Gehalt | | von Annette Mattgey

Elbdudler-Chef Vester: "Einer der besten Arbeitsplätze"

Mit so einem Ansturm hat Julian Vester, Geschäftsführer der Hamburger Digitalagentur Elbdudler nicht gerechnet. Vor einigen Tagen beschrieb er in einem Interview, dass die Elbdudler-Mitarbeiter selbst über ihr Gehalt entscheiden. Jetzt stapeln sich bei ihm die Bewerbungen. Warum das Entlohnungsmodell "richtig harte Arbeit" für ihn und die Kollegen ist, erzählt Vester im LEAD digital-Interview.

Was gab für Sie den Anstoß zu dieser Initiative?

Wir haben schon immer unsere Gehälter und alle Zahlen im Unternehmen offen gelegt. Dazu kommt, dass unsere Mitarbeiter seit jeher selbstbestimmt arbeiten sollen. Das zusammen führt irgendwann zu dem logischen Schluss, dass sich die Mitarbeiter mit ihren Gehältern auseinandersetzen.  Es gab also keinen speziellen Moment, sondern die Frage nach einer Alternative zu "vom-Chef-festgelegten-Gehältern" kam mit der Zeit auf.

Wie lange bleibt der jetzige Status fix? In welchen Abständen wird neu diskutiert?

Wir sind gerade dabei uns stärker in Zellen zu organisieren. Diese Zellen können den Turnus dann selbst bestimmen.

Bleibt es bei dem Mechanismus? Wo könnten Sie sich noch Verbesserungen am System vorstellen?

Uns zeichnet aus, dass wir uns und unsere Strukturen und Systeme andauernd hinterfragen und auch verändern. Insofern, nein, der Mechanismus wird sich ganz sicher weiter entwickeln und Verbesserungen kann ich mir somit an allen Ecken und Enden vorstellen.

Wie hat sich das Betriebsklima verändert?

Das Bewusstsein für die Wirtschaftlichkeit ist stark gestiegen.

Wie reagieren Jobsuchende auf Ihr Modell? Wie werden sie eingruppiert?

Durchweg positiv. Aber für viele hört sich das erstmal einfach toll an. Dass da richtig harte Arbeit dahinter steckt, merkt man dann natürlich erst, wenn man angefangen hat. Bislang hat es aber keiner bereut. Die erste Einstufung läuft ganz stark über vergleichbare Positionen, aber natürlich auch über den Marktwert.

Konnten sie durch das Interview schon neue Job-Interessenten finden?

Ja tatsächlich, mein Postfach quillt über.

Im Sinne des Employer Branding war das Interview sicher ein guter Coup. Was zeichnet Elbdudler sonst noch als guten Arbeitgeber aus?

Es war kein Coup. Wir machen das, weil wir es als richtig und sinnvoll erachten. Das enorm-Magazin hat davon gehört und uns interviewt. Darauf hin ist die Pressewelle losgegangen. Dass diese Thema auf so viel Interesse stößt, freut uns natürlich. Aber ehrlich gesagt, ist das Gehaltsthema für uns nicht so etwas Besonderes, denn um so etwas zu machen braucht es fruchtbaren Boden, der das eigentlich Besondere ist. Der besteht bei Elbdudler aus dem Wunsch, mündige Mitarbeiter zu haben, die selbstbestimmt und verantwortungsvoll arbeiten. Wir tun alles dafür, dass die Mitarbeiter, das auch tun können. So gibt es bei Elbdudler keine festgelegten Arbeitszeiten, keine limitierten Urlaubstage und den Anspruch, sich andauernd zu verändern und den Gegebenheiten anzupassen. Es ist menschlich sehr anstrengend, bei Elbdudler zu arbeiten, weil die persönliche Komfortzone sehr klein ist. Aber wer darauf Lust hat und sich traut, selbstkritisch zu sein, findet bei uns sicherlich einen der besten Arbeitsplätze in Deutschland.

Elbdudler-Chef Vester: "Einer der besten Arbeitsplätze"

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