Coach | | von Annette Mattgey

Fünf Tipps für den Jobwechsel zu einem Start-up

Keine Lust mehr auf interne Machtkämpfe und hierarchische Spielchen? Dann sehen viele den Ausweg darin, zu einem jungen und dynamischen Start-up zu wechseln. Doch der reibungslose Übergang von einem etablierten Unternehmen oder gar Großkonzern zu einem Start-up hat seine ganz eigenen Fallstricke. Aaron O’Hearn, Mitgründer des Startup Institute, erklärt, wie man erfolgreich in einem Start-up Fuß fasst.

Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften ist in der noch jungen Branche so groß wie nie: Allein 79 Prozent aller Start-ups finden bislang nicht oder nur schwer die richtigen Nachwuchstalente. Nicht jeder der in einem Startup anheuert, muss eigene Gründungserfahrung mitbringen. Arbeitnehmer aus allen möglichen Bereichen sind gefragt, gerade diejenigen, die aus etablierten Branchen stammen wie Jura, dem öffentlichen Dienst oder Bank- und Personalwesen.

Aber bevor Quereinsteiger die Arbeit in einem Startup aufnehmen, sollten sie einige Punkte im Hinterkopf behalten.

#1 – Unternehmenserfahrung ist ein Vorteil

Ein beliebtes Vorurteil über Start-up-Jobs ist, dass angeblich jeder coden können muss. Nur wer fließend in allem, von Python über Java bis hin zu Ruby on Rails ist, sorgt angeblich für den entscheidenden Unterschied im Start-up. Das ist überhaupt nicht der Fall.

Erfahrungen aus Großkonzernen wirken durchaus Wunder in der Start-up-Welt. Das trifft besonders auf FinTech-Unternehmen wie die Onlinetrading-Plattform eToro und der Auslandszahlungsanbieter TransferWise zu, denn die Regeln und Gesetze der Finanzwelt beeinflussen maßgeblich ihre Unternehmensentwicklung und Workflows. Wer bereits Erfahrungen bei etablierten Größen sammeln konnte, hat den entscheidenden Vorteil. Arbeitnehmer aus Großkonzernen können den Wechsel in ein Start-up erfolgreich meistern, wenn sie vorher herausfinden, welche ihrer Fähigkeiten wo wertvoll eingebracht werden können.

Startups wie Braintree (Payment), Hailo Cab (Taxi) und Airbnb (Übernachtung) brauchen zudem juristische als auch politische Experten, wenn sie sich im Paragraphendschungel der neuen Märkte zurechtfinden wollen. Uber holte sich in Deutschland vor kurzem externe Expertise von der Agentur Burson-Marsteller an Bord, damit sie in dem juristisch und politisch aufgeladenen Streit mit den Taxifahrern adäquat reagieren können.

Letztendlich gewinnt, wer den Wert seiner Arbeit im Unternehmen richtig einschätzt und einbringen kann. Ob riesengroße Teams leiten oder Projekte für multinationale Konzerne durchführen, das alles ist sehr wichtig für ein Start-up. Schlussendlich ist jede Erfahrung aus der Welt der Großkonzerne wertvoll für Start-ups. Allerdings stehen Seiteneinsteiger vor der Schwierigkeit, wie sie diese gewinnbringend für den neuen Arbeitgeber einsetzen.

#2 –Professionalität mitbringen, Hierarchie hinter sich lassen

Ein professioneller Umgang, basierend auf klaren Zielen und Strukturen, kann ein junges Start-up in ein ernstzunehmendes, seriöses Unternehmen verwandeln. Allerdings sorgt ein zu starker Fokus auf interne Hierarchien dafür, dass die Start-up-Kultur und damit eventuell sein Wachstum, schnell ein jähes Ende hat – die richtige Balance zu finden, ist die große Herausforderung.

#3 – Raus aus Machtkämpfen und verstaubten Netzwerken

Große Agenturnetzwerke oder Medienkonzerne sind oftmals geprägt von internen Machtkämpfen und ihren Netzwerken zu den immer gleichen privaten Universitäten. Intellektuelles Gehabe und exzessive Angeberei bringen in einem Start-up Umfeld niemanden weiter, denn dort werden neue Mitarbeiter nach Motivation, Erfahrung und Tatkraft ausgewählt. Messbare Resultate sichern Wachstum und Umsatz in einem Start-up.

#4 – Vorsicht vor Buzzwords

Manager, Investmentbanker und PRler halten nicht hinter dem Berg, wenn sie sich über schwachsinnige und verwässernde Ausdrücke aus dem Unternehmensfeld lustig machen: "Value adden", "Kernkompetenzen" und "Best practice" gehören zu den beliebtesten Hassobjekten, wenn es um den Fachjargon der Manager-Ebene geht.

Für diejenigen, die sich auf die Reise in die Start-up Welt begeben wollen, heißt das: Aufhören mit dem Fachsimpeln, denn der Fokus in einem Start-up liegt darin, die Resultate tatsächlich auch einzufahren und das Geschäft auf- und auszubauen – und nicht die angeblich dazugehörende Schönmalerei. Allerdings nimmt letztere in Start-ups eine andere Form an als in Großkonzernen. Buzzwords wie "disruptiv", "innovativ" und "lean" sind sehr populär, doch es ist wichtig vorsichtig mit ihnen umzugehen. Ansonsten kommen sie schnell wie inhaltloses PR-Geschwafel daher.

#5 – Schnell entscheiden und wachsen

Während etlichen Arbeitnehmern der Entscheidungsprozess in ihrem Unternehmen zu langsam erscheint, haben Start-ups eine Geschwindigkeit, die viele überfordern kann. Ohne lange Auftragsvergaben und Vertragsunterzeichnungen gelangt das Team in einem Start-up wesentlich schneller zu einer hohen Skalierung. Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Mehr Impact. Ebenso klar der Nachteil: Fehler zugeben zu müssen und aus diesen zu lernen – "Analyse Paralyse" kann ein Start-up die Existenz kosten. Man muss bereit sein Fehler zu machen und daraus zu lernen. Bescheidenheit geht Hand in Hand mit schnellen Entscheidungen.

Start-up Teams können außerordentlich schnell wachsen und sind deshalb ständig auf der Suche nach guten Talenten. Die Start-up-Schmiede Mass Challenge Accelerator beispielweise arbeitet mit Start-ups die dazu tendieren, jeden vierten Monat ihre Größe zu verdoppeln.

Fazit: Den Fuß in die Tür kriegen

Natürlich müssen Quereinsteiger erst mal ihren Fuß in die Tür bekommen, bevor sie sich überhaupt Gedanken machen, wie sie sich am besten in die Start-up-Welt integrieren könnten. Die Fähigkeiten zu besitzen, ist nur der erste Schritt. Noch wichtiger ist jedoch die richtige Denkweise und zu lernen, wie man seine Unternehmenserfahrung in die Start-up-Kultur integriert und seine Fähigkeiten entsprechend transformiert. Dann ist es nur noch eine Frage, wann man endlich rausgeht in die Community, Start-up Meetups besucht und anfängt zu verstehen, wonach Start-ups suchen.

Fünf Tipps für den Jobwechsel zu einem Start-up

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