Digitalagenturen haben Herz für junge Talente
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Nachwuchsförderung | | von Annette Mattgey

Digitalagenturen haben Herz für junge Talente

Werbeagenturen sind schon seit längerem recht kreativ, um an Nachwuchskräfte zu kommen. Jetzt ziehen die Digitalagenturen nach. Mit Bewegtbildwerbung hat es etwa Quisma versucht, an einen Trainee zu kommen. "QUISMA sucht den Super-Trainee“ lautete das Motto. "Damit waren wir eine der ersten Performance-Marketing-Agenturen, die jenseits der klassischen Anzeigen mit Bewegtbild gearbeitet hat und die Bewerber dadurch geradezu motiviert hat, selbst eine kreative Form der Selbstdarstellung zu wählen", erklärt Johann Hermann (Foto), Director Key Account Management bei Quisma. Für eine Trainee-Zeit bei Quisma spricht aus Hermanns Sicht einiges: "Argumente für die Traineeships sind natürlich eine attraktive Bezahlung, zahlreiche Weiterbildungsmaßnahmen, aber auch ein cooles, teamorientiertes Umfeld mit Super-Aussicht." Damit spielt er auf die Location von Quisma in München an. Bereits Erfahrungen mit Trainee-Programmen hat etwa Scholz & Friends, die aktuell wieder nach Einsteigern suchen. Bisher wurden alle Kräfte übernommen - durchaus mit Perspektiven im Digital-Bereich. Aus dem aktuellen Jahrgang wird etwa ein Mitarbeiter in den Bereich Online-Strategie gehen.

Intensiv kümmert sich auch Aperto um seine Trainees, die in verschiedenen Fachrichtungen ausgebildet werden. Ihre Ausbildung dauert ein bis eineinhalb Jahre. "Die Übernahmequote liegt bei über 80 Prozent", sagt Nina Aselmann, Personalmanagerin bei Aperto. Bei ihr in der Abteilung kümmert sich eine Vollzeit-Kraft um das Wohl und Wehe der Trainees. Für viele Agenturen sind Trainee-Programme die Mittel der Wahl, etwa auch für die Hamburger uniquedigital, die zur Syzygy-Gruppe gehören. Bei Syzygy bietet man darüberhinaus auch Ausbildungsplätze zum Mediengestalter an. Mit so einem Job kann es sogar in die Zeitung bringen, wie der Ex-Azubi und jetzige Mitarbeiter Julian Ernst beweist: Er wurde IHK-Bester seines Jahrgangs. In diesem Jahr hat Felix Schröder, Geschäftsführer von Syzygy, vier Plätze zu vergeben. Bei Ausbildungsberufen stehen den Online-Agenturen weitere Optionen offen: Quisma bietet etwa die Ausbildung zum Kaufmann(-frau) für Marketingkommunikation an. "Auch hier durchlaufen die Auszubildenden verschiedene Abteilungen und sind nach zwei bis drei Jahren echte Online-Marketing-Spezialisten", so Hermann.

Enge Kontakte suchen die Arbeitgeber der Digital-Branche auch zu den Hochschulen. "Hier entstehen kontinuierlich neue Studiengänge im digitalen Bereich, wie z. B. e-Commerce oder e-Business", lobt Stephan Horvath, President bei Draftfcb München. "Unis und Institutionen dürfen nicht darin nachlassen, die entstehenden Ausbildungsprofile fortlaufend an den neuen Herausforderungen der Branche auszurichten", mahnt er. Dazu könne der Austausch mit den Praktikern dienen. Gute Noten bekommen von ihm die Hochschule Offenburg, die den Bachelor- oder Master u.a. in den Bereichen angewandte Informatik, Medien und Informationswesen, Mediengestaltung und –produktion anbietet, und die FH Wedel. Neu eingerichtet hat die SRH Berlin den Bachelor in Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt e-Business & Social Media. Bei Plan.net sucht man darüberhinaus an der FH Furtwangen, HDM Stuttgart und FH Oberösterreich nach Talenten. Dort - und an anderen Hochschulen und FHs - sieht man die Chefs ab und zu am Rednerpult. Eigene Vorlesungen haben die meisten Digitalagenturen im Repertoire.Virtual Identity, Pilot, Quisma, Aperto und Plan.net nehmen so regelmäßig Kontakt mit der Zielgruppe auf. Und erreichen damit vielleicht den einen oder anderen, der Digitales vorher noch nicht als Arbeitsfeld auf dem Schirm hatte: "Ein BWL-Absolvent kommt in der Regel kaum von selbst auf die Idee, sich im Online-Marketing zu bewerben, obwohl er vielleicht beste Voraussetzungen mitbringt (ausgeprägtes analytisches Denken, hohe Lernbereitschaft, schnelle Auffassungsgabe etc.). Quisma geht deshalb gezielt an die Universitäten, um über die Perspektiven und Möglichkeiten im Performance-Marketing aufzuklären und auch die Agentur persönlich vorzustellen, " so Johann Hermanns Strategie.

Selbst kleine Agenturen wie die Social Media-Agentur We are social mit derzeit 15 Mitarbeitern machen sich Gedanken, wie sie an neue Leute kommen: Mit einer Plakataktion in Kletterhallen und an Unis suchte sie nach einem Experten rund um das Thema Outdoor. Zur Messe re:publica versprach sie Tickets und einen Aufenthalt in Berlin, wenn die Bewerber ihre Motivation in 200 Wörter packen können." Außerdem widmet sich die Agentur den Medien, die ihr am nächsten liegen: "Einerseits wäre da unser Blog, der mit informativen aber auch unterhaltsamen Beiträgen auf aktuelle Themen rund um Social Media und We Are Social aufmerksam macht. Viele Kandidaten werden aufgrund der spannenden Themen hellhörig und schreiben uns. Zudem streuen wir alle We Are Social-Jobanzeigen auch über unsere privaten sozialen Netzwerke und erreichen damit eine große Anzahl an Social Media-affinen, hochqualifizierten jungen Menschen. Wenn nicht der richtige Kandidat dabei ist, greifen wir zu kreativen Mitteln, die auch mal offline stattfinden dürfen," sagt Florian Wimmer, Account Director bei We are Social.

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