Lenz: "Xing ist nicht ausschlaggebend für einen neuen Job"
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Replik | | von Annette Mattgey

Lenz: "Xing ist nicht ausschlaggebend für einen neuen Job"

Digitales Netzwerken ohne Pause oder gezieltes Connecten? Für Johannes Lenz, Corporate Blogger bei AKOM360, ist "Leidenschaft" der Schlüssel zum beruflichen Weiterkommen. Dann geht es auch ganz ohne Xing. Damit hebt sich Lenz von Karriere-Coach Simone Janson ab, die zumindest für bestimmte Zielgruppen Xing als Pflichveranstaltung sieht.  

Sie sind ein Beispiel, wie man auch ohne Xing zum neuen Job gelangen kann. Wie kam es?

Der primäre Grund war, dass ich über mein Hobby zum Beruf gekommen bin. In der Zeit nach meinem Praktikum bei BMW und dem anschließenden Volontariat habe ich viel gebloggt, getwittert usw. Ich wollte tiefer in den Bereich Social Media eintauchen und meine Erfahrungen teilen und weitergeben. Ich habe mitunter Nächte vor dem Rechner zugebracht. Schließlich wurde man auf mich aufmerksam und wenig später ging es nach Düsseldorf zu GREY. Meinen heutigen Job bei AKOM360 habe ich diesen Zeiten zu verdanken, in welchen ich Social Media aufbauen und gestalten konnte, wofür ich sehr dankbar bin. Hinzu kommt meiner Ansicht noch etwas: Neugierde auf Menschen und Technologie. Das alles zusammengenommen kann ich heute realisieren. Ich kann mich weiterentwickeln, meine Erfahrungen teilen und das tun, was mir am meisten Spaß macht: Social Media leben!#

Insgesamt hat das alles wenig mit Xing zu tun. Ich habe mich über meine Leidenschaft vorangebracht. Sicherlich habe ich ein Profil bei Xing, aber es war und ist in Sachen Jobs nicht ausschlaggebend. Entscheidend für mich waren das Bloggen, Twitter, Facebook und der persönliche Kontakt dort wie auf Veranstaltungen.

Persönliche Kontakte sind sicher die größte Hilfe bei der Karriereplanung. Langt dazu heutzutage ein Xing-Profil oder wo sollte man sich noch präsentieren?

Das meinte ich ja eben. In meinem Fall wäre es wahrscheinlich fatal gewesen. Wenn ich mich heute mit Kollegen, Bloggern und Social Medians darüber unterhalte, dann sagen sie in der Regel unisono: Xing ist ihr Adressbuch. Mehr nicht. Und immer mehr gehen dazu über, ihre Premium Accounts zu löschen, sich aktiver bei Linkedin einzubringen, mit dem man ja funktional weit mehr anstellen kann, ob als Unternehmen oder als Jobsuchender.

Ich kann nur für mich und meine Erfahrungen sprechen. Der Bereich Social Media war 2009/2010 ein anderer als heute. Auch was den Berufseinstieg anging. An immer mehr Stellen in Unternehmen und Agenturen ist es selbstverständlich, Social Media einzusetzen. Heute geht es dabei eher um Fragen, wie das Content Marketing zu realisieren ist oder die Verarbeitung bzw. Veredelung von größeren Mengen von Daten möglich wird. Es geht nicht um das Warum, sondern um das Wie. Wer hier überzeugen kann, etwa durch Querschnittsfähigkeiten aus digitalem Marketing und Programmierung/Entwicklung, hat gute Chance auf einen Job. Es gibt da noch mehr Bereiche. Aber zuvorderst kommt es darauf an, Berufserfahrung zu sammeln. Und da sukzessive mehr in Social Media investiert wird, bieten sich auch mehr Jobs.

Viele Jobs werden inzwischen auf Linkedin,Twitter oder Facebook geshared. Auf der anderen Seite schreiben immer mehr Jobsuchende ihre Bewerbung gleich ins eigene Blog und distributieren sie im Social Web via Facebook, Twitter & Co. Das ist schon richtig gutes Eigenmarketing. Beide Seiten, sowohl Unternehmen als auch Bewerber emanzipieren sich in Sachen Social Media, so mein Eindruck. Aber: Vieles läuft eben auch via Empfehlung, informelle Netzwerke und natürlich: Über persönliche Gespräche auf Veranstaltungen!

Wie stehen Sie zu der Aufforderung, zwei Profile zu unterhalten (beruflich/privat)?

Mich findest Du im Netz unter meinem Klarnamen. Ich versuche, so transparent, persönlich und verantwortungsvoll wie möglich im Social Web zu leben. Du wirst keinen anonymen Kommentar von mir finden. Und ich mache das, weil ich zu dem was ich tue, stehe. Egal in welcher Situation, egal bei welchem Kommentar. Ein solches Verhalten ist aus verschiedenen Gründen nicht jedermanns Sache. Andere haben Pseudonyme oder sind anonym unterwegs, um ihre Privatsphäre zu schützen. Jeder wie er es mag.

Die Frage nach zwei Profilen stellt sich beruflich durchaus etwa dann, wenn man beispielsweise im Community Management tätig ist für diverse Kunden Facebook-Seiten pflegt. Sollen die alle mit dem privaten Profil gepflegt werden? Was wenn das Smartphone abhanden kommt? Das sind Fragen, denen Arbeitgeber begegnen müssen, wenn sie Kunden in Sachen Social Media beraten wollen. Denn diese, so unsere langjährige Erfahrung bei AKOM360, wo wir großen Wert auf das Thema Datenschutz legen, müssen gewährleisten können, das die Daten ihrer Kunden sicher sind.

Ticken digitale Arbeitnehmer und Arbeitgeber nicht anders als andere Branchen? Welche Tipps sind denn auch für Buchhalter, Beamte, Bauingenieure brauchbar ?

Sicherlich ticken wir alle im Digitalbereich ein wenig anders, speziell deswegen, weil wir uns tagtäglich mit dem Social Web, Ideen, Konzepten und Umsetzungen auf den diversen Plattformen befassen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass heutige Berufseinsteiger mit dem Netz groß werden. Und da nehme ich künftige Buchhalter, Beamte oder Bauingenieure nicht aus. Allerdings und da gebe ich Simone Janson recht, hängt es auch immer von der Branche ab. Während meines Volontariats war ich bei einigen Workshops für Ingenieure dabei. Wenn da eine Handvoll Xing kannten, war das schon richtig gut.

Will heißen: Andere Branchen, andere Anforderungen für Jobsuchende. Schließlich muss man wissen, dass Social Media zwar immer mehr in die Gesellschaft wirkt, aber um sich etwa um eine Stelle als Beamter zu bewerben, wird oftmals sogleich eine richtige (Online-) Bewerbung gefordert. Da gibt es selten bis keine Vorgespräche auf Facebook und da wird auch (noch) nicht getwittert. Das ist mein persönlicher Eindruck, der nicht stimmen muss. Aber ich glaube daran, dass sich dies in Zukunft ändern wird. In dem Maße, wie sich Social Media immer mehr gesellschaftliche Relevanz erarbeitet, eben durch das, was es zu leisten vermag, so werden sich auch branchenübergreifend Bewerbungsprozesse verändern und digitalisieren.     

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