Deutsche fühlen sich mangelhaft auf Digitalisierung vorbereitet
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Bitkom-Studie | | von LEAD digital

Deutsche fühlen sich mangelhaft auf Digitalisierung vorbereitet

Von wegen lebenslanges Lernen. Auch wenn der digitale Wandel heute nahezu jeden Beruf erfasst, hapert es an der notwendigen Schulung. Viele Berufstätige beklagen diesen Mangel.

72 Prozent der Beschäftigten ärgern sich darüber, dass sie während der Arbeit keine Zeit für eine Weiterbildung zum Umgang mit neuen Technologien haben. Sechs von zehn (59 Prozent) sagen, dass ihr Arbeitgeber keine Weiterbildungen zu Digitalthemen anbietet. Und vier von zehn (39 Prozent) erklären, dass ihr Arbeitgeber vermehrt auf neue, digitale Technologien setzt, ohne in die dafür erforderliche Weiterbildung seiner Mitarbeiter zu investieren. Dabei sehen 92 Prozent der Befragten lebenslanges Lernen heute als immer wichtiger an. Und 88 Prozent schätzen Kenntnisse in digitalen Technologien als Voraussetzung ein, um beruflich erfolgreich zu sein.

Kein Beruf sei heute nicht von der Digitalisierung betroffen, sagte Achim Berg, Präsident des Bitkom, bei der Vorstellung der Studienergebnisse. Traditionelle Berufe würden sich verändern oder sogar verschwinden. So ist etwa auch der stationäre Autohandel von einem radikalen Wandel erfasst. Kunden würden sich heute online informieren und Autohäuser gerade noch einmal zur Probefahrt und der Bestellung aufsuchen. Auch der Beruf des Zahntechnikers werde zunehmend verdrängt, da die Produktion von Zahnersatz heute mit einem 3D-Drucker schneller und kostengünstiger erledigt werde.

"Wichtig ist, sich auf die Veränderungen im Berufsleben richtig einzustellen", sagte Berg. "Und Weiterbildung ist dafür der Schlüssel." Drei von vier Bundesbürgern hätten sich bereits privat weitergebildet - vom Kochkurs über die Nutzung von Programmen wie Office oder Photoshop, Fremdsprachen oder der Nutzung des Internets bis hin zum Programmieren. Mit vier Prozent sei das Erlernen einer Programmiersprache jedoch ein Nischenthema, sagte Berg.

Hier liegt die Verantwortung der Unternehmen

Die Studie zeige, dass bei den Arbeitnehmern großes Interesse und Bereitschaft für Weiterbildung vorhanden sei. "Hier ist vor allem das Management gefordert. Lebenslanges Lernen muss raus aus dem Podiumssprech und rein in die unternehmerische Praxis. Digitalkompetenz gehört dabei in den Mittelpunkt", findet Berg. Für ein erfolgreiches Lernen müssten die Angebote aber weiter verbessert werden. „Digitale Lernformate wie Online-Tutorials, Lern-Apps fürs Smartphone oder MOOCs sind vielseitig und leicht zugänglich. Sie lassen sich immer und überall nutzen – etwa auf Bahnfahrten, im Wartezimmer oder an der Bushaltestelle. Neue Technologien wie adaptive Learning ermöglichen Inhalte, die genau an den individuellen Wissensstand und Lernfortschritt angepasst sind."

Das bestätigt auch die Studie: Knapp neun von zehn Nutzern digitaler Lernformate (87 Prozent) sehen den Vorteil, sich immer und überall weiterbilden zu können. Sechs von zehn (59 Prozent) sind überzeugt, mit digitalen Lernformaten schneller und zielgerichteter lernen zu können. 43 Prozent sagen, digitales Lernen macht mehr Spaß als mit klassischen Lernformaten. "Politik und Wirtschaft müssen die Angebote aktiv gestalten." Dabei seien auch die Unternehmen gefordert. "Bei der derzeit allgemein guten Auftragslage versäumen es viele Unternehmen, in das Geschäft und die Mitarbeiter von morgen zu investieren. Für die benötigten qualifizierten Fachkräfte müssten aber auch die Unternehmen selbst sorgen."

am/mit dpa

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