LEAD-digital-Autorin Britta Heer ist Chief Digital Officer von Achtung in Hamburg.
LEAD-digital-Autorin Britta Heer ist Chief Digital Officer von Achtung in Hamburg. © Foto:Achtung

Britta Heer | | von Britta Heer

Leadership 4.0: Transformation zur besseren Führung

Hat noch jemand Vorgesetzte, die nicht motivieren, kein Feedback geben, kaum Wertschätzung zeigen? Die gute Nachricht ist: Sie werden nicht mehr lange so weitermachen können! Sie haben ihr Verfallsdatum schon bald erreicht, findet Achtung-Geschäftsführerin Britta Heer*.

Der Wind weht jetzt anders

Ein miserabler Führungsstil galt mal als Kavaliersdelikt. Das waren jene Zeiten, in denen Chefs ohne Führungstalent toleriert wurden. So lange ist das noch gar nicht her, und es ist manchmal noch zu beobachten: Fachlich herausragende Experten sind befördert worden, ohne dass sie sich jemals Gedanken über ihr Führungsverhalten machen mussten.  Das hat lange funktioniert, weil das Prinzip "Gute Führung" keine Lobby hatte. Solange ein führungsschwacher Abteilungs-, Bereichs- oder Geschäftsleiter nur seine KPIs erzielte, wurde darüber hinweggesehen, dass er seine Mitarbeiter sprichwörtlich mit Füßen trat. Das waren die Zeiten, in denen Geschäftsführer mit Computermäusen nach Mitarbeitern werfen konnten und es eher als Anekdote die Runde machte, denn als Fehlverhalten geahndet wurde. Es war ja auch so einfach. Aus Angst, den Job zu verlieren, ließen Mitarbeiter fast alles über sich ergehen, ohne aufzumucken. Als Angestellter fühlte man sich extrem abhängig vom Arbeitgeber. Heute ist es zumeist genau umgekehrt: Das Unternehmen ist vom Mitarbeiter abhängig.

Lieber Community als Firma

Selbst Manager mit einem bislang konservativen und autoritären Führungsverständnis begreifen: Das Machtgefüge hat sich zugunsten der Mitarbeiter verschoben. Demografischer Wandel, digitale Transformation und das ausgeprägte Selbstbewusstsein vieler so genannter Millennials zerren an Führungskräften und ihrem Selbstverständnis. Schon in wenigen Jahren, so die Meinung von Arbeitsforschern, werden hochqualifizierte Spezialisten zunehmend eher ortsunabhängig in internationalen Projektzusammenhängen arbeiten. Traditionelle Arbeitsorte und -zeiten verlieren an Bedeutung. Digitale Fachkräfte werden sich weit weniger mit ihrem Arbeitgeber identifizieren als mit ihrer jeweiligen unternehmensübergreifenden Community. Darauf weisen die kürzlich erschienenen 25 Thesen zur Zukunft der Arbeit hin, die von der Telekom zusammen mit der Uni St. Gallen als Ergebnis einer Expertenbefragung aufgestellt wurden.

Der Trainee wird zum Chef

Wenn sich Talente und Leistungsbringer immer weniger über den Arbeitgeber definieren, muss sich die Unternehmensführung in Sachen Identität und Bindung ganz schön was einfallen lassen. Gute Führungskräfte binden nicht über den Arbeitsvertrag, sondern über Persönlichkeit. Sie inspirieren, schaffen Raum für Visionen, Kreativität, Gestaltung und Sinnstiftung. Sie entwickeln ein Kraftfeld, an das Mitarbeiter gerne andocken. Solche neuen "Anführer" stellen alte Ordnungen auf den Kopf und kreieren neue Formen der Zusammenarbeit. Diese Leader 4.0 gibt es schon. Und es werden immer mehr. Allerdings vornehmlich dort, wo Menschen tätig sind, die mit oder in agilen Prozessen arbeiten. Da ist es dann völlig normal, dass ein Trainee für die Dauer eines Projekts zum Chef des Teamleiters wird. Einfach weil er mehr weiß als sein Vorgesetzter.

Know-how schlägt Hierarchie, so einfach ist das plötzlich.

"Fail forward" oder die Top 3 der besten Fehler

Wer in hoch dynamischen Märkten überleben will, macht es am besten den agil arbeitenden Entwicklern nach. "Fail fast, fail forward" ist die neue Leitwährung für den unternehmerischen Erfolg. Für viele Deutsche ist das ein Angriff auf ihr Selbstverständnis. Schon ein einmaliges Scheitern hat hier lange als Makel gegolten. Und oft ist das immer noch so. Die Amerikaner sehen das bekanntlich anders. Wer da mal was versucht hat und dann gescheitert ist, wird geliebt. Wem es gleich zweimal passiert ist, gilt schon fast als Held. Googles Penguin Award zeigt das auf anschauliche Weise. Da werden Projekte prämiert, die mal so richtig daneben gegangen sind. Oder die "FuckUp Nights". Die Idee kommt aus Mexiko und füllt mittlerweile auch in Deutschland große Säle. Unternehmer sprechen hier über ihr Scheitern. Ihnen geht es darum, Scheitern als Chance zu sehen.

Mal ehrlich, ist es vorstellbar, dass ein deutscher Marketingleiter monatlich die Top 3 der besten Fehler seiner Mitarbeiter belohnt? Oder dass ein Unternehmen stolz Mitarbeiter über Projekte sprechen lässt, die voll vor die Wand gefahren sind? Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Stattdessen bleiben die spannenden "Worst Cases" sozusagen im "Dark Net" der Unternehmen versteckt. Echt schade, denn aus ihnen könnte man am meisten lernen! Und lernen müssen wir alle. Gerade wir Führungskräfte. Und zwar schnell.

* Britta Heer (48) ist bei der Kommunikationsagentur Achtung in Hamburg Geschäftsführerin Digital & Innovation. Zuvor verantwortete sie bei der internationalen Agentur Edelman das digitale Beratungsgeschäft in Deutschland und leitete das Marketing von Books on Demand.

Leadership 4.0: Transformation zur besseren Führung

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