Recruiting | | von Annette Mattgey

Kununu: "Fake-Bewertungen schädlicher als Frust-Postings"

Die zwei wichtigsten Bausteine der Recruiting-Strategie sind Stellenanzeige und Karierre-Website. Gleich danach kommen Social Media-Kanäle wie Facebook, Twitter und Kununu, findet Armin Betz, Vorstand der Personalberatung Personal Total, Arbeitgeber-Bewertungsplattformen dienen dazu, die Informationen, die Bewerber aus anderen Quellen haben, zu untermauern. "Frust-Postings (..) richten in den meisten Fällen weniger Schaden an als sogenannte Fake-Bewertungen, die den Arbeitgeber übermäßig loben", so Betz im Interview mit LEAD digital.

 In einer Serie beleuchtet LEAD digital, wie Arbeitgeber-Bewertungsportale das Recruiting verändern. Welche Chancen und Risiken liegen darin für Arbeitgeber und Arbeitnehmer? Im ersten Teil erklärte Nico Rose, bei Bertelsmann für das Employer Branding in den digitalen Kanälen verantwortlich, wie das Medienunternehmen mit dem Thema umgeht.

Müssen Arbeitgeber vor Kununu Angst haben?

Arbeitgeber sollten Kununu eher als Chance wahrnehmen, als Angst davor zu haben. Bewerber legen mittlerweile großen Wert auf transparente Strukturen ihrer zukünftigen Arbeitgeber. Kununu ist derzeit die wichtigste Bewertungsplattform für Arbeitgeber und ein idealer Kanal, um Bewerbern detaillierte und vor allem glaubwürdige Einblicke in Firmenphilosophie und Arbeitsatmosphäre zu geben. In kostenpflichtigen Profilen werden Informationen durch die vorgegebene Kategorisierung strukturiert aufgearbeitet und können schnell vom Leser erfasst werden. Gehen Unternehmen das Thema Kununu strategisch und konzeptionell an, kann sich ein Profil in diesem Netzwerk sogar positiv auf Recruiting-Prozesse auswirken.

Wie prägend sind die Kommentare im Netz, z.B. bei Kununu, für das Image eines Unternehmens?

Arbeitgeber-Bewertungsplattformen haben nach unserer Erfahrung seit ca. zwei bis drei Jahren an Bedeutung gewonnen. Kununu im speziellen ist mit der Einbindung in Xing noch deutlich wichtiger geworden. Durch die Vernetzung der beiden Portale erhalten Bewerber jetzt einen sehr umfassenden Einblick in das jeweilige Unternehmen. Beispielsweise können Interessenten in Xing zu einer detaillierten Übersicht über derzeitige Bewertungen mit Kommentaren und kleineren Statistiken gelangen, ohne das Businessnetzwerk verlassen zu müssen. Mitarbeiter haben die Möglichkeit, ihre Bewertung bequem von Xing aus in Kununu platzieren. Hat eine Firma eine Zertifizierung von Kununu erhalten, wird diese automatisch im Xing-Unternehmensprofil angezeigt. Dies alles bietet für Interessenten einen deutlichen Mehrwert bei der Informationsbeschaffung.

Letztendlich nutzen Bewerber immer mehrere Informationsquellen, um ein möglichst umfassendes Bild des Arbeitgebers zu erhalten. Für Unternehmen kommt es bei Kununu vor allem darauf an, die Informationen, die in der Stellenanzeige und auf der Karriere-Website zu Benefits, Perspektiven etc. gegeben werden, zu untermauern. Bestätigen die Bewertungen auf Kununu diese Versprechen, stärkt dies das Image oder verbessert es sogar. Gehen Firmenangaben und Bewertungen stark auseinander, wird dem potenziellen Bewerber signalisiert, dass hier etwas nicht stimmt. In diesem Fall sollten Unternehmen Stellung nehmen und gegebenenfalls interne Maßnahmen zur Verbesserung des Arbeitsklimas angehen.

Wie stark lassen sich potenzielle Bewerber davon abschrecken bzw. anziehen?

Der entscheidende Faktor ist die Glaubwürdigkeit. Je besser Bewertungen ausfallen, umso sicherer fühlt sich der Bewerber bei seiner Entscheidungsfindung. Dafür muss allerdings eine bestimmte Mindestanzahl an Bewertungen vorhanden sein. Je größer die Anzahl an authentischen Postings ist, umso vertrauenswürdiger ist die Wirkung nach außen. Im Falle einer kritischen Bewertung sollten Unternehmen deshalb prüfen, ob eine Stellungnahme notwendig ist, dann schnell reagieren und Lösungsvorschläge anbieten. Auf diese Weise wird Mitarbeitern und Bewerbern ernsthaftes Interesse an einem Dialog und der Verbesserung der Arbeitsbedingungen signalisiert.

Neben der Anzahl der Bewertungen spielt dabei auch die Qualität der Aussagen eine entscheidende Rolle. Hier gilt: Ehrlich währt am längsten. Interessierte Leser merken schnell, ob es sich bei Bewertungen um geschönte Aussagen oder, bei negativen Angaben, um Frust-Postings handelt. Letztere richten in den meisten Fällen weniger Schaden an als sogenannte Fake-Bewertungen, die den Arbeitgeber übermäßig loben. Diese lassen das Unternehmen wenig seriös wirken und wecken bei potenziellen Bewerbern grundsätzliche Zweifel an der Außendarstellung des Unternehmens.

Wie lassen sich die eigenen Mitarbeiter motivieren, sich bei Kununu zu engagieren?

Je nach Arbeitsatmosphäre und Loyalitätsverständnis können Mitarbeiter sehr schnell oder eher schleppend von einer Bewertung bei Kununu überzeugt werden. Gezielte Aktionen wie z. B. Mailings können Anreize geben und so die Bereitschaft steigern, eine Bewertung abzugeben. In jedem Fall sollte sich der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern gegenüber klar positionieren und Ziele definieren, das Procedere erklären und die Chancen für das Unternehmen deutlich aufzeigen.

In vielen Unternehmen wissen die meisten Mitarbeiter allerdings gar nicht, dass ein Profil ihres Arbeitgebers auf Kununu existiert. Hier muss in erster Linie Aufklärungsarbeit geleistet werden, also vermittelt werden, welchen Zweck und Ziele das Profil hat, welchen Beitrag Mitarbeiter leisten können und welchen Nutzen das gesamte Unternehmen daraus ziehen kann. Letztendlich trägt jede Maßnahme, die die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigert, auch dazu bei, die Bereitschaft zu erhöhen, eine positive Bewertung auf Kununu abzugeben.

In welchen Fällen raten Sie Unternehmen, bei Kununu kostenpflichtige  Profilseiten einzustellen?

Kununu sollte als wichtige Informationsergänzung zu den Basics, also Stellenanzeige und Karriere-Website, gesehen werden. Ist ein Unternehmen in diesen Kanälen bereits gut aufgestellt, kann ein zusätzlicher Kanal in Kununu oder auch in anderen sozialen Medien  wie Facebook oder Twitter aufgebaut werden. Neben dem zusätzlichen Informationsan­gebot, sowie der Möglichkeit, Videos und Bilder zu integrieren, bietet ein kostenpflichtiges Profil bei Kununu den Vorteil, dass das Unternehmen Usern auch angezeigt wird, wenn sie sich auf anderen Profilen aufhalten. Sowohl Reichweite als auch Transparenz werden dadurch erheblich erhöht und bieten zusätzliche Anreize für Bewerber.

Neben der Transparenz wird auch die Auffindbarkeit in Suchmaschinen durch ein Kununu-Profil deutlich verbessert. Dies wiederum führt zu mehr Klicks auf dem eigenen Profil und erhöht so die Reichweite und die Chance, die passenden Bewerber für sich zu gewinnen. Gerade bei Firmen, die Mitarbeiter für schwer zu besetzende Positionen suchen, empfiehlt es sich, die Recruiting-Aktivitäten auch auf diese Kanäle auszuweiten. Sollten die sozialen Medien zu Recruiting-Zwecken genutzt werden, muss jedoch unbedingt beachtet werden, dass die Ansprache zielgruppengerecht gestaltet und die Art der Kommunikation dem jeweiligen Kanal angepasst ist.

Kununu: "Fake-Bewertungen schädlicher als Frust-Postings"

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