Dominik Frings | | von Uli Busch

Dmexco: Brot und Spiele für das digitale Werbervolk

Sie strengt an, sie kostet Zeit, sie besteht zu einem großen Teil aus Small Talk und Taxis gibt es auch nicht: die Rede ist - richtig! - von der Dmexco.  Mediascale-Manager Dominik Frings fasst noch einmal den alljährlichen Messe-Horror zusammen und erklärt, warum wir die Dmexco trotzdem lieben.

Ja nun steht sie mal wieder vor der Tür: die Dmexco. Was klingt wie eine bis in die 80er bekannte Tankstelle, steht in Wirklichkeit für "digital marketing exposition & conference". Hätten Sie es gewusst? Ich auch nicht, wenn ich nicht nachgeguckt hätte. Im Grunde ist es ja auch kein schlechtes Zeichen, wenn der Name ein wenig nebulös daherkommt und somit auch gleich den Geist der Messe wiedergibt. Dabei ist das Motto eine sehr schöne Glaskugel für einen vorausschauenden Beitrag: "Turning Visions into Reality". Das hiermit verbundene Anliegen ist durchaus ehrenwert: "Weniger labern, mehr machen" könnte man frei übersetzen, wobei ich jedoch fürchte, dass in einem solchen Rahmen die Tiefgründigkeit per se schlechte Karten hat. Und ganz ehrlich, meine Visionen oder auch die meines geschätzten Vorgesetzten Wolfgang Bscheid wollen Sie nicht ernsthaft alle verwirklicht sehen. Dennoch habe ich eine Vorahnung wie es laufen wird, denn klassischerweise sieht der Besuch der Messe (Motto hin oder her) wie folgt aus:

+++ Am ersten Tag gibt es morgens noch Taxis und die Messe kann starten +++ ein bisschen Small Talk zum reinkommen +++ die ersten Termine drohen verbunden mit a) guten Absichtserklärungen b) vorwurfsvollen Haltungen c) geballten Belanglosigkeiten +++ zwischendurch ein paar Vorträge von denen man sich mehr versprochen hat +++ eine Currywurst +++ Smalltalk mit Hinz und Kunz auf dem Gang verbunden mit der Absicht, am Abend noch ein Bier zu trinken  +++ ein paar Termine (Ablauf s. oben) +++ Absacker am Stand +++ Abfahrt aber wie? (Taxis sind ja auch überbewertet) +++ gehetztes Umziehen +++ Essen und Kölsch 1-10 +++ Party und Kölsch 11-n und zehnprozentiges Einlösung des Trinkversprechens vom  Nachmittag  +++ Aufstehen +++ Taxis bereits für den Hinweg nicht verfügbar +++ der Rest folgt dem Schema des ersten Tages mit matteren Augen und einer leichten Blümeranz.

Am Ende stellt man sich die Frage ob sich die Strapazen gelohnt haben und man kann es mit einem klaren "Ja! beantworten. Denn trotz der Oberflächlichkeit, den Unwägbarkeiten und dem Gefühl erschöpfter zu sein als einem Zwölf-Stunden Tag voller wirklicher Arbeit, nimmt man einiges mit an Inspiration (nicht zuletzt dank der stark internationalen Ausrichtung), Motivation (geschafft für ein Jahr), Gossip (wer mit wem und wie oft oder wohin) und neuen Kontakten (gewollt oder nicht).

So lange also der Wahnsinn nur einmal im Jahr tobt, wir vielleicht irgendwann ein funktionierendes Handynetz inkl. WiFi haben (Achtung liebe Besucher:  ein vernetztes Endgerät pro Person muss reichen, sonst muss man sich nicht wundern, dass die mobilen Helferlein nur noch zum Solitär taugen) und die Realitäten abseits der schönen Glitzerwelt hinter vorgehaltener Hand rege ausgetauscht werden, so lange bin ich ein starker Befürworter des Trubels denn Brot und Spiele braucht auch das digitale Werbevolk.

Dominik Frings hat sein BWL-Studium im holländischen Venlo absolviert. Danach trat er seine Stelle bei Mediascale an. Angefangen hat er dort als Kundenberater, stieg zum Leiter Beratung auf und ist seit 2011 Geschäftsleiter. Seine Verantwortungsfelder sind strategische Kundenbetreuung, Online und Performance.

