Nico Rose | | von Nico Rose

Der Chief Happiness Officer ist nicht der Pizza-Besteller

Im Laufe der letzten zwei bis drei Jahre ist das Thema Feelgood-Management immer populärer geworden, bedingt auch durch die Tatsache, dass mehr und mehr Erkenntnisse aus dem noch jungen Forschungsfeld der Positiven Psychologie in der Unternehmensführung aufgegriffen werden. Innovative Organisationen erkennen verstärkt, dass es einen sehr direkten Zusammenhang zwischen dem (psychologischen) Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter und unternehmerischen Erfolg gibt. So hat z.B. die TUI-Gruppe im Frühjahr bekannt gegeben, dass in Zukunft ein Teil der Vorstandsvergütung an die Mitarbeiterzufriedenheit gekoppelt wird. Des Öfteren wird in diesem Zusammenhang auch die Einsetzung eines Chief Happiness Officer (CHO) gefordert, welcher sich federführend dieses Themenfeldes annehmen soll.

Auch wenn ich diese Entwicklung grundsätzlich begrüße, so bin ich doch immer wieder verwundert, wenn ich dann lese, welche Aufgaben dieser Funktion im Unternehmen zufallen sollen. Hier eine Liste von Punkten, welche ich im Laufe der letzten Wochen auf verschiedenen News-Outlets und Blogs gesammelt habe:

  • Pizza, Eiscreme und Massagen organisieren;
  • Office-Partys und ähnliche Veranstaltungen organisieren;
  • Trainings organisieren;
  • Unterstützung rund um das Thema Wohlfühlen am Arbeitsplatz und Büro-Design;
  • Unterstützung rund um das Thema Relocation.

All diese Dinge können richtig und nützlich sein – aber: es sind klassische Aufgaben einer Office-Assistenz oder auch eines HR-Sachbearbeiters. Und: alle diese Aspekte sind "nice to have" (Wer freut sich nicht über kostenlose Pizza?), aber am Endes des Tages nur in sehr geringem Maße ausschlaggebend für die nachhaltige Zufriedenheit und das Engagement eines Mitarbeiters. Wer sich beispielsweise ungerecht vergütet fühlt oder keine Karriere-Perspektiven geboten bekommt (und das muss nicht immer "steil bergauf" heißen) oder sich allgemein von der Mission des Unternehmens entkoppelt fühlt, wird ein Unternehmen auf absehbare Zeit mit hoher Wahrscheinlichkeit verlassen. Massagen gibt's woanders auch.

Das Chief vor dem Happiness Officer sollte wohl-verdient sein

Eine CHO-Rolle, die das "C" in ihrem Namen wirklich verdient hätte, wäre eine strategische Position, jemand, der direkt an den Personalvorstand oder sogar CEO berichtet, weil zunehmend klarer wird, dass das Wohlbefinden der Mitarbeiter und die "Bottom Line" unmittelbar miteinander verknüpft sind. Alex Edmans von der Wharton School of Business in Philadelphia hat für eine Studie einen fiktiven Aktien-Fonds aufgelegt, der jeweils aus den Best Companies to Work For für die Jahre 1984 bis 2009 bestand, welche in den USA jährlich von einem Beratungsinstitut gekürt werden (als Näherungswert für Unternehmen mit hoher Mitarbeiterzufriedenheit). Nach Durchführung von Kontrollmaßnahmen für Firmengröße, Marktrisiken, Branchenmittelwerte etc. kommt Edmans zu dem Ergebnis, dass dieser Fond in puncto Kapitalmarktperformance relevante Benchmarks um zwei bis drei Prozentpunkte pro Jahr schlägt. Das klingt zunächst nicht nach einem großen Unterschied. Aber zwei bis drei Prozent, immer wieder, über 25 Jahre: das ist viel. So wie in: VIEEEEL.

Ein CHO, so wie ich ihn sehe, sollte mindestens zehn bis zwölf Jahre Erfahrung in verschiedenen HR-Funktionen haben (Führungskräfte-Entwicklung, Employer Branding, Payroll etc.). Idealerweise sollte er/sie zusätzlich einige Jahre operative Erfahrung haben, um die Bedürfnisse der betreuten Mitarbeiter besser zu verstehen. Ebenso wichtig wäre ein gerüttelt Maß an eigener Führungserfahrung. Weiterhin wichtig wird in Zukunft das Thema Datenanalyse und -Modellierung, wobei dieser Aspekt sicherlich an Spezialisten delegiert werden könnte.

Der Chief Happiness Officer sollte verantwortlich und/oder signifikant beteiligt sein an der Steuerung folgender Aufgaben und Prozesse; die (Weiter-)Entwicklung von:

  1. Strategie und Mission des Unternehmens
  2. Unternehmenskultur, insbesondere Führungsinstrumente
  3. Performance Management sowie Vergütungsschemata
  4. Karrierepfaden und Arbeitszeit-Modellen
  5. Employer Brand und Recruiting-Prozessen
  6. Mitarbeiterbefragungen und ähnlich gelagerten (Big-)Data-Projekten
  7. Trainings, insbesondere zum Thema Führung
  8. Gesundheitsmanagement
  9. Gebäude- und Arbeitsplatzdesign
  10. allen Themen rund um die interne Kommunikation (Intranet, E-2.0-Anwendungen)

Nur wenn der Chief Happiness Officer an der Gestaltung dieser Rahmenbedingen maßgeblich beteiligt ist, wird die Funktion ausreichend organisationale Schlagkraft haben, um einerseits das psychologische Wohlbefinden der Mitarbeiter und andererseits den unternehmerischen Erfolg nachhaltig zu steigern.

P.S.

Wie das Magazin Forbes online berichtete, hat die Wohnungsvermittlung Airbnb kürzlich einen "Chief Employee Experience Officer" ernannt, welcher der o.g. Beschreibung recht nahekommt.

Nico Rose ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.  

Der Chief Happiness Officer ist nicht der Pizza-Besteller

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