Der klassische Recruiter hat ausgedient
© Foto:F. Wurzer

Recruiting | | von Raoul Fischer

Der klassische Recruiter hat ausgedient

Recruiter werden für Unternehmen auch in strategischer Hinsicht immer wichtiger. Vorausgesetzt, sie machen die Transformation zum Talent Advisor durch. Denn angesichts neuer Zielgruppen, einer veränderten Situation am Arbeitsmarkt und neuer Bedürfnisse der Unternehmen ist er immer stärker in seiner Rolle als Berater gefragt. Florian Wurzer, Sourcing Specialist bei Intel Deutschland, erklärt exklusiv in seinem Gastbeitrag für LEAD digital warum.

Natürlich gibt es ihn noch, den klassischen Recruiter. Seine wichtigste Aufgabe besteht darin, das richtige Personal für das Unternehmen zu beschaffen. Allerdings: Diese Aufgabe verändert sich seit einigen Jahren radikal, Recruiting muss anderes leisten als noch vor fünf Jahren. Der Recruiter wird zunehmend zum strategischer Ratgeber, der sowohl den einstellenden Manager als auch externen Kandidaten berät. Er sollte beiden Seiten zeigen, ob sie die richtigen Erwartungshaltungen einnehmen und formulieren – und muss dies offen im Interview ansprechen. Der Recruiter wird zum Talent Advisor und muss sich neue Kompetenzen aneignen.

Unsere Arbeitswelt verändert sich mit jeder nachrückenden Generation. Derzeit erleben wir die Verschmelzung von persönlicher Kommunikation und virtueller Kontaktpflege – im Alltag wie im Beruf. Kandidaten und Nachwuchskräfte wollen neue Karrierewege, suchen eine neue Form der Lebens- und Selbstverwirklichung. Unternehmen und speziell die Personalmarketing- und Recruiting-Teams müssen auf diese Wünsche und Veränderungen eingehen. So besteht die Aufgabe für Recruiting-Manager nicht mehr nur darin, eine Marke, ein Unternehmen und einen Job zu „verkaufen“, sondern das richtige Talent für den richtigen Job zu finden. Das heißt, wir müssen mit den Interessenten in einen Dialog treten, sie kennenlernen. Nicht nur, um ihre fachliche Qualifikation zu beurteilen, sondern auch um zu prüfen, ob sie in das Unternehmen passen, ob ihre Erwartungen und Vorstellungen mit der Firmenkultur in Einklang zu bringen sind. Und sie müssen bereit sein, den Job in seinem ganzheitlichen Ausmaß zu besprechen und den potenziellen Kandidaten offen und ehrlich gegenüber zu treten.

Das bedeutet, dass die Recruiting-Abteilungen sich auf den Weg machen und die Kommunikation aus der Hand geben müssen: Weniger selber die Firma beschreiben, als Mitarbeiter und Kollegen sprechen lassen, die ganz genau und viel besser in ihren eigenen Worten sagen können, was es heißt bei dem Unternehmen X im Team Y zu arbeiten. Das hat etwas mit Authentizität zu tun – fast schon ein Buzzword im Personalmarketing-Bereich. Allerdings ein wichtiges. Wir leben in einer Zeit – auch das ist den nachwachsenden Generationen und ihrer unerbittlichen Kommunikation über Social Media geschuldet – in der falsche Versprechen und unauthentische Statements entlarvt werden. Was Unternehmen machen und wie sie es machen, ihre Visionen und ihr Arbeitsalltag können jederzeit und in ungeahntem Ausmaß Thema auf sozialen Plattformen werden.

Wie können wir damit am besten umgehen? Primär sollte die gleiche Regel wie auch im privaten Umgang mit Freunden und der Familie gelten: Die „Wahrheit siegt immer“ oder „ehrlich währt am längsten“. Das geht nicht? Ich glaube schon. Wir wollen und brauchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Nachwuchstalente und Erfahrene, die stolz sind auf das, was sie tun. Sich damit identifizieren, davon erzählen und im Idealfall ihren Job und Privatleben nur aus zeitlichen Organisationsgründen trennen, aber am Wochenende auch gerne von ihrem Team oder ihrem Arbeitgeber erzählen. Wir brauchen Mitarbeiter, die die oft zu laufende sogenannte „Extrameile“ für das Team nicht als solche empfinden.

Und genau darum ist der Job des Recruiters heute anders. Er muss abschätzen können, ob jemand mit seinen Talenten oder auch von seiner Persönlichkeit her in einem Unternehmen zu recht kommen kann. Er muss dafür sorgen, dass Teams und direkte Vorgesetzte abchecken, ob ein Kandidat oder eine Kandidatin wirklich passt, welchen Beitrag sie zum Arbeitsprozess leisten können, wie das Team sie integrieren kann. Er befindet sich idealerweise schon länger mit dem Bewerber oder der Bewerberin im Dialog und kann ihm oder ihr helfen, das richtige – authentische Bild vom Unternehmen zu bekommen, um die richtige Entscheidung zu fällen.

Der klassische Recruiter hat ausgedient

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

(1) Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht