Personal Branding | | von Romy Mlinzk

Der Kleinmädchentraum zerstört Ihre Marke

Markenbildung, Personal Branding, Self-Marketing - nicht selten werden diese Schlagworte von namhaften Frauen in der Social Media-Branche verwendet, um darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig es ist, aus der Masse herauszustechen. Vor allem als Frau in einer männergeprägten Welt, die sich erst langsam in Richtung Gleichberechtigung dreht, ist es wichtig, eine gewisse Aufmerksamkeit zu erregen. Sich als Spezialistin in einem Gebiet zu etablieren und vorne mitzuspielen - all das ist heutzutage das A und O, auch im Bereich Social Media.

Hat man sich erst einmal einen Namen gemacht und sich erfolgreich über diverse Kanäle bis hin zur eigenen Website und/oder Blog etabliert, ist man eine Marke. Da frage ich mich in letzter Zeit, warum so viele erfolgreiche Frauen dies unbedingt zerstören wollen, nur um einen Kleinmädchentraum zu leben? In meinem Bekanntenkreis mehren sich nämlich die Frauen, die jung, erfolgreich, dynamisch im Social Media-Umfeld unterwegs sind, deren Namen durch Blogs und auch Offlinemedien gegangen sind, die Bücher mitschreiben, die Vorträge auf großen Konferenzen halten - und sich plötzlich durch Heirat und Namensänderung ihre eigene Marke zerstören.

Zwar bin ich keine ausgeprägte Feministin, aber doch mit einem modernen Verständnis von Beziehungen und Rollenverteilung groß geworden. Von kleinauf bin ich mit dem Bewusstsein aufgewachsen, dass Frauen berufstätig sind und Karriere machen können. Auch wurde mir früh verdeutlicht, wie einzigartig mein Name ist. Spätestens seit mein damaliger Chef Martin Recke (SinnerSchrader) zu mir meinte, ich sei aufgrund meines Namens schon eine Marke, war klar, dass ich diesen Namen nicht hergeben werde. Schon als kleines Mädchen wollte ich am Liebsten meinen Cousin heiraten, weil er den gleichen außergewöhnlichen Nachnamen besitzt.  Alles, was ich mir seitdem aufgebaut habe, zahlt auf meine (Online-)Reputation ein und bildet seitdem mein Profil im Netz und auch offline. Die Marke „Romy Mlinzk“ ist bekannt und etabliert.

Warum um alles in der Welt sollte ich das ändern wollen? Aus einem romantischen Kleinmädchen-Verständnis heraus? Einen Mann zu lieben ist das eine, aber sich (also die Marke) für ihn aufzugeben? Nein! Der Mann ist vielleicht sogar im gleichen Umfeld tätig und steht quasi auch in einem Konkurrenzkampf zur eigenen Marke damit; er gibt doch auch nichts so einfach auf. Zumindest nicht seinen Namen im Netz, seine Reputation oder gar seine URL. Das ist SEO-technisch auch nicht ganz unspannend. Zum Beispiel richtet sich der immer noch von einigen herangezogene PageRank auch nach dem Alter einer Domain. Würde ich nicht unter snoopsmaus.de sondern unter romymlinzk.de publizieren und diese URL etabliert haben, dann würde ich durch Heirat und Namensänderung auch diese URL ändern (müssen). Dies würde sich auch auf PageRank und andere SEO-Metriken auswirken, da die neue URL nämlich vor allem eins ist - neu.

Ganz zu schweigen von der eigenen Auffindbarkeit im Netz. Viele Kunden, Geschäftspartner oder Bekannte haben die Heirat womöglich nicht mitbekommen, kennen daher eventuell den neuen Namen gar nicht. Das Rebranding über alle Kanäle vernünftig zu vermarkten, ist wahrlich nicht die einfachste Aufgabe. So ähnlich wie bei Umzugsbenachrichtigungen ist es auch hier wahrscheinlich, dass man den ein oder anderen vergisst zu informieren. Man beginnt wieder von vorne - nicht nur das neue Leben mit seinem Liebsten. Und ist es das wirklich wert? In einer Gesellschaft, in der Frauen sich immer noch nach Männerregeln richten? Warum brechen wir nicht langsam diese Regeln und sind selbstbewusste, moderne Frauen? Alles nur für einen Tag in weiß?! Weil im Märchen die Prinzessin den Prinzen nie in Frage gestellt hat?

Dabei gibt es auch gute Beispiele! Christina Obergföll und ihr Mann sind solch ein Beispiel. Auch Christina Obergföll ist eine Marke und seit wenigen Wochen verheiratet. Ihr Mann, der ehemaliger Speerwerfer Boris Henry, heißt seit der Heirat nun Boris Obergföll. Vielleicht nicht der einfachste Name im Gegensatz zum vorherigen, aber seine Frau ist eine feste Größe in der Sportszene. Er ist konsequent den Schritt gegangen, ihre Marke zu stärken. Dabei hätte er das nicht tun müssen. Denn es ist seit einiger Zeit durchaus möglich, seinen sogenannten „Ledignamen“ zu behalten (BGB §1355, letzte Änderung 01.01.2009). Beide hätten also ohne Schaden an beiderseitiger Marke ihren Nachnamen behalten können. Lediglich bei Kindern wird es dann irgendwann kompliziert, welcher Name für die Nachkömmlinge gewählt werden würde, aber wenn man nicht gerade ein Mommyblog unterhält, mag das zu vernachlässigen sein.

Romy Mlinzk ist einer der "Digital Leader", einer festen Gruppe von Bloggern, die ab sofort ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreiten. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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