Microsoft-Gründer Bill Gates über seine Jugend: "Ich hatte Glück, dass ich schon mit 13 Zugang zu einem Computer hatte."
Microsoft-Gründer Bill Gates über seine Jugend: "Ich hatte Glück, dass ich schon mit 13 Zugang zu einem Computer hatte." © Foto:Presse

Interview | | von Deutsche Presse-Agentur

Gates: Wir brauchen Kreativität - und Frauen in der Arbeitswelt

Der Ex-Microsoft-Chef Bill Gates und seine Frau Melinda sind für ihre Wohltätigkeit Werk bekannt. In der aktuellen Krise wünschen sie sich von jungen Menschen mehr Engagement. Welche ihrer IT-Prognosen sich schon bewahrheitet haben und wie sich die Arbeitswelt weiterentwickeln muss, erklären die beiden im dpa-Interview.

Geht die Generation von Internet und Social Media globale Probleme anders an?

Bill Gates: Das hoffen wir, denn wir haben globale Probleme. So etwas wie der Klimawandel erfordert, dass nicht nur einzelne Länder, sondern alle Länder ihre Energiesysteme verändern - und das ist ganz schön gewaltig. Man braucht also Menschen, die langfristig denken und sich nicht nur um ihr Land, sondern auch um die Menschheit Gedanken machen. Die neue Generation reist zwar mehr und weiß mehr, aber ich würde mir insgesamt noch mehr Engagement von ihnen wünschen.

Wie soll man junge Menschen zu mehr Engagement bewegen, wenn die Probleme so überwältigend scheinen?

Bill Gates: Die Krisen machen deutlich, dass es uns aus moralischer Sicht interessieren sollte, was Menschen weit weg von uns passiert und dass es uns auch betreffen wird. Wenn die Menschen in Afrika ihre Felder nicht mehr ausreichend bestellen können, müssen sie Flüchtlinge werden - und das wären dann so viele, dass selbst das jetzige Problem dagegen klein erscheinen würde. Dann brauchen wir Kreativität: Was sollten diese Flüchtlinge machen? Könnten die Kinder mit ihren Internet-Fähigkeiten Sprachen lernen? Welche Jobs könnten sie übernehmen, wie könnten wir uns organisieren? Das letzte Mal, als wir so eine Krise hatten, hatten wir solche Hilfsmittel noch nicht.

Was können Philanthropen wie Sie überhaupt ausrichten?

Bill Gates: Wir arbeiten mit vielen Hilfsprogrammen reicher Länder wie den USA, Deutschland und Großbritannien sehr eng zusammen. Der einzige Bereich, wo wir ziemlich auf uns alleine gestellt sind, ist die langfristige Forschung, für einen Impfstoff gegen Malaria und HIV zum Beispiel. Das machen weitgehend wir. Regierungen, außer der der USA, sind da eher nicht so forschungsorientiert.

Sie raten Schülern große Träume zu haben. Was waren Ihre Träume, als Sie noch Schüler waren?

Bill Gates: Ich hatte Glück, dass ich schon mit 13 Zugang zu einem Computer hatte, auch wenn man sich da über das Telefon einwählen musste und das alles sehr limitiert war. Zuerst war es ein Hobby und später das einzige, woran ich arbeiten wollte. Also war ich schon relativ jung relativ besessen von der Sache, die mein Lebenswerk werden würde.

Melinda Gates: Ich wollte auch schon immer in der Computerbranche arbeiten und hatte Glück, dass sie an meiner Mädchenschule sehr früh Computer eingeführt haben. Dann habe ich Informatik studiert und bin für meinen Job bei Microsoft auf die andere Seite des Landes gezogen. Aber ich wusste auch schon immer, dass ich Familie haben will.

Vor rund 20 Jahren haben Sie Windows 95 herausgebracht. Wie haben Sie sich damals die Welt vorgestellt - und wo lagen sie falsch?

Bill Gates: Ich habe damals sogar Reden gehalten darüber, wie großartig das eines Tages werden würde mit Handys und Tablet-Computern. Also waren meine Prognosen eigentlich ziemlich gut. Leider ist der Anteil von Microsoft an einigen dieser Dinge nicht so hoch, wie ich mir das damals wahrscheinlich erhofft hatte. Bei anderen Sachen wie der Robotertechnik sind wir noch nicht so weit, wie ich damals dachte.

Melinda Gates: Als ich das erste Mal in Kenia war, habe ich gesehen, dass viele Menschen dort Geld digital mit ihren Handys benutzen, genau wie es Bill vorhergesagt hatte. Wir sehen das jetzt auch in anderen Ländern - Uganda, Tansania, den Philippinen - und es macht einen riesigen Unterschied. Männer, die in der Stadt arbeiten, können so zum Beispiel ihren Frauen auf dem Land über das Handy Geld schicken, oder Frauen können jeden Tag einen Dollar für die Schulgebühren sparen - schließlich haben 80 Prozent der Menschen in Entwicklungsländern keinen Zugang zu einer Bank.

Windows 95 hat die Arbeitswelt revolutioniert. Wie wird sich diese Welt weiter entwickeln und sind Frauen diesmal die Gewinner?

Melinda Gates: Absolut. Wir sehen immer mehr Frauen in der Arbeitswelt. Und wir müssen auch die unbezahlte Arbeit zu Hause endlich als Arbeit bezeichnen. Sogar in so fortgeschrittenen Ländern wie Skandinavien machen Frauen immer noch 45 Minuten pro Tag länger Arbeiten im Haushalt als Männer. Wir müssen die Aufgaben umverteilen, damit Frauen besser an der Arbeitswelt draußen teilnehmen können.

Bill Gates: In zehn Jahren wird die Veränderung wahrscheinlich noch nicht so dramatisch sein, aber in 20 werden viele einfache Jobs von Robotern gemacht werden. Das geht so schnell, dass man sich innerhalb einer Lebenszeit daran gewöhnen muss, nicht innerhalb von Generationen - und das ist eine Herausforderung. Aber insgesamt wird es uns helfen, produktiver zu sein.

ZUR PERSON: Mit einem Vermögen von geschätzten 75,7 Milliarden Dollar ist Bill Gates (60), der Gründer der Computerfirma Microsoft, der reichste Mann der Welt und das schon seit Jahren. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Melinda (51), die einst ebenfalls bei Microsoft arbeitete, hat er eine Stiftung gegründet und darüber schon fast 30 Milliarden im Kampf gegen Armut und Krankheiten gespendet. Das Paar hat drei Kinder und lebt in der Nähe von Seattle.

Gates: Wir brauchen Kreativität - und Frauen in der Arbeitswelt

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