Dmexco: Brot und Spiele für das digitale Werbervolk

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Das war die Dmexco

von Dominik Frings

Was ist mit der Dmexco los? Für LEAD-Blogger Dominik Frings war es "langweilig bis schockierend", dass selbst angloamerikanische Digital-Profis plötzlich geerdet daher reden und gar nicht versuchten die Zukunft von übermorgen gestern zu verkaufen.

Beginnen möchte ich den Rückblick mit dem Verweis auf den Ausblick und eigentlich könnte ich hier aufhören, denn die Prognosen wiesen doch eine hohe Treffergenauigkeit auf. Manch schwarzer Schwan jedoch entlarvt mich dann doch als halbblinden Spekulanten mit ansatzweisem Talent zum "richtig liegen".

Es war tatsächlich weitestgehend zu beobachten, dass der Realitätssinn obsiegte und eine ganze Reihe von Einsichten vielleicht nicht übereilig, aber dennoch rechtzeitig Einzug gehalten haben in die prahlenden Werberfloskeln. Ja es war schon fast langweilig bis schockierend, dass selbst angloamerikanische Vertreter der digitalen Zunft plötzlich geerdet daher reden und gar nicht versuchten die Zukunft von übermorgen gestern zu verkaufen.

Was heißt das konkret: Automatisierung der Einkaufsprozesse wird eine treibende Kraft, aber es ist nicht die eierlegende Wollmilchsau, die jede Impression in eine Conversion verwandelt und nebenbei auch noch antizipiert, was der Konsument in den nächsten zwölf Monaten alles kaufen will und welche sexuellen Vorlieben er so hat. Auch wurde häufig die Komplexität in den Vordergrund gerückt. Denn die neuen Möglichkeiten machen die  Dinge eben nicht einfacher sondern vielschichtiger. Planer, Vermarkter und Werbungtreibende haben nunmehr andere Tätigkeitsschwerpunkte allerdings nicht weniger Arbeit. Selbst anderweitige (Ex-)Hype-Themen wie Social, Mobile und Bewegtbild wurden eher mit Pragmatismus behandelt und somit muss ich konstatieren (was ich niemals für möglich gehalten hätte): Visionen wurden in die Realität überführt, aber bei lauter Erdung wurden die Visionen de facto vergessen. Ich denke aber, dass die kurze visionäre Atempause nur einen Herbst lang halten wird und die segensbringenden Goldgräber schon bald wieder ihre Choräle anstimmen werden.

Nun zu dem erwartbaren: WLAN-Debakel, Taxi-Massaker, Gedränge und schulterklopfendes vorbeiziehen an den üblichen Verdächtigen waren die steten Begleiter dieser digitalen Murmeltiertage und führten zu fast Deja-Vu ähnlichen Zuständen. Hastende Messeflucht die aufgrund verspäteter Flieger vollkommen bizarr anmuten perfektionierte die traute Heimeligkeit.  Die Expansionsflächen und der ausbleibende Regen verhinderten allzu großes Gedränge und war der zweite Tag schon immer der deutlich entspanntere, so wusste man in diesem Jahr gar nicht wohin mit der neu gewonnenen Beinfreiheit. Ich nutzte die Chance, um mir die zum Teil abenteuerlichen Angebote in Halle 6 und 7 anzusehen, welche mitunter einem Kuriositäten-Kabinett glichen. Zum Teil entstand dieser Eindruck wohl vor allem deshalb, weil ich beim besten Willen nicht verstanden habe, um was für eine Lösung oder Dienstleistung es sich überhaupt handelt.

Es war also alles etwas größer, weiter, opulenter und es spricht momentan wenig dagegen, dass es nächstes Jahr nicht noch höher hinausgehen wird.Vielleicht hat man bis dahin eine Lösung für das WLAN gefunden, berichten wir dann über DAS Jahr des Mobile Advertising und haben eine Lösung für das Verkehrsproblem… (Kleiner Scherz am Ende)

Dominik Frings hat sein BWL-Studium im holländischen Venlo absolviert und 2003 abgeschlossen. Danach trat er seine Stelle bei Mediascale an. Angefangen hat er dort als Kundenberater, stieg zum Leiter Beratung auf und ist seit 2011 Geschäftsleiter. Seine Verantwortungsfelder sind strategische Kundenbetreuung, Online und Performance.

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