung Korn Ferry. 41 Prozent geben dabei an, dass die tragenden Elemente einer guten Unternehmenskultur zu einer angemessen Arbeitsatmosphäre und kollegialem Miteinander führen. "Unternehmenskultur als reinen Feelgood-Faktor zu begreifen ist der falsche Ansatz", sagt Mathias Kesting, Senior Partner bei Korn Ferry. "Dies darf jedoch kein Selbstzweck sein, wenn Kultur bei Top-Management, Aufsichtsgremien und Eigentümer nicht unter 'ferner liefen' behandelt werden soll." Schließlich trage eine gute Arbeitsatmosphäre erheblich zu einer größeren Leistungs- und Innovationsfähigkeit des gesamten Unternehmens bei. "Sonst wird ihr Potenzial verschenkt."

In der Studie haben 72 Prozent der Befragten bestätigt, dass Kultur "sehr wichtig für die Unternehmensperformance" ist. In der Praxis allerdings ist das Stimmungsbild viel skeptischer: Weniger als ein Drittel (32 Prozent) ist der Meinung, dass ihre Unternehmenskultur auch zur aktuellen Geschäftsstrategie passt. Kesting sagt dazu: "Am Ende wissen Unternehmen, dass sie irgendwie wichtig ist. Aber nicht, wie sie diese in eine Richtung entwickeln, die ihre geschäftlichen Ergebnisse unmittelbar positiv beeinflusst."

Dabei wissen die Chefs theoretisch, wie es besser ginge: 29 Prozent der Studienteilnehmer haben angegeben, dass in ihrem Unternehmen die Kultur vor allem durch Kommunikation verbessert wird. Praktisch aber bilden weniger als ein Viertel (23 Prozent) ihre Führungskräfte dazu gezielt weiter. "Kommunikation ist ein elementarer Bestandteil jeder Kultur. Häufig verwechseln Unternehmen Kultur aber auch mit der Entwicklung einer PR- und Kommunikationsstrategie. Doch darum geht es nicht. Kultur beginnt im Top-Management und zieht sich durch alle Hierarchieebenen bis hin zu den Sachbearbeitern durch." Die Chefs müssten eine Kultur vorleben. "Ein kommunikatives Polieren der Fassade reicht nicht aus."

Es gibt noch erheblichen Verbesserungsbedarf: Nur 35 Prozent denken, dass ihre Mitarbeiter die Unternehmenskultur auch Dritten erklären und weitertragen können. Da aber 75 Prozent der befragten Firmenlenker sich nicht vollständig mit ihrer Unternehmenskultur identifizieren, sind sie in ihrer Ambivalenz wohl ebenfalls schlechte Botschafter. Außerdem schätzen sie einen Aspekt offenbar falsch ein:  Unternehmen funktionieren zwar hierarchisch, aber bei der Unternehmenskultur dreht sich die Wirkung um:  "Es ist wichtig, dass Führungskräfte und Mitarbeiter gemeinsam eine Kultur entwickeln, die wirklich zu ihnen genauso wie zu ihren geschäftlichen Zielen passt," betont Kesting. Wenn eine Kultur auf der unteren Ebene nicht akzeptiert werde, finde sie nicht statt. "Und führt eher dazu, dass Unternehmen weniger leistungsfähig sind als zuvor."

Für die Studie "Real World Leadership" wurden 7.500 Führungskräfte in 107 Ländern befragt. 26 Prozent davon waren Vorstände, 31 Prozent Executive/Senior/Vice President, 27 Prozent Direktoren und 16 Prozent in der nachgelagerten Ebene.

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