Dominik Frings | | von Dominik Frings

Das war die Dmexco

Was ist mit der Dmexco los? Für LEAD-Blogger Dominik Frings war es "langweilig bis schockierend", dass selbst angloamerikanische Digital-Profis plötzlich geerdet daher reden und gar nicht versuchten die Zukunft von übermorgen gestern zu verkaufen.

Beginnen möchte ich den Rückblick mit dem Verweis auf den Ausblick und eigentlich könnte ich hier aufhören, denn die Prognosen wiesen doch eine hohe Treffergenauigkeit auf. Manch schwarzer Schwan jedoch entlarvt mich dann doch als halbblinden Spekulanten mit ansatzweisem Talent zum "richtig liegen".

Es war tatsächlich weitestgehend zu beobachten, dass der Realitätssinn obsiegte und eine ganze Reihe von Einsichten vielleicht nicht übereilig, aber dennoch rechtzeitig Einzug gehalten haben in die prahlenden Werberfloskeln. Ja es war schon fast langweilig bis schockierend, dass selbst angloamerikanische Vertreter der digitalen Zunft plötzlich geerdet daher reden und gar nicht versuchten die Zukunft von übermorgen gestern zu verkaufen.

Was heißt das konkret: Automatisierung der Einkaufsprozesse wird eine treibende Kraft, aber es ist nicht die eierlegende Wollmilchsau, die jede Impression in eine Conversion verwandelt und nebenbei auch noch antizipiert, was der Konsument in den nächsten zwölf Monaten alles kaufen will und welche sexuellen Vorlieben er so hat. Auch wurde häufig die Komplexität in den Vordergrund gerückt. Denn die neuen Möglichkeiten machen die  Dinge eben nicht einfacher sondern vielschichtiger. Planer, Vermarkter und Werbungtreibende haben nunmehr andere Tätigkeitsschwerpunkte allerdings nicht weniger Arbeit. Selbst anderweitige (Ex-)Hype-Themen wie Social, Mobile und Bewegtbild wurden eher mit Pragmatismus behandelt und somit muss ich konstatieren (was ich niemals für möglich gehalten hätte): Visionen wurden in die Realität überführt, aber bei lauter Erdung wurden die Visionen de facto vergessen. Ich denke aber, dass die kurze visionäre Atempause nur einen Herbst lang halten wird und die segensbringenden Goldgräber schon bald wieder ihre Choräle anstimmen werden.

Nun zu dem erwartbaren: WLAN-Debakel, Taxi-Massaker, Gedränge und schulterklopfendes vorbeiziehen an den üblichen Verdächtigen waren die steten Begleiter dieser digitalen Murmeltiertage und führten zu fast Deja-Vu ähnlichen Zuständen. Hastende Messeflucht die aufgrund verspäteter Flieger vollkommen bizarr anmuten perfektionierte die traute Heimeligkeit.  Die Expansionsflächen und der ausbleibende Regen verhinderten allzu großes Gedränge und war der zweite Tag schon immer der deutlich entspanntere, so wusste man in diesem Jahr gar nicht wohin mit der neu gewonnenen Beinfreiheit. Ich nutzte die Chance, um mir die zum Teil abenteuerlichen Angebote in Halle 6 und 7 anzusehen, welche mitunter einem Kuriositäten-Kabinett glichen. Zum Teil entstand dieser Eindruck wohl vor allem deshalb, weil ich beim besten Willen nicht verstanden habe, um was für eine Lösung oder Dienstleistung es sich überhaupt handelt.

Es war also alles etwas größer, weiter, opulenter und es spricht momentan wenig dagegen, dass es nächstes Jahr nicht noch höher hinausgehen wird.Vielleicht hat man bis dahin eine Lösung für das WLAN gefunden, berichten wir dann über DAS Jahr des Mobile Advertising und haben eine Lösung für das Verkehrsproblem… (Kleiner Scherz am Ende)

Dominik Frings hat sein BWL-Studium im holländischen Venlo absolviert und 2003 abgeschlossen. Danach trat er seine Stelle bei Mediascale an. Angefangen hat er dort als Kundenberater, stieg zum Leiter Beratung auf und ist seit 2011 Geschäftsleiter. Seine Verantwortungsfelder sind strategische Kundenbetreuung, Online und Performance.

Das war die Dmexco

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