Die Zeitarbeitsbranche verschläft Social Media
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Facebook & Co. | | von Annette Mattgey

Die Zeitarbeitsbranche verschläft Social Media

Angst vor kritischen Stimmen scheint die Zeitarbeitsfirmen davon abzuhalten, sich aktiv in sozialen Netzwerken zu präsentieren.  Das ist die falsche Strategie, meint Sven Konzack, Geschäftsführer von Timeworkers.de, einer Jobbörse für Zeitarbeitsplätze. Denn hilfreichen Content gibt es genügend: von Stellenangeboten über Tipps für Bewerber bis hin zu Jobmessen.

Nach einer Umfrage des Hightech-Verbandes Bitkom setzt fast die Hälfte aller deutschen Unternehmen soziale Medien ein. Demnach sind 47 Prozent bei Facebook, Twitter & Co. vertreten. Weitere 15 Prozent planen bereits, diese Kanäle für sich zu nutzen - nicht zuletzt, um auf diese Weise neue Mitarbeiter zu finden(23 Prozent). Wo sich Arbeitgeber mit herkömmliche Mitteln immer schwerer tun, bietet ihnen das Social Networking einen neuen Weg, für sich zu werben und potentielle Bewerber unmittelbar anzusprechen.

Da wundert es, dass die Zeitarbeitsbranche, deren Unternehmen häufig über einen Arbeitskräftemangel klagen, die sozialen Medien noch stiefmütterlich behandelt und weitgehend meidet. Das gilt sogar für die Hälfte der zehn führenden Unternehmen der Branche. So zählen zwar Persona, Autovision, I.K. Hofmann, ZAG Personaldienste und die Orizon Gruppe nach Umsatz zu den Top Ten, aber dafür sind sie nicht bei Facebook aufzufinden. Als ein entscheidender Grund ist hier die Angst der Zeitarbeitsfirmen vor den kritischen Stimmen der Nutzer anzuführen, denen sie sich dann stellen müssten.

Doch auch praktische Erwägungen verleiten die Unternehmen zur Abstinenz. Nicht anders ist es zu erklären, dass sogar das Zeitarbeitsunternehmen des Vorsitzenden des Bundesarbeitgeberverbands der Personaldienstleister (BAP), einer der größten Arbeitgeberverbände der Branche, Facebook & Co. nicht zu nutzen weiß. Statt interessante Mehrwerte für die Nutzer zu schaffen, kopiert die Flex-Time Zeitarbeit lediglich Texte von ihrer Website auf die eigene Facebook-Präsenz. Ein Austausch zwischen dem Unternehmen und potentiellen Bewerbern findet nicht statt. Der mangelnde Dialog ist auch darauf zurückzuführen, dass man sich auf Facebook versteckt. Die Page der Flex-Time Zeitarbeit ist öffentlich nicht einmal zugänglich, kann damit nicht von den gängigen Suchmaschinen aufgefunden und so von nicht angemeldeten Facebook-Nutzern nicht eingesehen werden.

Die Branchenverbände sollten mit Rat und Tat zur Seite stehen

Die zögerliche Haltung ist sicherlich auch auf die Kommunikationspolitik der Branchenverbände zurückzuführen. Hier wären mehr Aufklärungsarbeit und Hilfestellungen wünschenswert. Denn auch mit dem Import einzelner Stellenanzeigen in die Netzwerke ist es bei weitem nicht getan. Vor allem ist es kritisch zu beurteilen, wenn unseriöse Recruiting-Software-Anbieter ahnungslose Zeitarbeitsunternehmen mit dem Versprechen ködern, ihre Stellenanzeigen allesamt in den sozialen Netzwerken zu veröffentlichen, dort aber tatsächlich nur eine Handvoll der Anzeigen publizieren. Und auch wenn das Interesse daran, qualifiziertes Personal zeitgemäß in sozialen Netzwerken zu rekrutieren, unter den Zeitarbeitsfirmen durchaus vorhanden ist, macht eine manuelle Einspeisung von Job-Offerten angesichts der Masse an eigenen Stellenanzeigen für sie wenig Sinn, da dies mit einem großen Zeit- und Arbeitsaufwand verbunden ist. Dieser wird dann meist gescheut, obwohl die automatisierte Übertragung über API-Schnittstellen als Alternative zur Verfügung steht.

Eine erfolgreiche Präsenz in den sozialen Netzwerken lebt von dem Mehrwert, den die Unternehmen in diesen präsentieren. Zeitarbeitsunternehmen sollten neben der Publikation aktueller Stellenangebote daher auch interessanten Content schaffen. Neben eigenen Veranstaltungen wie Bewerbertage, Neuigkeiten aus dem eigenen Unternehmen oder aus den Zeitarbeitsverbänden können sie mit News und Tipps rund um die Jobsuche, Bewerbungsverfahren sowie auch über Freizeitangebote, die sie für ihre Arbeitskräfte anbieten, punkten. Auch ihr ehrenamtliches Engagement – wie beispielsweise die Unterstützung von gemeinnützigen Vereinen – sollten Zeitarbeitsunternehmen in den sozialen Medien kommunizieren, in dem sie Neuigkeiten aus den unterstützten Vereinen auf ihrer Präsenz bei Facebook & Co. veröffentlichen.

Die Kleinen machen es vor

Obgleich deutlich kleiner als die Branchenführer, demonstrieren Unternehmen wie die VPL Personal Leasing, wie Facebook genutzt und der dortige Auftritt kreativ umgesetzt werden kann. So postet die VPL sogar Mitarbeiter-Interviews auf ihrer Facebook-Page. Auch weitere kleinere und mittlere Zeitarbeitsfirmen – darunter unter anderem die Oldenburger Inperso und Select aus Bruchsal – reihen sich in den Reigen der positiven Beispiele ein. Sie können es ohne weiteres mit denjenigen führenden Unternehmen der Top Ten aufnehmen, die auf Facebook gut repräsentiert sind, auch wenn sich Letztere die Expertise über spezialisierte Agenturen einkaufen.

Diese Positiv-Beispiele verdeutlichen, dass die Zeitarbeitsunternehmen kritische Stimmen im "Mitmachweb" nicht zu fürchten haben. Ängste im Umgang mit sozialen Netzwerken sollten den Chancen weichen, die diese auch für die Zeitarbeitsbranche bieten. Unternehmen, die sich mit ihren "Fanpages" nicht verstecken, Mehrwerte bieten und das Social Networking intelligent in die eigene Rekrutierungsstrategie integrieren, werden von ihrer Präsenz in den Netzwerken maßgeblich profitieren. Dabei dürfen sich diese jedoch weniger von dem Gedanken "Dabei sein ist alles" leiten lassen, sondern sollten ihre Aktivitäten auf Facebook & Co. zunächst mit Umsicht planen und erst dann – gegebenenfalls unter Nutzung verfügbarer, bewährter Apps oder qualifizierter, externer Expertise – ebenso gut umsetzen.

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